Es findet zwar aktuell die Frauenfußballweltmeisterschaft in Frankreich statt, doch auch abgesehen davon erfreut sich der Frauenfußball immer größerer Beliebtheit. In Spanien und Italien werden Zuschauerrekorde gebrochen und immer mehr Klubs sehen das Potenzial im Frauenfußball. Vizemeister ​Borussia Dortmund hingegen stellt kein solches Team.


Inzwischen haben alle Branchengrößen des Herrenfußballs auch Teams für Frauen, die den großen Vereinsnamen repräsentieren. Mit einer Ausnahme: Borussia Dortmund. Während der FC Bayern und der VfL Wolfsburg auch im Frauenfußball europäische Schwergewichte sind, herrscht bei den Schwarz-Gelben eine große Leere, was den Frauenfußball angeht. Für die deutsche Nationalspielerin Lina Magull ein bedauernswerter Zustand, wie sie kürzlich auf Nachfrage ausführte.


Schließlich sei "so viel Potenzial im Ruhrpott und in Dortmund. Da könnte man mit dem BVB wirklich was bewegen. Viele gute Spielerinnen haben schon gesagt, dass sie sofort für den BVB spielen würden", wird die 24-jährige Mittelfeldspielerin beim Sportbuzzer zitiert. Magull stammt selbst aus Dortmund, spielt aber beim großen Rivalen vom FC Bayern München.


Es ist tatsächlich eine Sonderstellung, die der BVB dort einnimmt. Denn kürzlich hat sogar der spanische Weltklub ​Real Madrid nachgezogen und sich für 500.000 Euro ebenfalls ein ​Frauenteam gekauft. Oder besser, die Königlichen sicherten sich für eine halbe Million Euro die Lizenz des Aufsteigers CD Tacon. Real erhielt für diesen Zug viel Lob. So erklärte Rafael del Amo, der der Frauenfußball-Abteilung des spanischen Verbandes vorsteht: "Es ist eine Ehre, Real im Wettbewerb zu haben. Es ist das Monster, das fehlte." Tacon ist ein Stadtteil Madrids, Leiter des Vereins ist mit Rene Ramos der Bruder eines der weltbesten Abwehrspieler in Spanien.

Die Liste großer Klubs, die Frauenteams stellen, ließe sich beliebig fortsetzen. Manchester City, Olympique Lyon, Paris Saint-Germain, der VfL Wolfsburg, Atletico Madrid, FC Barcelona oder Juventus sind nur einige Beispiele. Auch die Frauen-Bundesliga zeigt, wohin es geht. Mit Wolfsburg, Bayern, Hoffenheim, Freiburg, Leverkusen, Bremen und Gladbach gab es gleich sieben Mannschaften, die man auch aus dem Herrenbereich in der obersten Klasse kennt.


Nicole Selmer, Chefredakteurin beim österreichischen Magazin ballesterer und regelmäßige Teilnehmerin beim Podcast FRÜF (Frauen reden über Fußball) erklärte gegenüber dem Portal dw.com, dass man sich in Dortmund wohl nicht viel Hoffnung darauf machen sollte, dass die Schwarz-Gelben nachziehen werden. "Ich glaube nicht, dass sie eine Notwendigkeit sehen, ein Frauenteam zu gründen. Es gibt keine Tradition im Verein in diese Richtung und auch kein Druck von Außen, der dort etwas Bewegung reinbringen könnte."


BVB hat "keine Geschichte im Frauenfußball"


Auch der Verein selbst gab inzwischen ein Statement zu dieser Frage heraus und erklärte dort: "Borussia Dortmund hat keine Geschichte im Frauenfußball. Die Abteilungen waren schon immer unterteilt in Herrenfußball, Frauenhandball, Tischtennis und einem Blindenfußballteam." Auf die Frage, ob sich daran in Zukunft etwas ändern könnte und ob man potenziell ein Frauenteam in Zukunft in Schwarz und Gelb sehen könnte, wurde nicht geantwortet.


Während einige im BVB ein riesiges Potenzial für den gesamten Frauenfußball sehen, welches auch in Deutschland einen ähnlichen Schub wie in England oder Spanien auslösen könnte, mahnen Kritiker an, dass es mit der SGS Essen und dem MSV Duisburg bereits zwei Vereine im Ruhrpott gebe, die die Nachfrage nach Frauenfußball stillen. Zudem soll es in der Anhängerschaft beim BVB selbst Zweifel geben, ob man dort nicht sogar eine Rivalität aufbauen würde, wenn man innerhalb des Vereins mit dem Frauenteam eine zweite Mannschaft gründet.


Zwar ist die Konkurrenz insgesamt in Deutschland so schlecht nicht aufgestellt, denn auch mit Turbine Potsdam oder dem FFC Frankfurt gibt es noch weitere Teams, die die Konkurrenzsituation hochhalten, denn sieht Selmer auch dort Verbesserungsbedarf. "Man sieht an der Frauenfußballweltmeisterschaft, dass der deutsche Frauenfußball inzwischen ein bis zwei Schritte hinterherhinkt. Vielleicht nicht direkt in den Endergebnissen. Aber bei der Weltmeisterschaft und in der Champions League wird das schon deutlich. Die anderen Länder und Ligen haben aufgeholt."


Während auch andere Global Player wie Real Madrid das Potenzial erkennen und dem Frauenfußball somit auch einen Schub geben, scheint man in Dortmund weit entfernt davon, seine Rolle im Fußball und besonders in Deutschland dafür nutzen zu wollen, den Frauenfußball auch hierzulande zu unterstützen. Die ablehnende Haltung ist schon ein wenig überraschend. Denn auch für den BVB könnten sich Chancen ergeben, weitere Fans und weitere Gelder zu akquirieren. Eine Chance, die wohlwissend verschenkt wird.