2004 trafen sich Bernd Hoffmann (56) und ​Dieter Hecking (54) anlässlich eines Hallenturniers zum ersten Mal. Hecking trainierte zu diesem Zeitpunkt den Zweitligisten VfB Lübeck, Hoffmann stand in seiner ersten Amtszeit als Vorstandsvorsitzender des ​Hamburger SV. Schon damals fand Hoffmann Gefallen am Trainer. 2009 und 2011 versuchte er - beide Male vergeblich - Hecking an die Alster zu locken. Im dritten Anlauf hat es nun endlich geklappt. 


Dieter Hecking ist seit einem Monat bei den Hanseaten - und seitdem wird der HSV auf links gedreht, wie kaum einmal in den Jahren zuvor. Schon vor Heckings Verpflichtung wurde mit Jonas Boldt (37) ein neuer Sportvorstand präsentiert - der die schon von seinem Vorgänger Ralf Becker eingeleiteten Verhandlungen mit Hecking finalisierte und schließlich Vollzug melden konnte.


Im Kader selbst gab es bislang auch schon eine erhebliche Fluktuation. Wenn der brasilianische Innenverteidiger Ewerton (30, kommt vom 1. FC Nürnberg) heute seine Unterschrift unter einen Dreijahresvertrag setzt, hat der HSV bereits vor Beginn der offiziellen Transferperiode acht neue Spieler verpflichtet. Und das durchaus auf neuralgischen Positionen, wie Torhüter (Heuer Fernandes), Innenverteidigung (Ewerton), zentrales Mittelfeld defensiv (Kinsombi) und offensiv (Kittel) sowie auf der Mittelstürmerposition (Hinterseer). Alles neu also beim HSV. 


Auch im Team hinter dem Team. Hecking brachte seinen langjährigen Assistenten Dirk Bremser (53) mit, und dieses Duo wurde vergangene Woche noch mit Tobias Schweinsteiger (37, ehemals Jugendtrainer bei den Bayern) verstärkt. Auch ein neuer Team-Manager (Lennart Coerdt, 39) wurde installiert. ​

Hamburger SV Training Session

Hecking und sein langjähriger Assistent Bremser (hier im Gespräch mit David Kinsombi)



Doch nicht nur rein personelle Wechsel prägen derzeit das Bild im Volkspark. Auch innerbetrieblich und organisatorisch bleibt momentan kein Stein auf dem anderen. Man spürt förmlich: die Bosse nehmen den angekündigten Neuanfang ernst. So wurde, Berichten der Sport Bild zufolge, die Sitzordnung innerhalb der Geschäftsstelle verändert, sodass Sportdirektor Michael Mutzel (39) näher am Vorstand arbeitet. Die Scouting-Abteilung soll zudem stärker untereinander vernetzt werden, um innere Abläufe zu beschleunigen. 


A propos innere Abläufe: selbst das gemeinsame Mittagessen der Profis findet nun wieder im Campus (Jugendzentrum) statt. Unter Hannes Wolf war es in den Profi-Trakt verlegt worden. 

Da geht eine Verlegung des Sommer-Trainingslagers (in den vergangenen Jahren stets in Rotenburg, nun im österreichischen Kitzbühel) beinahe schon unter. 


Alles neu also beim HSV? Ja, könnte man sagen, wenn man nicht um die vergangenen Jahre wüsste. Alleine Vorstandsboss Bernd Hoffmann versuchte es in seinen beiden Amtszeiten schon mit zwölf (!) verschiedenen Trainern. Auch ihm dürfte klar sein: der Schuss mit Hecking muss sitzen. Damit einem Neuanfang innerhalb des Vereins auch bald die entsprechenden Erfolge der Mannschaft auf dem Platz folgen.