Im zweiten Teil unseres Interviews sprechen Philipp und David Degen über ihre Karriere sowie besondere Erfahrungen in der Bundesliga.


Zu Teil 1 des Interviews geht's ​hier lang.


Philipp, was bedeutet für dich persönlich der Aufschwung deiner beiden internationalen Ex-Klubs Liverpool und Borussia Dortmund?


Philipp: Es ist schön anzusehen, was in beiden Vereinen entstanden ist. Dortmund hat eine wirklich tolle Saison gespielt. Ich hätte den Borussen die Meisterschaft wirklich gegönnt. Die aktuellen Transferaktivitäten lassen sicherlich vermuten, dass die kommende Saison noch spannender werden dürfte.


Für Liverpool gilt sicherlich das gleiche, auch wenn sich der Weg hier meiner Meinung nach noch mehr abgezeichnet hat. Jürgen Klopp hat einen klaren Plan und den setzt er seit Jahren um. Diese Saison war dann der Durchbruch. Ich denke auch, Liverpool hätte die Meisterschaft verdient gehabt – was die teilweise spielen, das schaut man sich schon sehr gerne an. Der Gewinn der Champions League war dann natürlich überragend und gibt dieser Saison einen tollen Abschluss.


Habt ihr Beispiele aus eurer Profikarriere für schlimme Episoden oder Vorfälle, die man mit der richtigen Betreuung hätte verhindern können?


Philipp: Wir wollen gar nicht in der Vergangenheit schwelgen. Uns fehlte an der ein oder anderen Stelle ein Tipp oder Hinweis, wie wir ihn heute geben. Aber "schlimme Episoden oder Vorfälle" gab es nicht. Für uns ist es wichtig, dass wir dem Spieler bei der Wahl der richtigen Entscheidung helfen. Einerseits hinsichtlich des neuen Vereins, andererseits aber vielleicht auch hinsichtlich des Umfeldes. Sprich, sind das da gerade wirklich die richtigen Freunde, bringen die dich wirklich weiter oder sind diese sofort wieder weg, sobald es einen Knick in der Karriere gibt. Uns ist es daher auch wichtig, dass wir nicht nur in guten Zeiten dem Spieler zur Seite stehen, sondern insbesondere auch dann, wenn es nicht so gut läuft. Wenn man mal auf der Bank sitzt oder verletzt ist – dann ist der Austausch so richtig wichtig. Die richtigen Ärzte zu haben, ein gutes Netzwerk zur Verfügung zu stellen – das ist in diesem Fall mein Verständnis von richtiger Betreuung.


Es ist uns aufgefallen, dass ihr in eurer Karriere überraschend wenig den Verein gewechselt habt. Dies ist heute eher eine Seltenheit. Woran liegt das? Und wäre das im Optimalfall für eure Klienten auch ein guter Karriereweg?


David: Wir haben damals immer aus tiefster Überzeugung einen Verein gewechselt. Auch die Leihstationen waren nicht von irgendwelchen finanziellen Denkweisen getrieben. Ich denke, das waren letztlich die Beweggründe für eine geringere Anzahl an Vereinswechseln. 


Der Optimalfall für unsere Klienten ist immer der 'Case', in welchem sich der Spieler sportlich wie auch privat wohlfühlt und seiner Karriere zuträglich ist.


Philipp, du hast mit deinem damaligen BVB-Wechsel eine "reine Emotionsentscheidung" getroffen. Gibt es auch heute viele junge Spieler, für die die Verbundenheit zu einem Klub so wichtig ist, dass es für sie zu einem ausschlaggebenden Wechselgrund wird? Oder läuft heute alles rationaler?


Philipp: Übrigens nicht nur der BVB-Wechsel. Auch der Wechsel nach Liverpool war eine Emotionsentscheidung. Da hätten mich wenige Vereine von abbringen können. Ich glaube, dass einige Wechsel noch immer aus emotionaler Verbundenheit stattfinden. Auf der anderen Seite ist es natürlich wie im normalen Berufsleben. Dort wechseln Angestellte auch auf Basis rationaler Entscheidungen den Arbeitgeber und das ist auch verständlich. 


Gab es in deiner BVB-Karriere Momente, in denen du die volle Wucht des Vereins erlebt hast?


Philipp Degen,Bert van Marwijk

Philipp: Im positiven Sinne gibt es unzählige Erinnerungen. Alleine schon, wenn man in das Stadion eingelaufen ist und diese überragende Südtribüne die eigenen Spieler empfängt. Das waren Gänsehaut Momente. Im negativen Sinne gab es da einen Punkt – zur Zeit von Bert van Marwijk. Da gab es Differenzen. Er wollte immer, dass ich defensiver spiele, ich hingegen wollte, als offensiver Außenverteidiger, lieber offensiver spielen. Nun ja, wir haben uns geeinigt (lacht) und ich hab dann wieder defensiver gespielt.


David, du hattest ebenfalls interessante Erlebnisse in der Bundesliga, unter anderem mit Jupp Heynckes. Wie kam seine immense Erfahrung als Spieler und Trainer, der viele Erfolge feiern konnte, zur Geltung?


David: Jupp Heynckes schätze ich sehr als Mensch und Trainer. Ich konnte immer mit ihm reden, er ist sehr reflektiert und hatte immer ein offenes Ohr. Die Spieler mochten ihn sehr, da er seine Methoden und Trainingsansätze immer wieder angepasst hat auf die sich ändernden Gegebenheiten. Er hat nicht ohne Grund so viele Erfolge als Spieler und Trainer gefeiert. Auch heute noch kann ich nur sagen: "Hut ab" vor einer solchen Karriere!

Jupp Heynckes,Christofer Heimeroth,Sebastian Svaerd,Michael Delura,Walter Junghans,David Degen