Die Zwillinge Philipp und David Degen sind jedem Bundesliga-Fan ein Begriff, da sie beide jahrelang im ​deutschen Oberhaus aufliefen. Nach ihrer aktiven Karriere gründete das Duo die SBE Management AG. Dort beraten die Schweizer mittlerweile Fußballprofis wie Gregor Kobel, Kevin Rüegg, Fabian Johnson und Ridle Baku.


Im Gespräch mit 90min stellen Philipp und David Degen gemeinsam mit Social-Media- und PR-Berater Tobias Kuhlmann ihre Firma vor, erzählen von ihren Aufgaben und verraten, worauf es als Spielerberater ihrer Meinung nach wirklich ankommt.


Wie kam es dazu, dass ihr euch gegen eine Karriere als Trainer oder Sportdirektor entschieden habt, um eine Spieleragentur zu gründen?


David: Ich habe mich nach dem Ende meiner Karriere nochmal entschieden, den akademischen Pfad zu nehmen und habe mein Betriebswirtschaftsstudium aufgenommen. Als dann Philipp seine Karriere ebenfalls beendete, kam er mit der Idee auf mich zu, dass wir eine Agentur gründen sollten, die "anders" ist. "Anders" im Sinne von "von Spielern für Spieler". Wir kennen die Bedürfnisse von Spieler genau und können daher auf voll darauf eingehen. Wir wollten eine Agentur gründen, die speziell auf die Wünsche und Bedürfnisse der Spieler zugeschnitten ist und den aktuellen Bedürfnissen – die sich in den letzten Jahr massiv verändert haben - gerecht wird.

 David Degen: "Wir kennen die Bedürfnisse der Spieler genau..."



Gab es in der Vergangenheit auch Versuche von Profiklubs, euch für Führungspositionen abzuwerben?


Beide: Es gab da hin und wieder mal Kontakt, wir wollten jedoch einen eigenen Weg einschlagen. 


Es gibt viele Beratungsagenturen, die sich um viele Bereiche im Leben des Fußballers kümmern. Was genau unterscheidet SBE Management von diesen anderen Spieleragenturen?


Philipp: Wir verstehen uns als Netzwerk, wir wollen den Spielern nicht einen Berater zur Seite stellen, sondern immer die besten Experten für jedes Thema. Experten aus dem jeweiligen Bereich. Wir sind der Auffassung, dass sich der Fußball in den letzten 10 Jahren gewandelt hat. Fußball ist mehr als nur noch eine One-Man-Show. Das Berufsbild ist mittlerweile so Komplex, dass eine Person alleine nicht mehr alle Entscheidungen treffen kann. Vielmehr braucht es ein Netzwerk aus Experten, um wirklich die bestmöglichen Ergebnisse für unsere Spieler zu erzielen.


In welchen Gebieten unterstützt ihr eure Klienten?


David: Wir verstehen uns als 360° Service-Agentur. Im Grunde genommen, unterstützen wir unsere Spieler auf allen Gebieten, sofern sie dies möchten. Es wird hier niemandem etwas aufgezwungen. Über unser Players-Center decken wir aber viele Bereiche ab. Dazu gehören das Finanzmanagement, Ausrüsterverträge, Immobilien und Umzüge, Mobilfunkverträge, Autoverträge, Rechtsberatung aber auch Lifestyle und Social Media Dienstleistungen.


Philipp: Der Schwerpunkt liegt aber natürlich auch auf dem sportlichen Bereich. Sprich die Planung der Karriere, die Analyse von Matches, das mentale Coaching oder auch einfach nur ein offenes Ohr für alltägliche Probleme mit Trainern, Kollegen oder ähnlichem.

Philipp Degen: "Loyalität ein großer Bestandteil der Beziehung zum Agenten."



Welche Fehler begehen viele junge Fußballer bei der Beratersuche?


Philipp: Schwierig. Ich denke eher, dass viele Fußballer von den Versprechungen der Berater geblendet werden. Die Standardsätze wie "Ich bringe dich groß raus" oder "Ich bringe dich da und dort hin", sollten unbedingt hinterfragt werden. Grundsätzlich glaube ich an die Loyalität, das heißt, wenn ein Spieler mit seinem Berater zufrieden ist, warum wechseln? Falls aber nicht, sollte er sich immer mehrere mögliche Kandidaten anhören und nicht auf den nächstbesten Zug aufspringen.


Ihr legt auch viel Wert auf die Social-Media-Präsenz eurer Klienten. Twitter- oder Instagram-Accounts von Fußballstars sind oftmals in ihrem Inhalt fast identisch und sehr unoriginell, was auch viele Fans bemerken. Wie findet man in dieser Hinsicht die perfekte Zusammenstellung aus Authentizität und Vermarktbarkeit?


Tobias: Meine Aufgabe bei der SBE ist es nicht, den Spielern die Postings vorzuschreiben und sie somit zu verweichlichen. Vielmehr geht es nach unserem Verständnis darum, den Spielern mit kompetentem Fachwissen zur Seite zu stehen. Ein falscher Post oder ein unbedachter Kommentar kann die Spieler nun mal in ein Licht rücken, welches für die weitere Karriere hinderlich sein könnte. Wir wissen ja alle, das Internet vergisst nicht. Es geht uns, wie bereits von Philipp und David skizziert, um den persönlichen Austausch. Wenn die Spieler unsere Hilfe in Anspruch nehmen, dann stimmen wir uns immer zunächst dahingehend ab, dass wir klären, was der Spieler von sich zeigen möchte und was nicht. Darauf basierend erstellen wir dann ein ganz individuelles Social-Media-Konzept, das die Persönlichkeit des Spielers zeigt. Diesem Konzept entsprechend werden dann die Inhalte mit dem Spieler konzipiert. Ganz wichtig ist dabei jedoch, dass der Spieler immer das letzte Wort hat.

Um die Frage also zu beantworten – dies ist ein ganz enges Zusammenspiel zwischen uns und dem Spieler und gelingt nur durch den persönlichen Austausch. Dem Spieler etwas aufzudrücken wird nicht funktionieren, das werden Fans und Follower schnell merken.


Sollte man eurer Meinung nach gegenüber den Fans transparenter damit umgehen, wer die Konten der Fußballer führt?


Tobias: Transparenz ist natürlich auch im Social-Media-Bereich sehr wichtig. Wie schon gesagt, ich glaube, die Follower bemerken schnell, ob ein Account geführt wird oder der Spieler selbst aktiv ist. Am Ende des Tages können wir nur aus unser Sicht sprechen und da hat, wie schon erwähnt, nun mal der Spieler immer das letzte Wort und postet die Beiträge selber.


Generell liefern die meisten Fußballstars auf dieselben Fragen dieselben Antworten, originelle Aussagen sind mittlerweile eine Seltenheit, da sie vom Verein oder vom Berater aufgrund einer potenziell entstehenden Angriffsfläche zensiert werden. Kann es sein, dass die vergrößerte Rolle der Agenturen und Vereine, die sich mittlerweile um viele Facetten des Fußballer-Lebens kümmern, den Spieler entmenschlicht haben?


Tobias: Ich glaube, der Fußball und damit auch das mediale Umfeld hat sich einfach massiv verändert in den vergangenen 10 Jahren. Wenn heute ein Spieler eine markante Aussage trifft, freut dies vielleicht den Interviewer des einen Medium, die anderen zehn Medien hauen ihn dafür aber in die Pfanne bzw. verdrehen die Aussage ins Negative, um mehr Verkäufe und Klicks zu generieren. Da überlegt sich ein Spieler heute natürlich zweimal was er sagt und was nicht, das ist verständlich!

"Das mediale Umfeld hat sich in den letzten 10 Jahren massiv verändert." - Tobias Kuhlmann, SBE Management Social Media, PR & Legal. 



Allerdings würde ich auch nicht pauschal sagen, dass Agenturen und Vereine die Spieler entmenschlichen, soweit würde ich definitiv nicht gehen. Vielmehr haben sich die Anforderungen an die Spieler so verändert, dass getroffene Aussagen heute mehr Gewicht haben, als vielleicht noch vor zehn Jahren.



Welche Karriere birgt eurer Meinung nach mehr Stress: Das Leben als Fußballprofi oder Fußballagent?


Philipp: Ganz klar, der Job des Managers. Als Spieler hast Du ein tolles Leben, kannst aber sehr auf dich selber achten. Der Manager hat gleich mehrere Spieler zu betreuen und ist somit eigentlich immer auf Stand-By. Es gibt so gesehen keine 'office-hours'. Wir sind immer für unsere Spieler zu erreichen. Das bedeutet durchaus auch, dass an der ein oder anderen Stelle die Familie zurückstecken muss. 


Der Beruf des Spielerberaters hat unter Fans keinen sonderlich guten Ruf, was auch an Individuen wie Roger Wittmann oder Mino Raiola liegt. Ist das für euch ein Punkt, den ihr verbessern möchtet?


David: Wir wollen nicht darüber reden, was andere machen bzw. wie diese Personen sich nach außen präsentieren. Es ist mir eigentlich auch egal. Sicher, der Ruf der Branche ist nicht der beste, war es aber auch noch nie so wirklich. Wir schauen aber auf uns und sind angetreten –wie schon gesagt – um "anders" zu sein. Damit fühle ich mich sehr wohl.


Tobias: Richtig, wir lassen so zum Beispiel unsere Follower über unsere Social Media Kanäle aktiv an dem Agenturleben teilhaben. So haben wir verschiedene Kampagnen kreiert, über welche wir dann unsere Mitarbeiter (#MeetTheTeam) vorstellen oder auch unsere Philosophie und den Berateralltag (#BehindTheAgent) präsentieren und auch Einblicke hinter die Kulissen von Transfers (soweit möglich) geben (#BehindTheTransfer). Das Feedback zu diesen Kampagnen ist bisher durchweg positiv, daher werden wir diesen Weg natürlich weiter fortführen.


Auf eurer Webseite findet man ein großes Portfolio an Marketing- und Finanz-Dienstleistungen. Zuletzt betonte jedoch Philipp in einem Interview, dass ihm vor allem die emotionale Verbindung zu den Spielern wichtig ist. Ist das ein Aspekt der Spielerberatung, der allein durch die Mentalität der Agenten bestimmt wird? Bedeutet das, dass ihr euren Klienten auch mentale Hilfe im freundschaftlichen oder sogar professionellen Sinn bietet?


Philipp: Wir arbeiten eng mit Trainern für die mentale Stärke der Spieler zusammen. Es ist sicherlich keine Bedingung oder Verpflichtung, dass ein Spieler mit einem Mentaltrainer arbeitet, aber wir bieten den Spielern die Möglichkeit hierzu. Wie schon erwähnt, auch die Spieler sehen sich mittlerweile komplexen Anforderungen gegenüber. Der Druck ist größer denn je; da kann es wichtig und richtig sein, sich mit einem Mental-Trainer auszutauschen.


Euer bislang größter Fang im deutschen Markt sind die Baku-Zwillinge. Wie konntet ihr als junges Unternehmen, das noch nicht viele etablierte deutsche Klienten aufweist, die beiden Top-Talente trotz der großen Konkurrenz von euch überzeugen?


Beide (lachen): Das müssen sie Ridle und Makana (Spitzname Rudi) fragen. Ich weiß, dass viele Agenturen bei den beiden vorgesprochen haben. Wir haben den Jungs unseren Plan und unsere Idee aufgezeigt. Die Entscheidung fiel dann auf uns, was uns natürlich riesig freut. Wir sind absolut überzeugt von den Beiden und wollen unseren Teil dazu beitragen, dass die Jungs das Optimale aus ihren Karrieren herausholen.


Welches sind denn die größten Talente in eurem Portfolio, die man noch nicht so auf dem Schirm hat? Könnt ihr deren Stärken, Positionen erläutern? 


Philipp: Wir haben tatsächlich viele gute und talentierte Spieler in unserem #TeamSBE. Da jetzt einen herauszunehmen wäre, so glauben wir, den anderen gegenüber nicht fair. Bei dem ein oder anderen kann es schneller gehen, bei dem anderen dauert es vielleicht noch etwas. Im Grunde sind wir aber sehr zufrieden mit unserem "Nachwuchs" und freuen uns auf die Zukunft mit diesen Jungs.