Für die ​Ein​​tracht ist die Europapokalteilnahme momentan Fluch und Segen zugleich. Einerseits darf man wieder international spielen und mit erhöhten Einnahmen rechnen, andererseits wird man durch die UEFA-Regularien mit altbekannten Probleme konfrontiert. Es geht um die Anzahl ausländischer Spieler im Kader der Eintracht. Die Multikultur ist schon lange ein Markenzeichen der Frankfurter, aber auch ihr größter Kritikpunkt.


Zur Sachlage: Die UEFA verlangt von jedem Europa-League-Teilnehmer, dass 25 Spieler für die internationalen Spiele berufen werden. Nur diese können innerhalb des Turniers eingesetzt werden. Teil dieser Bestimmung ist auch, dass allerhöchstens 17 der 25 Spieler im Ausland ausgebildet sein dürfen. Für Frankfurt ein Problem...


Bereits vor der letzten Saison hatte man bei der Eintracht dieses Problem. Damals erwies sich die Verletzung Salcedos als Lösung, denn so konnte man einen ausländischen Spieler mit gutem Gewissen nicht nominieren. Zur Rückrunde der Saison 18/19 durfte dann neu nominiert werden und die deutschen Spieler Rode und Trapp lockerte die Situation noch weiter für die Eintracht auf.

Eintracht Frankfurt v Benfica - UEFA Europa League Quarter Final : Second Leg

Die Kämpfertruppe der Frankfurter. Lediglich Danny da Costa (hinten, zweiter von links) war Lizenzspieler mit deutscher Staatsangehörigkeit, Kevin Trapp (hinten, rechts) und Sebastian Rode (vorne, dritter von links) waren nur ausgeliehen


Auch der kicker berichtet heute über die UEFA-Regelung und schreibt zurecht, dass die Frankfurter Truppe in der heutigen, durch Fremdenfeindlichkeit gezeichnete Zeit dem internationalen Verständnis enorm hilft. Kaum etwas spiegelt die Integration besser wieder, als elf Jungs auf dem Platz, die einfach nur kicken möchten.


UEFA Regelung als Hindernis oder Leitbild?


Die UEFA wird deshalb zum Teil hart für diese Regelung kritisiert. Zurecht, kann man da sagen, schließlich hindert sie den vollständigen internationalen Austausch. Doch ich frage mich seit Langem, ob der Weg, den Frankfurt eingeschlagen hat, der Richtige ist. Nicht in Bezug auf den Verein selber, der ja zugegebenermaßen einen sehr guten Kurs zurzeit fährt, sondern im Bezug auf den allgemeinem deutschen Fußball.


Denn dieser zeichnet sich meiner Meinung nach vor allem dadurch aus, dass die eigenen, in Deutschland geborenen Talente gefördert werden. Die deutschen Vereine stehen in der Pflicht, der Jugend in Deutschland die Chance zu geben, sich zu etablieren. Nur so kann langfristig auch das Nationalteam wettbewerbsfähig bleiben.


Momentan schielen die deutschen Vereine vermehrt ins Ausland. Auch mein Verein, Bayer 04 Leverkusen, verpflichtete mit Daley Sinkgraven und Moussa Diaby zwei ausländische Spieler. Ganz von der Kritik ausnehmen darf ich also meinen Verein auch nicht, allerdings ist der Anteil deutscher Lizenzspieler bei Leverkusen enorm höher als bei Frankfurt.


England - Beispiel und Vorbild


Die Gefahr besteht, dass die deutsche Talentschmiede bei einer weiteren Konzentration auf den ausländischen Spielermarkt zu sehr in den Hintergrund gerät. Wird diese Abteilung nicht mehr attraktiv genug oder zu wenig von den Vereinen unterstützt, könnten schon bald Zustände erreicht werden, wie man die beispielsweise in England sieht. Dort setzten die Top-Klubs jahrelang kaum auf einheimische Spieler. Die Auswirkungen? Englands Klubs spielten zwar auf Topniveau, die Nationalmannschaft allerdings keine Rolle mehr.


Erst in den vergangenen Jahren kam die Talentförderung wieder ins Rollen und prompt gehören die Three Lions wieder zu den Besten der Welt. In Deutschland stand man zwischen 2010 und 2014 auf der Spitze der nationalen Förderung. Darauf ruhte man sich jedoch aus, mit der Konsequenz, dass bei der WM 2018 das deutsche Team irgendwie altbacken erschien.

Netherlands v England - UEFA Nations League Semi-Final

Durch eine gute Jugendarbeit gehört die englische Nationalmannschaft wieder zu den Besten der Welt


Die Transferführung der Frankfurter ist eine Folge aus dieser Entwicklung. Sportlich und finanziell lohnt sich die eigene Förderung kaum noch für die Topvereine. Große und deutsche Talente sind bei den Vereinen immer seltener zu sehen.


Die richtige Mischung muss gefunden werden


Man soll mich nicht falsch verstehen, denn ich stehe weder für Nationalismus noch für Protektionismus. Ich möchte auch keine 18 Vereine in der Liga sehen, die ohne Ausnahme auf deutsche Spieler setzen. Auch verteufle ich nicht das Prinzip, ausländische Spieler aufzukaufen, allerdings halte ich auch nichts davon, vollends mit diesem Prinzip zu arbeiten.


Deshalb erwarte ich von den deutschen Vereinen, dass sie einen geeigneten Mittelweg finden. Es muss sowohl gewährleistet sein, dass die eigene Jugend konsequent gefördert wird, als dass auch der internationale Markt seine Beachtung findet. Frankfurt reizt aktuell das eine Prinzip bis ins Extremste aus, sodass man schon mit den Regularien in Konflikt kommt. Sportlich gesehen gibt ihnen ihr Weg Recht, im Gesamtkomplex ist ihr Transferprinzip allerdings aufs Schärfste zu beobachten. Ich hoffe, dass nicht irgendwann alle deutschen Vereine auf ein ähnliches Prinzip setzen, denn das würde der deutschen Fußballkultur auf Dauer extrem schaden.