Vergangenen Sommer traute sich Bernd Leno den nächsten großen Karriereschritt zu. Nach sieben Jahren im ruhigen Leverkusen wechselte der inzwischen 27-Jährige auf die Insel zum ​FC Arsenal. Dort stand Leno das erste Mal so richtig im Mittelpunkt und hatte mit Petr Cech​ ein ganz anderes Kaliber der Torwartkonkurrenz vor der Brust.


Zunächst musste sich Leno dieser Konkurrenz beugen. Arsenal-Coach Unai Emery setzte zu Saisonbeginn auf Petr Cech als Stammkeeper und Leno musste sich mit dem Platz auf der Bank zufriedenstellen. Nach satten 233 Bundesligaspielen als unumstrittene Nummer Eins in Leverkusen eine schwierige, neue und ungewohnte Situation für den gebürtigen Schwaben.


Zunächst sah Emery vor, die Torwartfrage nach Wettbewerben zu trennen. Die nominelle Nummer Eins Cech sollte in der Premier League spielen, Ersatzmann Leno in der Europa League. Und so kam Bernd Leno am 20. September gegen den ukrainischen Verein Worskla Poltawa zu seinem Pflichtspieldebüt für Arsenal. Sechs Tage später stand er im EPL-Spiel gegen den FC Brentford ein weiteres Mal zwischen den Pfosten. Beide Spiele konnten die Gunners für sich entscheiden.


Ende September profitierte Leno dann von einer Verletzung Petr Cechs. Der tschechische Routinier verletzte sich im Ligaspiel gegen Watford vor der Halbzeitpause bei einem Abstoß. Bernd Leno feierte nun auch sein Premier League-Debüt. 


Die Verletzung war für Cech extrem bitter. Der damals 36-Jährige verlor durch einen mehrwöchigen Ausfall seinen Posten als Nummer Eins und Keeper der Premier League. Nach seiner Auswechslung spielte Cech bis zu seinem Karriereende diesen Sommer kein weiteres Spiel mehr in der Premier League für den FC Arsenal, denn Leno gab seinen Platz nicht wieder her.


Emery wechselte nach der Genesung Cechs die Rollenverteilung im Tor. Leno hütete nun in der Liga, Cech in den Pokalwettbewerben das Tor. Cech freundete sich mit der neuen Rolle an und auch Leno etablierte sich schnell im Tor. Der sechsmalige Nationalspieler Deutschlands darf insgesamt auf 32 Ligaeinsätze zurückschauen und hielt mit zum Teil herausragenden Paraden sein Team in den Top-5 der Liga.

Bernd Leno,Petr Cech

Bernd Leno verdrängte im Laufe der Saison Petr Cech im Arsenal-Tor


Dass Leno also nicht mehr in die Position des Ersatzkeepers zurückfiel, hängt somit durch seine mehr als guten Leistungen im Tor der Gunners zusammen. Der 27-Jährige gab dem Trainer keinen Anlass mehr, die Torwartfrage neu aufzurollen. Cech dagegen brachte als Europa League-Keeper die Gunners bis ins Finale nach Baku, wo der FC Arsenal jedoch dem FC Chelsea deutlich unterlag.


Ein Wermutstropfen ist allerdings das weiterhin nicht größer gewordene Standing im Nationalteam. Inzwischen kämpft Leno im Fernduell gegen Trapp, Ulreich und Co. um den dritten Platz im Torwartteam der Nationalmannschaft. Trainer Löw vertraute die vergangene Saison immer weniger auf den erfahrenen Torhüter.


Insgesamt kann Leno allerdings mehr als zufrieden mit der Saison sein. Der Torwart musste sich zunächst zwar gedulden, war jedoch da, als er gebraucht wurde und wusste die Chance zu nutzen, sich längerfristig anzubieten. Bei Arsenal genießt Leno inzwischen einen sehr guten Ruf, der 27-Jährige dürfte auch nächste Saison gesetzt sein. Auch für Leno persönlich endete die Saison erfreulich: die vergangenen Tage feierte er in den USA seine Verlobung. Weiter so, Bernd!