Der Transfersommer ist aufregend - vor allem dann, wenn ein Verein teilweise enorme Summen in den Kader steckt, zahlreiche Spieler präsentiert und man sich zurecht die Frage stellen darf, ob und wie die Neuzugänge mit dem Rest der Mannschaft harmonieren werden. Doch ewige Diskussionen um vermeintliche Baustellen und immer wieder aufkehrende Transfergerüchte schlagen teilweise auch über die Stränge und sorgen dafür, dass die Verantwortlichen eher genervt auf die Fragen der Pressevertreter reagieren. Bei ​Borussia Dortmund steht beispielsweise seit geraumer Zeit die Frage im Raum, ob ein neuer Stürmer mit einem anderen Profil benötigt wird, um den FC Bayern in der kommenden Saison vom Thron zu stoßen. Doch wie Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc mehrfach andeuteten, liegt die Baustelle woanders.


Scheinbar hat manch einer vergessen, dass der BVB speziell in der Hinrunde Fußball geradezu zelebriert hat. Marco Reus, Jadon Sancho, Paco Alcácer & Co. sorgten für enormes Tempo in der Offensive, ihre technische Begabung zudem für ein ästhetisches Spiel, das zusätzlich durch die Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor gekennzeichnet war. So wackelig sich die Mannschaft teilweise auch in der ersten Jahreshälfte präsentierte - wie beispielsweise beim 4:3 gegen den FC Augsburg - so beeindruckenden Fußball spielte sie auf dem Weg nach vorne. Das erkannten auch die Verantwortlichen, die sich einerseits über die 81 erzielten Tore freuten, andererseits jedoch umso mehr über die 44 Gegentore ärgerten. "Die Beurteilung dieser Saison wird immer ambivalent bleiben", sagte ​Michael Zorc Anfang des Monats gegenüber dem kicker.

Axel Witsel

​  Dass Borussia Dortmund ein ums andere Mal eine Führung verspielte, lag nicht nur an den eigens vergebenen Chancen.


​Das Nervenversagen war auf allen Ebenen zu spüren, am ehesten war die junge, unerfahrene Abwehr betroffen. Vom 28 Millionen Euro teuren Abdou Diallo versprach man sich deutlich mehr, Dan-Axel Zagadou blieb trotz seiner guten Entwicklung anfällig für Fehler und auch Manuel Akanji ging am Ende die Souveränität ab. 
​Daher verpflichtete der BVB wieder einmal Mats Hummels vom FC Bayern, doch auch in der Offensive sahen sich die Verantwortlichen gezwungen, zu handeln.


Hazard und Brandt erweitern die Möglichkeiten


Mit Thorgan Hazard und Julian Brandt soll der Abgang von Christian Pulisic kompensiert und der Angriff noch unberechenbarer werden. Das 4-2-3-1 System der vergangenen Saison könnte abgeändert werden, Lucien Favre stehen aufgrund der Vielseitigkeit seiner Spieler viele Varianten zur Verfügung. Die Frage nach dem System, sie begleitete den Schweizer schon im vergangenen Jahr - und auch diesmal ist Geduld gefragt, ehe alle Spieler einen Platz erhalten. 


Das Beispiel Isak zeigt: Einen dritten Stürmer benötigt es nicht


Immer wieder wird über die Verpflichtung eines dritten Stürmers spekuliert, obwohl der Transfer von Alexander Isak als eindeutiges Zeichen zu verstehen ist. Der Schwede, der in der abgelaufenen Rückrunde an Willem II Tilburg verliehen wurde und förmlich explodierte, wechselte jüngst für eine einstellige Millionensumme zu Real Sociedad San Sebastian. 


Hinter Paco Alcácer und Mario Götze findet er keinen Platz, was offenbar nicht nur mit den Qualitäten des Angriffduos zusammenhängt. ​So erklärte Hans-Joachim Watzke Ende Mai gegenüber BILD bezogen auf die Gerüchte um etwaige Verstärkungen in der Spitze: "Alle Stürmer – wir haben auf dieser Position ja Mario Götze und Paco Alcácer – bekommen noch weniger Spielzeit. Das muss man genau abwägen." 


Unabhängig vom Beispiel Isak erscheint die vorherige Aussage des Geschäftsführers noch bedeutsamer: "Wenn man einen kopfballstarken Stoßstürmer hat und nur auf diesen setzt, führt das in der Spielanlage mitunter dazu, dass man sein Spiel simplifiziert." 

FBL-ITA-SERIEA-JUVENTUS-ATALANTA

Seit einiger Zeit im Gespräch: Mario Mandzukic. Dass der Kroate zum BVB wechseln wird, gilt allerdings als unwahrscheinlich.


Klar ist, dass ein klassischer Mittelstürmer nicht die erste Wahl wäre. Denkbar wäre ein Modell, das Mauricio Pochettino bei Tottenham Hotspur beispielsweise im Halbfinale der Champions League wählte. Der großgewachsene Fernando Llorente erhielt einen langen Ball nach dem anderen, hielt ihn vorne fest und verteilt das Spielgerät an die pfeilschnellen Mitspieler um ihn herum. Beim typisch hohen Aufbauspiel eines Mats Hummels käme solch ein Spielertyp gelegen, doch Favre ist kein Trainer, der mit langen Bällen operiert. Stattdessen bevorzugt der Schweizer ein flaches, schnelles Kombinationsspiel, an dessen Ende keine hohe Flanke in den Strafraum erfolgen soll. 


Noch immer erinnert man sich bei Borussia Mönchengladbach an die teuren zwölf Millionen Euro, die der Klub im Sommer 2012 in Luuk de Jong investierte. Spätestens damals stellte sich heraus, dass Favre nicht unbedingt ein Freund von klassischen Stürmern ist. Stattdessen sorgten andere für Gefahr, wie beispielsweise Thorgan Hazard, Raffael oder Max Kruse. Damit sich die Geschichte nicht wiederholt, sollte Borussia Dortmund in der Sturmspitze keinen weiteren Spieler verpflichten.