Es war ein Schock - nicht nur für neutrale Beobachter, die den FC St.Pauli immer irgendwie als Hort der Toleranz gesehen haben. Ein großes Banner, aufgespannt von den Paulianer Fans vor dem Gastspiel der "Braunen" in Kiel, sorgte nicht nur in Hamburg für Gesprächsstoff. Jetzt redet der hauptsächlich Betroffene dieser Aktion.


"Traurig sieht die Mutti ein - ihr Sohn ist jetzt ein Rautenschwein" - zwar steckte in diesem Pamphlet noch ein Minimum an lyrischer Kreativität, wenn auch im einfachsten aller Reimschemata, doch wirklich Pauli-like war das schon nicht mehr. Stumpfe, beleidigende Worte gegenüber einem der "eigenen" Spieler - das kannte man in dieser Form am Millerntor noch nicht. 


Die geschmähte Zielperson des Transparents, ​Jeremy Dudziak (24), hat jetzt zum ersten Mal Stellung zu dem Vorfall genommen. "Ich wechsele zum Stadtrivalen. Das war mir klar, darauf war ich vorbereitet. Wir Spieler müssen uns auf die Aufgaben auf dem Platz konzentrieren. Was außerhalb ist, ist außerhalb. Die Fans sind immer mit Leidenschaft und Liebe dabei. Wenn so was passiert, in so einer Situation, dann ist das halt so." 


Mit norddeutscher Lakonie also kommentiert der Linksverteidiger, gebürtiger Hamburger, die unschöne Aktion. Übrigens: Dudziaks Mutter ("Mutti"), tatsächlich Anhängerin des ​FC St.Pauli, hat ihrem Sohn den ​Wechsel vom Rotlichtviertel in den Volkspark längst verziehen.