Nach drei Jahren verliert der ​SV Werder Bremen mit Max Kruse die zentrale Figur im hauseigenen Offensivspiel. Der 31-jährige Ex-Nationalspieler gehörte zu einem der besten Bundesligaspieler der abgelaufenen Saison, will künftig jedoch noch einmal international spielen. Bislang, so scheint es, hat sich der pokeraffine Kruse verzockt. Die Sport Bild bringt nun aber Eintracht Frankfurt ins Spiel. Bei den Fans, so wirkt es auf den ersten Blick, herrschen geteilte Meinungen. Die Verantwortlichen müssten einiges in Kauf nehmen, doch einen Spieler mit den Qualitäten eines Max Kruse erhält man nur selten.


Taktik-Experte Tobias Escher betitelte Max Kruse auf Spiegel Online als "den Letzten seiner Art." Der Angreifer ist ein ungewöhnlicher Typ, längst nicht so glatt wie ein Großteil der heutigen Profis, die auf die immer gleichen Fragen mit den immer gleichen Phrasen antworten und sich um ein möglichst sauberes Image bemühen. Der Mensch Kruse, der angeblich ein Gehalt von sechs Millionen Euro fordern soll und medial nicht nur wegen seiner Ernährung, sondern auch wegen seinem Hang zum Pokern immer wieder in der Kritik stand, braucht seine Freiheiten - und zahlt das Vertrauen mit starken Leistungen zurück.

Max Kruse

   Trotz aller Kritik an Max Kruse: Sobald er den Platz betritt, fokussiert er sich zu 100 Prozent auf die bevorstehenden 90 Minuten.


Allein ein grober Blick auf die Leistungsdaten reicht, um Kruses Wert zu erkennen: Der 31-Jährige traf in der abgelaufenen Bundesliga-Saison elf Mal für Werder Bremen, bereitete zehn weitere Treffer vor. Er ist ein Feingeist, der es versteht, seine Mitspieler in Szene zu setzen, sich aber auch selbst in gute Schusspositionen zu bringen. Immer wieder lässt er sich in Richtung eigene Hälfte fallen, hat immer wieder eine raffinierte Idee, um seine Gegenspieler zu überraschen und die Abwehrreihen zu überwinden. 


​In Bremen war das Spiel auf sein Spiel zugeschnitten. Hinter der Doppelspitze, die später aus Milot Rashica und Johannes Eggestein bestand, war Kruse der Fixpunkt, der die Qualitäten des Offensivspiels enorm erhöhte und die Spieler um ihn herum besser machte. Sein Verlust wiegt schwer, Eintracht Frankfurt könnte künftig von ihm profitieren.


Adi Hütter soll ein Fan seiner Spielweise sein. Der Österreicher, der aus Eintracht Frankfurt eine Pressingmaschine mit hohem Tempo auf den Außenbahnen gemacht hat, wird im Angriff voraussichtlich einige Umstellungen vornehmen müssen. Luka Jovic ist bereits zu Real Madrid abgewandert, auch der pfeilschnelle Ante Rebic wird immer wieder mit einem Wechsel in Verbindung gebracht. Da solche Spielertypen nicht eins-zu-eins zu ersetzen sind, benötigt es einen Plan B, zu dem auch Max Kruse zählen könnte.


Wenn Kruse richtig eingesetzt wird, macht er jede Mannschaft besser


Einsetzbar wäre er wie in Bremen auf der Position hinter der Doppelspitze, die Ante Rebic und Mijat Gacinovic im 3-4-1-2 der abgelaufenen Saison bekleideten. Gewiss ist Kruse niemand, der in solch einem aggressiven Pressing vorangeht, auch körperlich ist er kein schneller Spieler - dafür aber im Kopf: Gerade in Umschaltsituationen macht er das Spiel durch seine eigenen Bälle schnell, könnte in solch einem Moment beispielsweise die unermüdlichen Filip Kostic oder Danny da Costa mit einbeziehen. Bei eigenem Angriff würde er im Optimalfall mit Allrounder Sebastien Haller brillieren, der die Bälle in der Spitze festmacht und dann Kruse das Zepter überlassen könnte.

Adi Huetter

   Gilt als großer Fan von Max Kruse: Adi Hütter.


Der 31-Jährige besitzt die Erfahrung von 250 Bundesligaspielen, spielte mit Borussia Mönchengladbach Europa League und beim VfL Wolfsburg Champions League. In Bremen war er der Anführer der Mannschaft, könnte diese Rolle auch in Frankfurt ausüben und Konkurrenten wie Mijat Gacinovic wichtige Dinge beibringen. 


Dass die Eintracht, die seit der Amtszeit von Niko Kovac ein buntgemischter Haufen ist, mit schwierigen Spielertypen umgehen kann, bewies der Klub eindrucksvoll mit der Verpflichtung von Kevin-Prince Boateng. Einige Jahre zuvor vermochte er beim FC Schalke 04 nicht zu funktionieren, in Frankfurt aber war er einer der Eckpfeiler des Erfolgs und verabschiedete sich mit dem DFB-Pokal gen Italien.


Pluspunkt Europa League, Knackpunkt Gehalt


​Ein Pluspunkt für die SGE ist die Europa League, sollte die Qualifikation für die Gruppenphase gelingen. Doch Kruse ist nicht nur sportlich ambitioniert, sondern aufgrund seiner Gehaltsvorstellungen auch alles andere als ein finanzieller Leckerbissen. Natürlich sind nach dem Verkauf von Jovic einige Millionen vorhanden, doch neben den Bemühungen, Kevin Trapp, Martin Hinteregger und Sebastian Rode zu halten, wurde bereits ​Dejan Joveljic verpflichtet. Auch ​Djibril Sow wird immer wieder als Neuzugang gehandelt. 


Welcher Klub wäre bereit, dem kolportierten Jahresgehalt in Höhe von sechs Millionen Euro bei einem 31 Jahre alten Spieler, der allein in den vergangenen sieben Jahren vier Mal transferiert wurde und nun zum fünften Mal wechseln wird, zuzustimmen? Im üblichen Rhythmus wäre Kruse nach zwei, maximal drei Jahren wieder woanders, wäre dann allerdings schon 33 respektive 34 Jahre alt und würde kaum eine Ablösesumme einbringen. 


Sollte er sich unter Umständen auf ein geringeres Salär einlassen, sollte die Eintracht aber in jedem Fall zuschlagen. Einen Spielertypen wie Max Kruse findet man nur selten, an ihm können die Mitspieler noch einmal wachsen. Ob der Transfer tatsächlich zustande kommt, ist Stand jetzt allerdings nur von spekulativer Natur.