Der Transfer von Mats Hummels hätte nicht nur unmittelbare Folgen für den ​FC Bayern München, sondern auch für Abnehmer Borussia Dortmund. Der Weltmeister würde das Gefüge der bereits überfüllten Innenverteidigung verschieben, andererseits ist der 30-Jährige möglicherweise das entscheidendePuzzleteil für Standardsituationen.


Mit Manuel Akanji, Abdou Diallo, Dan-Axel Zagadou, Ömer Toprak und Leonardo Balerdi besitzt der BVB bereits fünf Innenverteidiger. Da Toprak unter Lucien Favre aber kaum eine Rolle spielt, Balerdi erst im Januar verpflichtet wurde und Diallo in der abgelaufenen Saison regelmäßig auf der linken Abwehrseite aushelfen musste, wurde kurzerhand Julian Weigl in der Rückrunde zum Innenverteidiger geformt. Der defensive Mittelfeldspieler spielte solide, von starken Leistungen war er aber weit entfernt.

Mats Hummels

    Auf vielen Ebenen ein Gewinn: Mats Hummels.



Ein Spieler mit der Qualität eines Mats Hummels, der speziell nach seiner Ausbootung bei der Nationalmannschaft aufblühte, wäre für die junge Dortmunder Abwehr ein Segen. Der 30-Jährige bringt immense Erfahrung mit, kennt den Verein in- und auswendig und lief speziell in den wichtigen Spielen in der vergangenen Saison zur Höchstform auf. Seine präzisen Bälle leiteten schon in der Vergangenheit das schwarz-gelbe Aufbauspiel ein, nun käme ihm auch die Rolle des Stabilisators zuteil. Die besten Chancen auf den Platz neben Hummels hätte wohl Akanji - Diallo, der im Vorjahr immerhin für 28 Millionen Euro vom FSV Mainz 05 verpflichtet wurde, würde wohl ebenso auf die Bank rücken wie Dan-Axel Zagadou. 

​Für die Entwicklung dieser jungen Spieler wäre dieser Transfer wenig hilfreich, doch die Verantwortlichen wissen, dass die Zeit, um Spieler reifen zu lassen, kaum vorhanden ist. Dortmund will nach der Meisterschaft greifen und die Lücke zu den Bayern schließen - da käme die Verstärkung vom direkten Konkurrenten gelegen. 


Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage nach der Zukunft von Julian Weigl. Im Mittelfeld wurde der 23-Jährige nur in fünf von 18 Bundesligaspielen eingesetzt, weshalb er ohne den Engpass im Abwehrzentrum wohl kaum auf 1.454 Spielminuten gekommen wäre. Da Mahmoud Dahoud aller Voraussicht nach bleiben wird und die Doppel-Sechs um Axel Witsel und Thomas Delaney nahezu unzertrennlich ist, könnte der Transfer von Hummels den endgültigen Abgang von Weigl bedeuten.


Problemfeld Standards: Hummels' Kopfballstärke wäre ein Trumpf

​Doch offenbar überwiegt bei den Verantwortlichen das Plus, das der Weltmeister auch bei Standardsituationen mitbringt. Offensiv blieb der BVB bei Eckbällen und indirekten Freistößen ungefährlich, kassierte dafür aber speziell in der zweiten Saisonhälfte viele Gegentreffer nach einem gegnerischen Standard. Das beste Beispiel: Ausgerechnet Hummels läutete die 0:5-Niederlage im direkten Duell gegen die Münchner Bayern per Kopf ein. 


​Defensiv wie offensiv wäre der 1,91 Meter große und kopfballstarke Verteidiger ein Eckpfeiler. Zwar kann er nicht in der Verantwortung stehen, Hereingaben im Alleingang rauszuköpfen, doch er könnte deutlich zur Stabilisierung bei Standards beitragen - und gleichzeitig vor dem gegnerischen Tor gefährlich werden. In bislang 309 Spielen für den BVB erzielte Hummels 25 Tore, für den FC Bayern sind es acht in 118 Partien.


Kurzum: Mats Hummels wäre ein echter Gewinn für die Mannschaft. Der jungen, teils ungestümen Abwehr würde er mit seiner Erfahrung aushelfen, Gefahrenherde löschen und das Spiel von hinten wie zu besten Zeiten aufziehen. Wenn der Preis stimmt, darf man solch einen Transfer nicht verpassen, wenn nun der nächste Schritt erfolgen soll.