Der Transferhammer scheint perfekt: ​Mats Hummels wechselt wohl für 20 Millionen Euro zum BVB. Während die ​Dortmunder wohl die Korken knallen lassen, bringt sich der ​FC Bayern durch den Abgang in eine neue, schwierige Situation. Hat der Hummels-Transfer unliebsame Konsequenzen für die Münchner?​


Auf dem Papier, nein. Noch immer hat der FCB vier nominelle Innenverteidiger in den eigenen Reihen: Niklas Süle, Jerome Boateng und die Neuzugänge Lucas Hernandez und Benjamin Parvard. Zudem könnte, falls Not am Mann ist, Defensivspezialist Martinez aus dem Mittelfeld in die Abwehr gezogen werden. Im Grunde ist aus dieser Hinsicht alles im Lot.


Im Grunde - Wenn da nicht ein paar Fragezeichen hinter den Innenverteidigern stehen. Jerome Boateng etwa. Der 30-Jährige hat ein absolutes Pestjahr hinter sich. In der Nationalmannschaft ausgebootet, in München vom Stammspieler zum Bankdrücker, dazu noch das Gefühl, dass er mit den Gedanken kaum noch beim FCB ist. Selbst Manager Hoeneß riet ihm öffentlich zum Wechsel. Ist Boateng überhaupt noch ein ebenbürtiges Mitglied im Team?


Dazu sind die beiden Neuen in der Abwehr keine reinen Innenverteidiger. Sowohl Hernandez als auch Pavard können in der Außenverteidigung spielen. Da mit Rafinha ein Back-Up auf den Außen den Verein verlässt, sind mit David Alaba und Joshua Kimmich nur noch zwei richtige Außenverteidiger in den Reihen der Bayern. Die Neuzugänge werden somit insbesondere dort gebraucht. Bleibt also mit Süle nur noch ein gefestigter Innenverteidiger zurück.


Niklas Suele,Jerome Boateng

Fraglich, ob Süle (links) und Boateng das zukünftige Verteidiger-Duo bilden


Werden die Bayern, wie angekündigt, nicht mehr auf dem Transfermarkt aktiv, um einen Ersatz für die Position in der Abwehr zu verpflichten, könnte das fatal enden. Ein Engpass in der Innenverteidigung ist innerhalb der Saison nur sehr schwer aufzufangen. Und selbst wenn man noch aktiv werden würde, müssen man erstmal einen Verteidiger von der Qualität Hummels auf dem Transfermarkt finden und bezahlen.


Zudem wird man sich bei den Bayern fragen müssen, warum man Hummels, wenn man ihn schon gehen lässt, zum BVB transferiert hat. Für die Dortmunder ist der 30-Jährige das letzte Puzzleteil der vorläufigen Transferoffensive. Der BVB hat sich qualitativ definitiv verstärkt, um in der kommenden Saison die Bayern und die Meisterschaft anzugreifen.


Mit dem Wechsel von Mats Hummels bringt sich der FC Bayern also selbst in eine schwierige Position, während Dortmund davon profitiert. Was auch immer sich die Führungsriege um Hoeneß, Rummenigge und Co dabei gedacht hat, wird es für den neutralen Fußballfan spannend sein, das weitere Geschehen beim FCB zu verfolgen. Und die Dortmunder? Nun ja, man darf gespannt sein, ob sie das Chaos in München nutzen können.