​Das Gerücht kam aus dem Nichts: ​Borussia Dortmund plant angeblich eine ​Rückholaktion von Mats Hummels. So sollen es bereits Gespräche zwischen dem BVB und Hummels Verein ​Bayern München gegeben haben. Doch erscheint ein Wechsel für die jeweiligen Teilnehmer überhaupt sinnvoll? Eine Analyse:


Aus BVB-Sicht:

Die BVB-Funktionäre suchen aktuell gezielt nach einer Verstärkung für die Innenverteidigung. Erfahren sollte der Mann sein, mit viel Ruhe, Präsenz und Führungsqualitäten. All das trifft auf Mats Hummels zu. Der inzwischen 30-Jährige kennt die Borussia zudem bestens, schließlich lief er zwischen 2008 und 2016 in 225 Spielen für Dortmund auf. Die kolportierten 15-20 Millionen Euro Ablöse für Hummels sind für den BVB auch gut zahlbar, denn man besitzt noch große finanzielle Kapazitäten


Gegen einen Wechsel spräche, dass Hummels nicht wirklich einen "frischen" Wind in den Verein bringen würde. Er wäre kein Neuzugang im eigentlichen Sinne, die Kehrseite von seiner langen BVB-Geschichte. 


Auch ist unklar, wie die BVB-Fans auf die Rückkehr reagieren würden. Akzeptieren sie das einstige Aushängeschild des eigenen Teams, welcher im besten Fußballalter zum verhassten Konkurrenten ging? Nimmt man Mario Götze als Vergleich, dann ja. Der Spieler trat 2016 bereits die Rückkehr von Bayern nach Dortmund an und wurde vom verstoßenen Judas schnell wieder zu einem vollständigen Mitglied der "Echte Liebe"-Philosophie.


Aus FCB-Sicht:

Mit Lucas Hernandez und Benjamin Pavard hat man zwei neue Verteidiger ​an die Isar geholt, die auch als Innenverteidiger eingesetzt werden können. Mit Niklas Süle, Jerome Boateng, der in München bleiben möchte, und eben Mats Hummels hätten die Bayern ein leichtes Überangebot für diese Position. Einen Verteidiger kann man sicher noch abgeben, warum nicht dann Hummels? Sein Vertrag läuft im Sommer 2021 aus, will man also noch eine gute Ablöse für den Routinier bekommen, muss er jetzt verkauft werden.


Denn der 70-fache Nationalspieler ist trotz insgesamt guter Leistungen nicht umumstritten an der Säbener Straße. Hummels kam in der vergangenen Saison "nur" auf 21 Einsätze (Kicker-Notenschnitt 3,0) und wurde immer mal wieder kritisiert. Zu Beginn der Saison machte Kovac auch keinen Hehl, dass er eher Boateng und Süle als gesetzt betrachtet. Zwar kam es am Ende anders, dennoch zeigt dies deutlich, wie streng Mats Hummels in München beäugt wird.


Gegen einen Wechsel spricht allerdings, dass auch Boateng weiter in Wechselkandidat ist. Der ebenfalls 30-Jährige ist in der Rangordnung weit abgerutscht, während Mats Hummels gegen Ende der Saison sich doch noch zum wichtigen Faktor entwickelte. Zwei Verteidiger wird man in München nicht abgeben - zumal wohl kein Ersatz geplant ist, sollte Hummels tatsächlich gehen. Die Hoffnung einiger Fans, man starte einen neuen Versuch bei Matthijs de Ligt, bleibt Wunschdenken.

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Kein unbekanntes Bild: Hummels im BVB-Trikot


Aus Hummels-Sicht:

Für Mats Hummels wäre ein Wechsel nach Dortmund wohl die letzte Chance, einen längerfristigen Vertrag zu unterschreiben. Die ständige Kritik an seiner Person könnte zudem an ihm genagt haben, auch seine charakterliche Rolle in München ist nicht so wichtig wie erwartet. In Dortmund wäre Hummels mit aller Wahrscheinlichkeit wieder ein absoluter Führungsspieler. Eine mögliche Rückkehr zu der alten Liebe Borussia Dortmund würde jedoch auch ihn nicht kalt lassen.


Der 30-Jährige müsste in Dortmund jedoch Gehalteinbüßen hinnehmen. Statt zwölf Millionen Euro stehen zehn Millionen im Raum. Zudem würde er wieder mal seine Heimat verlassen. Der Wunsch, zurück zu seiner Familie zu gehen war damals ein wichtiger Grund für den Wechsel nach München.


Fazit:

Aus Dortmund-Sicht spricht viel für eine Verpflichtung des Verteidigers. Hummels verkörpert quasi den Wunsch-Neuzugang des BVB und ist finanziell zu stemmen.


Aus Bayern-Sicht wird wohl ein Wechsel möglich sein, wenn man sich mit Boateng weiter arrangieren kann oder gegebenenfalls noch auf dem Transfermarkt tätig wird, um auch Boateng ziehen lassen zu können. Das soll aber wohl nicht geschehen.


Für Hummels persönlich bedeutet der Wechsel die Rückkehr zu dem alten Förderer, zu dem Verein, wo er zu einem Top-Innenverteidiger reifte. Die Gehaltseinschränkungen wären wohl zu akzeptieren. Besonders die wichtiger Rolle vom Verein könnte am Ende den Ausschlag für einen Wechsel geben.