​Der ​VfB Stuttgart muss nach dem zweiten Abstieg innerhalb von nur drei Jahren die Wunden lecken. Einfach so weiter machen wie bisher ist längst keine Option mehr. Sportvorstand Thomas Hitzlsperger und ​Kaderplaner Sven Mislintat sollen als neue Gesichter des Traditionsvereins eine langfristige Gesundung des Vereins einleiten. Hierfür schlagen die Stuttgarter auch auf dem Transfermarkt neue Wege ein.


Vor zwei Jahren, als dem VfB der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga gelungen war, trauten die damals handelnden VfB-Akteure dem eigenen Kader den Klassenerhalt nicht zu und legten auf dem Transfermarkt kräftig nach. Neben einigen jungen Spielern setzten die Stuttgarter dabei mit Andreas Beck, Dennis Aogo, Ron-Robert Zieler, Holger Badstuber und später in der Wintertransferperiode durch die Rückholaktion von Mario Gomez auf gleich fünf sehr erfahrene Kräfte.


Nachdem die Hinrunde dabei noch recht holprig verlaufen war und dem Aufstiegstrainer Hannes Wolf schlussendlich den Job kostete, starteten die Schwaben in dieser Kaderkonstellation in der Rückrunde richtig durch und schlossen unter Tayfun Korkut die Spielzeit auf einem starken siebten Tabellenplatz ab. Sportvorstand Michael Reschke sah sich in seiner Kaderzusammenstellung bestätigt und führte den eingeschlagenen Weg nach dem Saisonende konsequent fort.

Marcel Sabitzer,Dennis Aogo,Christian Gentner

Christian Gentner und Dennis Aogo passten nicht mehr ins Profil des neuen VfB



Neben den jungen Talenten Borna Sosa, Pablo Maffeo und Nicolas Gonzalez verpflichteten die Schwaben mit Gonzalo Castro einen weiteren Spieler, der in den vergangenen Jahren zu einer echten Institution der Bundesliga herangereift war. Langsam aber sicher wurden nun aber die Schwächen dieser Herangehensweise offensichtlich. Die für viel Geld aus dem Ausland verpflichteten Neuzugänge erwiesen sich mit Ausnahme des im Winter verpflichteten Ozan Kabak allesamt als Transferflops und auch Castro war nur ein Schatten seiner selbst.


Der Leistungsabfall des ehemaligen Dortmunders setzte sich in der gesamten Riege der Altvorderen fort, die mittlerweile längst nicht mehr verbergen konnten, dass sie ihre besten Zeiten längst hinter sich haben. Statt den aktuellen Begebenheiten im Fußball Rechnung zu tragen und auf ein schnelles, dynamisches Team zu setzen, war der Kader des VfB gespickt mit Spielern, denen das moderne Spiel mittlerweile enteilt ist und die sich daher als Bremse innerhalb der eigenen Ballzirkulation erwiesen.


Nachdem Reschke im Februar diesen Jahres folgerichtig seinen Hut nehmen musste und durch Thomas Hitzlsperger ersetzt wurde, verpflichteten die Schwaben gegen Saisonende mit dem neuen Sportdirektor Sven Mislintat einen Mann, dessen Auffassung des modernen Fußballs eine gänzlich andere ist. Anstatt an Altbewährtem festzuhalten, zeigte sich der ehemalige Chefscout des BVB als rigoroser Kaderanalyst und leitete die bereits verkündigte Trennungen vom bisherigen Kapitän Christian Gentner, sowie dem ​ebenfalls in die Jahre gekommenen Dennis Aogo ein.

Philipp Klement

Philipp Klement ballerte den SC Paderborn mit 16 Treffern zum Aufstieg in die Bundesliga



​Auch Andreas Beck wird dem neuen Weg voraussichtlich noch zum Opfer fallen und selbst der einstige Torjäger Mario Gomez kann sich keineswegs sicher sein. Durch die prominenten Abgänge macht man Platz für neue Spieler, die sich nunmehr nicht mehr hinter dem breiten Rücken der Routiniers verstecken können. Dass mit Philipp Klement (ehemals SC Paderborn), Atakan Karazor (Holstein Kiel) und dem ​vom SC Freiburg ausgeliehen Pascal Stenzel drei der bislang vier verkündeten Neuverpflichtungen von einem Klub aus Deutschland verpflichtet wurden, ist dabei keineswegs ein Zufall.


Auch dass selbst für den bislang teuersten ​Transfer von Klement lediglich 2,5 Millionen Euro auf den Tisch gelegt wurden, hat nicht nur mit dem Abstieg aus der Bundesliga und dem dadurch verringerten Spieleretat zu tun. Vielmehr sind die Verpflichtungen, auch die von Mateo Klimowicz vom argentinischen Zweitligisten Instituto AC Cordoba, Ausdruck davon, dass die Schwaben in Zukunft wieder dazu übergehen wollen, Spieler selbst weiterzuentwickeln, anstatt bereits fertige Spieler zu transferieren, die womöglich längst über ihren Zenit hinaus sind.


Durch die geringen Ablösesummen fallen durchaus denkbare Fehltritte auf dem Transfermarkt zudem längst nicht so schwer ins Gewicht, als noch wie etwa bei dem bislang doch recht enttäuschenden Nicolas Gonzalez, für den Reschke noch vor einem Jahr 8,5 Millionen Euro locker gemacht hatte. Dass auch Deals mit einem deutlich geringeren Volumen komplett einschlagen können, bewies Mislintat einst mit der Verpflichtung von Shinji Kagawa. Im Jahre 2010 für gerade einmal 350.000 Euro verpflichtet, brachte er den Dortmundern zwei Jahre später beim Verkauf in Richtung Manchester United stolze 16 Millionen Euro ein.