Ständige Personalwechsel im Trainerbereich oder auf den Manager-Positionen hinterlassen ihre Spuren. Neuzugänge, die mit Personen verhandelt haben, die bei ihrer Ankunft gar nicht mehr für den Klub arbeiten, oder vielversprechende Talente, die vom scheidenden Trainer noch vor kurzem eine neue Perspektive aufgezeigt bekommen haben und von einem Tag auf den anderen aus den Plänen wegfallen - das sind die sogenannten Kollateralschäden eines jeden Umbruchs im operativen Bereich. Das erfährt gerade auch ein langjähriges ​HSV-Talent.


​Finn Porath (22) ist seit seiner Kindheit ein HSVer. Vor neun Jahren kam der damals 13-jährige Porath vom VfB Lübeck zum Hamburger SV, konnte sich aber bisher nicht im Profi-Bereich durchsetzen. In den letzten beiden Spielzeiten war der Mittelfeldspieler an die SpVgg Unterhaching ausgeliehen. 


Nach Ende der vergangenen Saison war ausgemacht, dass er (vorerst) zum HSV zurückkommen würde, um über seine weitere Zukunft zu sprechen. Das war so mit dem Klub besprochen. Das Dumme: der "Klub" waren für Porath vor allem seine direkten Ansprechpartner - nämlich Trainer Hannes Wolf und Sportvorstand Ralf Becker. Doch die sind bekanntlich seit gut vier Wochen Geschichte. Und seitdem hat auch Porath nichts mehr vom Klub gehört. Das ist für den Spieler natürlich erstmal schlecht. 


Als schlechtdenkender Mensch könnte man dieses Schweigen als indirekte Aufforderung verstehen, sich nach einem neuen Klub umzuschauen. Als gutdenkender Mensch darf man allerdings auch erwarten, dass die verantwortlichen Personen, so neu sie auch im Klub sein mögen, mit einem kommunizieren. Es sind schließlich immer die kleinen Dinge, die in der Summe später ein Bild von etwas Größerem zeichnen. Wenn man also beim HSV einerseits eine neue Leistungskultur einfordert (Stichwort Mentalität), sollte man andererseits auch seinen eigenen Vorgaben folgen und es vermeiden, Spieler über Gebühr in der Schwebe hängen zu lassen. 


Man darf also gespannt sein, ob Hecking und Boldt in der am Montag beginnenden Vorbereitungsphase auf die neue Saison das Gespräch mit Finn Porath suchen. Der eigenen Glaubwürdigkeit wegen wäre es nicht nur dem Spieler zu wünschen.