Kompliziert, komplizierter, Sommertransferphase 2019 bei ​Schalke 04. Eine aktuell vermutlich passende Steigerung. Beim S04 muss man in dieser Sommerpause viel erreichen, sowohl den Kader ausdünnen, als auch neu formen, neue Spieler dazuholen - und das alles mit sehr wenig Geld. Wie könnte unter diesen Voraussetzungen eine gelungene, oder gar perfekte Transferphase aussehen?


Die anstehende Sommerpause inklusive des offenen Transferfensters steht beim S04 eher unter schlechten Sternen. Man muss im Kader zum einen die Versäumnisse der letzten Saison aufräumen und begradigen - wie beispielsweise zu hohe Gehälter für unwichtige Spieler, als auch das Team für die kommende Saison möglichst passend und kosteneffizient zusammenstellen. An vielen verschiedenen Stellen muss an einigen Schrauben gedreht werden, und das mit den kleinsten Mitteln.


Dabei im Fokus stehen Jochen Schneider und Michael Reschke. Die beiden noch Neuen auf Schalke müssen zusammen - da es aktuell noch keinen Sportdirektor gibt - die Baustellen angehen und dann auch mit David Wagner die bestmögliche Zusammenstellung der Mannschaft finden, um ins erste gemeinsame Jahr zu gehen.


Die Abgänge: Mendyl, Konoplyanka, Bentaleb und Co

Wenn man zunächst die potenziellen Abgänge betrachtet, fällt einem auf, dass es alles Spieler sind, mit denen man auf Schalke große Hoffnungen verbunden hat. Bentaleb und Harit beispielsweise gelten als Mitfavoriten, wenn es um versuchte Verkäufe geht. Zwar haben sie sich in den letzten ein bis zwei Jahren ihre erste, und auch zweite Chance verspielt, indem sie häufig durch Fehlverhalten auffielen, und das Ego über das Team stellen sollen. 


Dennoch muss man auch betonen, dass die beiden Spieler fußballerisch vermutlich die beiden Besten im Kader des S04 sind. Beide sind mit 24 und 21 Jahren noch sehr jung und haben großes Potenzial. Ein offensives System, wie Wagner es plant, könnte den beiden ein großer Vorteil sein, den sie in ihrer bisherigen Zeit in Königsblau nicht hatten. Leider ist ein Verbleib bei beiden durch ihre eigenen, persönlichen Versäumnisse eigentlich nicht zu rechtfertigen. Egoistisches Verhalten inklusive Suspendierungen kann man auf längere Zeit nicht dulden, wenn man eine geschlossene Einheit formen will und muss. Dementsprechend werden die beiden leider den Verein verlassen müssen, und zwar weit unter Wert im finanziellen Bereich.

Hamza Mendyl,Omar Mascarell,Nabil Bentaleb

Hamza Mendyl, Amine Harit und Nabil Bentaleb - drei Spieler, die im Sommer gehen dürften



Bei Mendyl ist das grob ähnlich. Zwar ist auch er noch sehr jung und dazu erst ein Jahr beim S04 gewesen, allerdings konnte er nie andeuten was er kann, welches Potenzial er hat. Dazu auch bei ihm disziplinarische Fehltritte. Auch von ihm wird sich der Verein trennen müssen - ein teures Missverständnis. Konoplyanka hat bereits drei Jahre Schalke hinter sich. Im Gegensatz zu seinen Leistungen in der ukrainischen Nationalelf konnte er bisher nie konstant überzeugen. Er verdient im Kader mit am meisten, was ein weiteres Argument für eine Trennung ist.


Zudem könnten noch weitere Spieler den Verein verlassen, wenn es gute Angebote geben sollte. Momentan ist man, gerade im Hinblick auf eigene Transfers, auf jede Million angewiesen. So könnte, je nachdem wie sich die Situation entwickelt, auch Nübel schon in diesem Sommer gehen. 


Nachholbedarf auf einigen Positionen - Kreativspieler gesucht


Neben forcierten oder auch schmerzhaften Abgängen mancher Spieler gibt es auch Positionen im Kader, die man (weiter) besetzen sollte. Ohne auf bestimmte, zurzeit gehandelte Namen und Spieler einzugehen, gibt es einige Faktoren und Positionen, die man schlichtweg neu bzw. besser besetzen muss. Das ist zunächst wichtiger zu betonen, als gezielt Spieler zu nennen, da man nicht genau weiß, was jeweilige Vereine fordern, oder Schalke auch bieten kann/wird. 


So ist meiner Meinung nach z.B. die Position des Linksverteidigers eine, auf der​ man noch Nachholbedarf hat. Mit Bastian Oczipka hat man zwar einen erfahrenen und gestandenen Bundesligaspieler, der auch in einer Viererkette (die Wagner vermutlich wieder zurückbringen wird) diese Position passend zu besetzen weiß - allerdings zeigte er bereits in der abgelaufenen Saison, dass es bei ihm teilweise am Tempo und der offensiven Durchschlagskraft fehlt. 


Unter Wagner stehen die Außenverteidiger häufig sehr hoch, müssen so schnell und offensiv stark sein und agieren können. Da könnte Oczipka eine Schwachstelle sein. Mit Jonas Carls hat man einen jungen Backup aus der eigenen U23, der als temporeicher Spieler gilt, doch mit erst einem Bundesliga-Einsatz ist er noch nicht in der Position, um diese Rolle regelmäßig auszuüben. Auf der Rechtsverteidiger-Position hat man zumindest für die kommende Saison durch ​die Leihe von Jonjoe Kenny seine Ruhe. 

Jonjoe Kenny

Kenny wird kommende Saison für Schalke auflaufen - ausgeliehen von Everton



Des Weiteren wäre ein kreativer Spieler im Mittelfeld dringend nötig. Ein Hauptproblem der letzten Saison, und auch schon während der Vizemeisterschaft, war, dass es an Kreativität und Spielwitz mangelte. Das Schalker Spiel wirkte die letzten Jahre sehr statisch, offensiv gelang häufig nur durch simple Abläufe etwas. Auch ein Grund, weshalb die notwendigen, vielen Torchancen fehlen. Die Stürmer müssen deutlich häufiger in Szene gesetzt werden, dann kann auch ein Uth oder ein Embolo häufiger glänzen. 


Apropos Offensive: Auch hier sollte man noch nachlegen. Ein Flügelspieler oder ein weiterer "normaler" Stürmer könnten positive Verstärkung sein. Schalke hat zwar nominell einige Stürmer im Kader, allerdings könnten Uth und Kutucu (wie unter Tedesco) auch ein Stück zurückrücken, um selbst direkt hinter den Stürmern zu agieren. ​Teuchert sollte verliehen werden, da er auch in dieser Saison nicht zu wichtigen Einsatzzeiten kommen wird. 


Die Krux an der Geschichte ist natürlich das fehlende Budget, um diese potenziellen Transfers abzudecken. Laut Bild stehen für den Sommer nur rund 25 Millionen Euro zur Verfügung, Abgänge noch nicht mit einberechnet. So wird man sich mit Leihen (wie bei Kenny) aushelfen müssen, und ansonsten auf gute Angebote für Spieler hoffen, die den Verein verlassen sollen (s.o.). 


Des Weiteren muss darauf geachtet werden, dass neue Spieler auch im Sinne der Mannschaft und des Vereins denken, und die eigene Person auch hinten anstellen können. Natürlich wird man nicht alle angesprochenen Positionen und Aspekte über diesen Sommer abarbeiten können, keine Frage. 


Eine perfekte Transferphase ist daher extrem schwer möglich, wenn nicht sogar unmöglich in der aktuellen Verfassung. Das Beste, was die Verantwortlichen machen können, sind die berühmten "ersten Schritte", um sowohl dem Team selbst, aber auch Coach David Wagner die Möglichkeit zu geben, möglichst problemlos mit der Umstrukturierung des Teams beginnen zu können.