​Aktuell befindet sich der​ HSV in Gesprächen mit den Beratern von ​Marc​ Stendera (23) von ​Eintracht Frankfurt. Der Spieler, schon in jungen Jahren von erheblichem Verletzungspech heimgesucht, will außerhalb seines Heimatklubs seiner Karriere einen neuen Anschub geben. Doch die angeblichen Forderungen, die er an seinen neuen Arbeitgeber stellt, sollten zum Nachdenken Anlass geben. 


Es ist wie es immer ist: ein Verein sucht einen bestimmten Spieler, ein bestimmter Spieler eines anderen Vereins sucht eine neue Herausforderung (oder Chance) und - bei entsprechender Übereinstimmung der Interessen - kommen beide dann zusammen. Oder auch nicht. 

Dass sich der HSV mittelfristig um einen Nachfolger für den - überspitzt formuliert - Dauerverletzten Aaron Hunt (32) bemühen muss, ist offensichtlich. 


Das Anforderungsprofil ergibt einen Profi, nicht zu alt und nicht zu jung, der die Liga bestenfalls schon kennt, willig und entwicklungsfähig ist und diesen steinigen Weg des Klubs auch wirklich von Herzen mitgehen will. Dass man in Hamburg nicht am Bettelstab endet, sollte auch bekannt sein. Entsprechend sollte Geld auch nicht das erste Motiv eines Spielers sein, um im Volkspark aufzuschlagen. 


So weit, so gut. Doch was einen Spieler eigentlich von vornherein ausschließt, sind Forderungen, von ihm selbst oder über seine Berater gestreut, nach einer Stammplatzgarantie. Stammplatz-was? Ja, so unglaublich es sich auch anhört: es gibt tatsächlich immer noch Spieler, die vom Leistungsprinzip wohl nur mal am Rande was mitbekommen haben. Ich muss sagen: als ich gestern die vom Hamburger Abendblatt veröffentlichte Meldung gelesen habe, konnte ich nur ungläubig mit dem Kopf schütteln? In welchem Paralleluniversum ist Marc Stendera denn zuhause? Hat er vom Jovic-Transfer zu Real Madrid eine Überdosis Aroma eingeatmet und denkt jetzt auch, weil er ja (noch) im gleichen Team spielt, ein Weltklassespieler zu sein? Und selbst wenn er es wäre: von einem Zinédine Zidane oder Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi habe ich nie derartige Forderungen gehört. 


Wer an sich und seine Qualitäten glaubt, braucht so einen Schmarrn auch nicht. Wie soll übrigens ein Trainer so etwas innerhalb der Kabine moderieren? Man stelle sich mal die Szene vor: kurz vor Spielbeginn, die Mannschaft macht sich bereit und der Trainer kündigt die Marschroute für das anstehende Spiel an. "Ach, übrigens, du, Spieler X, spielst ja heute bekanntlich nicht, weil Spieler Y ja heute anwesend ist und eine Garantie auf einen Platz in der Startelf hat." 


Absurd, oder? Genauso absurd ist es, in einem Mannschaftssport derartige Forderungen an den potentiellen neuen Klub zu richten. Aus meiner Sicht hat sich Mar Stendera damit disqualifiziert. Der HSV sollte tunlichst davon absehen, ihn zu verpflichten. Denn wohin Verpflichtungen von solch "Ego-Shootern" in der jüngsten Geschichte des Vereins geführt haben, lässt sich ganz leicht an der momentanen Liga-Zugehörigkeit ablesen.