​Erst machen sie beim ​HSV jahrelang gar nichts, dann soll auf einmal alles sofort passieren: dass die ​Dino-Uhr in diesem Sommer abmontiert werden soll, ist mittlerweile beschlossene Sache. Und schon regen sich erste Stimmen, die auch eine Abschaffung der inoffiziellen Vereinshymne fordern. 


Volksparkwatch heißt die Fan-Gruppierung, die im Zuge der Deinstallierung der Stadionuhr nun auch fordert, das Lied "Hamburg, meine Perle" aus dem Portfolio des Traditionsklubs zu streichen. Doch das tut eigentlich gar nicht not - bis auf eine Zeile. 


Denn es ist schon kultig,​ Lotto King Karl (von Clowns&Helden-Sänger Pape unterstützt) auf den Liftkran steigen und zu den ersten Takten ein ganzes Stadion schunkeln und mitsingen zu sehen. Und ich fand den Text eigentlich auch nie besonders unsportlich oder gar beleidigend. Zwar mutetete es in den letzten Jahren bisweilen etwas anachronistisch (um nicht zu sagen, größenwahnsinnig) an, den Grün-Weißen anzukündigen, dass es für sie hier (also im Volkspark) nichts zu holen gebe. Von den Lederhosen, die man den "aus München" kommenden ausziehen wolle, gar nicht erst zu reden. Aber diese und alle anderen Bezüge zu gegnerischen Mannschaften, wie der Leverkusener Torwart (gemeint war immer Hans-Jörg Butt) oder die Finanzkraft des BVB (die halt doch Tore schießt, leider auch im Volkspark) sind letzten Endes harmlose Sticheleien. Alles fußballerische Folklore, zugespitztes Klappern, das zu diesem Handwerk einfach dazugehört. 


Da stehen andere Vereinshymnen der Hamburger Version mit Sicherheit in nichts nach. Im Grundsatz geht es ja im Fußball um den Kampf Mann gegen Mann, Team gegen Team, wir gegen die - daraus militante oder menschenverachtende Züge rauslesen zu wollen, schießt meines Erachtens über das Ziel hinaus. 


Und auch sprachlich geht es in einem Fußballstadion immer etwas derber zur Sache als beim Springderby in Klein-Flottbek. Wem das nicht passt, kann ja zuhause bleiben. Dennoch: über eine Zeile müssten wir vielleicht doch mal reden. Ich fand sie von Anfang an unglücklich. "Wenn du aus Cottbus kommst, kommst du eigentlich aus Polen." Rein geographisch nicht zu beanstanden, schwingt in diesem Textteil schon etwas durch, mit dem wir uns in Hamburg als weltoffene, liberale Stadt eigentlich gar nicht beschäftigen wollen. Was ist denn so schlimm daran, wenn jemand aus Polen kommt? Und - by the way - im Verein selbst haben schon einige Polen gespielt. Jan Furtok z.B. war der Torjäger des HSV Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre. Oder Jacek Dembinski. 


Würde "Meine Perle" genau so interpretiert werden, wenn wir aktuell Importspieler aus unserem östlichen Nachbarland hätten? Wohl kaum. Von daher mein Appell an Lotto und Pape: Zeile rausnehmen und gegen eine unverfänglichere und souveränere eintauschen. Die Fantasie dafür trau ich Euch allemal zu. Dann kann man auch weiterhin inbrünstig und aus voller Kehle mitsingen, wenn Lotto und Pape sich in den ersten Oberrang liften lassen.