​Eigentlich ist Jan de Witt seit Jahren im Tennisgeschäft zuständig. Seine Leidenschaft machte er zum Beruf und nun ist er Trainer für manche der besten Spieler der Welt. Doch auch neben dem Tennis interessiert er sich sehr für sportliche Entwicklungen, so auch für die des ​SV Werder Bremen. Denn seit einem Jahr dient er den Norddeutschen als Berater. Im Interview mit der Bild spricht de Witt nun über die Zusammenarbeit und wieso Werder ihn so gefesselt hat.


De Witt ist ein deutscher Tennistrainer, der seit Jahren viele Profis zu internationalen Topstars macht. Doch neben dem Tennis ist er auch beim SV Werder Bremen seit einem Jahr als Berater tätig - ein Umstand, der etwas fragwürdig erscheint. Doch de Witt nennt Gründe, wieso die Zusammenarbeit solchen Sinn ergibt. "30 bis 35 Wochen im Jahr bin ich mit meinem Athleten unterwegs. Aber in dem möglichen Rahmen berate ich weiter gern. Ich bringe den unabhängigen Blick von außen, ein Extra zum ohnehin vorhandenen Fachwissen ein."


Und in dieser Zeit dient er dann nicht nur als Beobachter, sondern auch als Problemlöser oder Fragensteller. Dabei schaut er sich zum Beispiel die Trainingsmethoden an und kann als Außenstehender oftmals andere Schwerpunkte feststellen, als sie auf dem Trainingsplatz trainiert werden. Auf genau dieses Feingefühl setzt man in Bremen, denn momentan setzt der Verein immer mehr auf ​besondere Maßnahmen, um die Mannschaft wieder zum Erfolg zu führen.


"Der Fokus liegt darauf, wie mit dem einzelnen Spieler umgegangen wird. Kann man es vielleicht besser machen? Es ergibt Sinn, sich in ganz vielen Bereichen mit dem einzelnen Sportler auseinanderzusetzen", so de Witt. Zudem besitzt der 53-Jährige einen starken Draht zu Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Die beiden Kenner verstehen sich nicht nur privat gut, sondern können sich auch immer wieder in ihren Tätigkeiten mit Ratschlägen unterstützen.

Florian Kohfeldt

Hat eine gute Beziehung zu Jan De Witt: Florian Kohfeldt



Auf die Frage, wo man bei Werder Bremen besonders das Potential sehen kann, antwortet de Witt positiv, aber auch noch mit einigem Ehrgeiz: "Überall. Wir sehen hier bereits Leistungssport auf sehr hohem Niveau, abgesehen von den Gebäuden. Wir sprechen teilweise nur von Bruchteilen von Prozenten, aber selbst die lohnen sich. Nehmen wir die Spieler am Übergang vom Jugend- zum Profibereich. Frank Baumann sagt, dass Werder auf Champions-League-Niveau ausbilden will. Da ist Werder als Ausbildungsverein noch nicht so super wie sie sein sollten."


Es gibt also verschieden Bereiche, in denen sich der SVW noch verbessern muss, um wirklich auf dem höchsten Level mitzuspielen. Jan de Witt ist dabei ein Kritiker, der gerne auf Missstände hinweist, so zum Beispiel bei der Jugendarbeit: "Ich sehe vier große Bereiche. Die Hardware muss den internationalen Standards genügen. Die Trainingsbedingungen für den Nachwuchsbereich genügen den Ansprüchen nicht. Sie sind einfach schlecht. Das Problem ist aber durch den geplanten Umbau des Leistungszentrums erkannt. Jedes Jahr, den er länger benötigt, ist ein verloreneres Jahr."


Doch auch andere Komponenten brauchen noch Zeit, um den eigenen Ansprüchen zu genügen. "Punkt 2 ist ein Kulturwandel im Klub. Wir müssen in der Ausbildung maximal gut sein. Das muss das Ziel sein. Dafür brauchen wir aber auch die entsprechende Einstellung. Dritter Punkt, alle Menschen, die hier arbeiten, müssen richtig gut sein: Trainer, Physios, Mental-Trainer etc. Punkt 4: Es muss genügend Personal da sein, um auf höchstem Niveau zu arbeiten. Es ist kein Zufall, dass Werder in der neuen Saison einen Co-Trainer mehr hat..."


De Witt geht also äußerst forsch und geradlinig auf die vielen Baustellen beim SV Werder Bremen zu und verfolgt dabei auch einen klaren Plan. Ob die Umsetzung dafür immer so einfach ist, bleibt abzuwarten. Doch zumindest klärt er über die Probleme auf und weiß, worauf es im Profi-Sport ankommt. Im Nachwuchsleistungszentrum, in dem viele ehemalige Werder-Spieler einen Posten inne haben, muss nach ihm ebenfalls für mehr Qualität gesorgt werden.


Werder könnte über einen Einwurftrainer nachdenken


Eine weitere Verstärkung könnte man sich auch auf einer ungewöhnlichen Position holen: "Warum nicht über einen Einwurftrainer nachdenken? Das ist ein logischer Ansatz. Genau so querdenken müssen wir. In diesen weichen Bereichen müssen wir einfach besser sein als die anderen." Um sich eben nicht nur auf einen Top-Kader verlassen zu müssen, sollte Werder jegliches Training rund um die Mannschaft perfektionieren.

Max Kruse

Für den Erfolg will Werder auf verschiedenste Trainingsmöglichkeiten setzen



Er selbst fühlt sich als Teil der großen Werder-Familie jedenfalls sehr gut und ist sowohl emotional als auch sachlich sehr nah am Team dran: "Es ist eine Herzenssache. Fünf, sechs Werder-Spiele konnte ich in der vergangenen Saison schauen. Da bin ich privat, da bin ich emotional. Aber wenn ich mich mit den Verantwortlichen hier treffe, bin ich ganz sachlich und lösungsorientiert.“


Mit Jan de Witt haben sich die Grün-Weißen also einen richtigen Experten im Sachen Leistungssteuerung und Nachwuchs an die Seite geholt. Mit ihm als Berater erhofft man sich die baldige Umsetzung einiger Projekte und man will weiter an den Baustellen arbeiten. All dies soll dazu führen, dass das Konstrukt neben der Mannschaft perfektioniert wird, um den SV Werder Bremen wieder in den Spitzen-Fußball zurückzuführen. Denn für ein so großes Ziel muss man oft einen langen Weg zurücklegen.