Es ging die letzten Jahre immer wieder auf, immer wieder ab beim ​FC Schalke 04. Beispielhaft war der Fast-Abstieg direkt nach der Vizemeisterschaft. Über den kommenden Sommer und die kommende Saison muss der S04 anfangen, sich selber neu zu erfinden. Ein wichtiger Teil dabei sind Neuzugänge und Abgänge im Kader - doch wie sieht das momentan eigentlich aus, und wie sollte es aussehen?


Dass dieser Sommer kein Zuckerschlecken für Schalke wird, sollte keinen überraschen. Es gibt sehr Vieles, was getan werden muss in den nächsten grob zwei Monaten, bis die Saison beginnt. Immerhin will man (mal wieder...) einen Neuaufbau starten. Genauer gesagt: Man muss einen Neuaufbau starten.


Das letzte halbe Jahrzehnt hat - trotz zwischenzeitlicher Erfolge und auch tollen Zeiten für S04-Fans - Narben hinterlassen. Der Verein hat an Strahlkraft verloren, vor allem nach außen in den internationalen Bereich. In der Sommerpause vor der Saison 2019/2020 müssen Verantwortliche (im sportlichen Bereich) den Verein in neue Bahnen lenken, die allesamt in ihrer Funktion neu auf Schalke sind. 


Jochen Schneider ist seit März der neue Sportvorstand. Michael Reschke erst jetzt der neue Kaderplaner. David Wagner ist der neue Trainer und der kommende, noch zu besetzende Sportdirektor trägt noch immer keinen Namen. Sie eint neben der neuen Verantwortung auf Schalke ihre übergeordnete Aufgabe: Dem Verein eine (passende) Philosophie aneignen und diese durch ihre jeweiligen Entscheidungen und Entschlüsse formen. 


Ein enorm wichtiger Teil dessen ist der Kader, und dementsprechend die angepeilten Transfers. Doch mit der Absage von Erik Durm, dem angeblich so gut wie fixen Kauf von Benito Raman, und erforderlichen Abgängen von Spielern wie Bentaleb oder Mendyl muss sich der Verein auch im Klaren sein, was kommende Saison das Ziel ist: direkt ins internationale Geschäft zu wollen, sollte es nämlich nicht sein.

FC Schalke 04 v VfB Stuttgart - Bundesliga

Am Ende der Saison musste man sich bei Huub Stevens für die Rettung bedanken



Auch wenn sich viele Fans und vermutlich auch einige Verantwortliche im Verein selber auch in der kommenden Saison einen Platz für internationale Wettbewerbe wünschen, sollte dies definitiv nicht der Anspruch des S04 sein - noch nicht.


Klar ist: Schalke ist und bleibt ein riesiger Verein, der eine große und starke Fanszene hinter sich hat, mit Tradition verbunden ist, und nicht nur wegen der beeindruckenden Mitgliederzahlen einen Namen in Fußball-Europa hat. Nichtsdestotrotz wäre es fatal, für die nächste Saison die Europa League oder gar die Champions League als Ziel auszugeben. Selbstverständlich wäre das ein toller Erfolg, keine Frage. Doch man muss sich zunächst vielen anderen, grundlegenden Dingen widmen.


Durm sagte wohl ab - ist S04 noch attraktiv?


Gestern kam heraus, dass Schalke Interesse an Erik Durm gehabt haben soll. 

​Der ehemalige BVB-Spieler habe abgesagt, trotz eines guten Verhältnisses zu David Wagner. Bei allem Respekt: Erik Durm ist eigentlich kein Spieler, bei dem sich große europäische Vereine anstellen müssen. Vielleicht eine Absage aufgrund der Vergangenheit beim Erzrivalen aus ​Dortmund - vielleicht aber auch eine Absage, weil sich Schalke über die letzten Jahre nicht fortentwickelt hat.


Man hatte keine klare Philosophie vor Augen, keine klare, übergeordnete Idee. "Wer sind wir, wer wollen wir sein und wo wollen wir hin?" muss man sich beim S04 nun dringend fragen - gerade im Bezug auf die neue Saison unter Trainer David Wagner. Sportvorstand Schneider betonte dies auf seiner ersten Pressekonferenz: Er wolle eine klare Idee entwickeln, dazu offensiven und begeisternden Fußball auf Schalke etablieren. Das ist das, was der Verein braucht, um sich langfristig nach vorne zu entwickeln und nicht nur national mithalten zu können. Mit Wagner hat Schneider zumindest in der Theorie dafür eine gute Personalentscheidung getroffen. 

David Wagner

Wagner verfolgt als Trainer die Ziele, die auch Schneider beim S04 umsetzen will



Eine klare Idee des Clubs, die Möglichkeit sich zu Verbessern und natürlich auch ein gutes Gehalt. Das sind Aspekte, die einen Verein für Spieler interessant machen. Abgesehen vom Gehalt gab es das auf Schalke über die letzten Jahre kaum. Bis auf die Vizemeister-Saison, wo viele Spieler unter Tedesco über ihre (bisherige) Leistungsgrenze hinausgehen konnten, gab es immer wieder Fälle, in denen sich junge bzw. talentierte Spieler beim S04 nicht entwickeln oder verbessern konnten. Häufig war sogar das Gegenteil der Fall. 



Spieler der zweiten Garde oder Absagen - reicht das?


Die Transfers, die man diesen Sommer umsetzen muss, sind schwierig. Auf der einen Seite muss man auch im Kader die ersten Schritte machen, um zukünftig Entwicklungen starten zu können. Das Stabilisieren wird der erste Schritt sein, und Wagner wird Zeit brauchen, seine Ideen in die Köpfe der Spieler zu bekommen. Das sei schwer, aber im Erfolgsfall mache es sehr viel Spaß, so Wagner in seinem ersten Interview mit Schalke-TV


Auf der anderen Seite hat man kaum Geld zur Verfügung. Man muss auf bestmögliche Anfragen für Spieler hoffen, die gehen sollen. Bentaleb, Mendyl und Harit sollen dort weit vorne stehen. Im Gegenzug braucht man für diese Saison Spieler, die dem Team möglichst kostengünstig helfen können. Dabei sind Leihen (mit anschließender Kaufoption) eine der besten Möglichkeiten. ​Das soll beispielsweise bei Everton-Youngster Kenny das Ziel sein und ​Benito Raman könnte sich aus Düsseldorf den Schalkern anschließen.


Um ganz einfach auf die aufgeworfene Frage zu antworten: Es muss reichen. Man sollte kommende Saison ohnehin noch keine Ansprüche auf das internationale Geschäft haben. Das beste für den Verein und eine langfristig positive Entwicklung wäre, wenn man zunächst die Mannschaft beruhigt und stabilisiert bekommt und dazu unter Wagner bereits die ersten Schritte der Umsetzung (s)einer neuen Idee sieht, um darauf aufzubauen.


Man braucht ein stabiles Fundament, sonst hält ein tolles Bauwerk nicht lange; siehe die Vizemeisterschaft. Dabei ist vor allem auch Schneider gefragt, der mit seinen Personalentscheidungen das "neue Schalke" aufbauen muss.