Obwohl der ​FC Bayern München eine für die eigenen Ansprüche enttäuschende Hinrunde hinlegte, konnte man am Ende doch das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal bejubeln. Um auch in der Champions League durchstarten zu können, haben die Münchner ​auf dem Transfermarkt bereits gut nachgelegt. Weitere Transfer sollen noch folgen. ​Doch welche Baustellen sollte Sportdirektor Hasan Salihamidzic in den kommenden Wochen noch in Angriff nehmen?


Gleich zu Beginn sollte man festhalten, dass die Münchner bereits aktuell stark aufgestellt sind. Wenn man die einzelnen Mannschaftsteile des deutschen Rekordmeisters durchgeht, trifft man wie gewohnt auf zahlreiche Stars, die in jeder anderen Mannschaft in der Bundesliga ohne Zweifel mehr als nur Anwärter auf einen Stammplatz wären.


Starten wir mit den Torhütern. Manuel Neuer konnte zuletzt, vor allem auch im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass die Formkurve des mehrfachen Welttorhüters nach einer durchwachsenen Hinrunde wieder eindeutig nach oben zeigt. Mit Sven Ulreich, der den zwischenzeitlich verletzen Nationalkeeper erneut äußert souverän vertreten konnte, steht zudem ein verlässlicher Backup mit noch einigen guten Jahren auf der Uhr als Back-Up parat.


Kommen wir zur Abwehrkette der Münchner und somit auch zu dem Mannschaftsteil, der in diesem Transferfenster bereits prominent verstärkt werden konnte. Für Lucas Hernandez von Atletico Madrid stießen die Bayern dabei in für sie neue Transferregionen vor und legten für den 23-jährigen Franzosen satte 80 Millionen Euro auf den Tisch. Freuen kann sich der Weltmeister von 2018 dabei an der Säbener Straße auf ein Wiedersehen mit seinem Nationalmannschaftskollegen Benjamin Pavard, der vom Absteiger VfB Stuttgart nach München wechselt.

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Benjamin Pavard und Lucas Hernandez laufen in Zukunft im Bayern-Trikot auf



Da beide Defensivspieler sowohl im Zentrum als auch auf den Außenbahnen agieren können, fällt ​der Abgang des routinierten Außenverteidigers Rafinha kaum ins Gewicht. Vielmehr stehen Cheftrainer Niko Kovac nun noch mehr Aufstellungsmöglichkeiten zur Verfügung. So ist auch eine Abkehr von der bislang präferierten Viererkette hin zu einer Dreierkette absolut denkbar. An Nationalspieler Niklas Süle würde dabei in allen Konstellationen wohl kaum ein Weg vorbei führen. Auch Mats Hummels zeigte zuletzt aufsteigende Tendenzen und kann sich gute Aussichten ausrechen. Eine Trennung vom unzufriedenen Jerome Boateng wäre hingegen für alles Seiten gut verschmerzbar. 


Werfen wir nun einen Blick auf die Mittelfeldzentrale. Mit Javi Martinez, Leon Gorezka,Thiago und dem lange verletzen Corentin Tolisso sind die Münchner hier weiterhin sehr gut aufgestellt. Darüberhinaus kann der bei den Bayern zumeist als Rechtsverteidiger agierende Joshua Kimmich, wie in der Nationalmannschaft erfolgreich erprobt, auch auf der Sechs einen bleibenden Eindruck hinterlassen.


​Mit James Rodriguez ließen die Münchner zuletzt aber den einzigen echten Spielmacher im  Kader ziehen. Ob die Bayern auf dieser Position nachrüsten sollten, hängt zum einen von der Lage auf dem Transfermarkt, aber vor allem auch von dem Matchplan von Kovac ab. Einen Spieler im hohen zweistelligen Millionenbereich zu verpflichten, nur um ihm aufgrund taktischer Zwänge kaum Entfaltung einzuräumen, wäre nur wenig zielführend.


Nach dem Ende der Ära von Franck Ribery und Arjen Robben müssen die Münchner ab der kommenden Spielzeit ohne die einst so ruhmreiche Flügelzange auskommen. Die starken Auftritte beider Altmeister zum Ausklang der abgelaufenen Saison sollten aber nicht davon ablenken, dass die Beiden schon seit geraumer Zeit keine Hauptrolle mehr gespielt hatten. Vielmehr sind Kingsley Coman und vor allem auch der in seiner ersten Saison bei den Bayern komplett überzeugende Serge Gnabry längst in ihre Fußstapfen getreten.

Leroy Sane,Timo Werner

Gehen Timo Werner und Leroy Sane bald für die Bayern auf Torejagd?



Dass die Münchner aktuell ​dennoch über die Verpflichtung von City-Star Leroy Sane nachdenken, sollte bei den Defensivreihen der Bundesligakonkurrenz daher echte Schweißausbrüche auslösen. Auch RB-Angreifer ​Timo Werner liebäugelt weiterhin mit einem Wechsel zu den Münchnern. Beide möglichen Verpflichtungen wären zwar wohl nötig Schritte, um auch in der Königsklasse um den Titel mitspielen zu können, für die Mission Titelverteidigung in der Bundesliga wären sie aber wohl alles andere als zwingend.


Ein Vorteil einer Verpflichtung von Werner wäre es, neben Robert Lewandowski einen weiteren echten Stürmer in den eigenen Reihen zu haben. Von der Spielanlage her unterscheiden sich beide Spieler aber schlussendlich doch deutlich. Gut möglich also, dass Werner im Falle einer Verpflichtung vorrangig für die Außenbahnen angedacht wäre. 


Als Back-Up für den polnischen Torjäger dürfte daher weiterhin auch Thomas Müller herhalten. Der Ex-Nationalspieler spielte eine starke Rückrunde und ist für verschiedene Positionen im Offensivbereich eine mehr als zufriedenstellende Lösung. Falls sich auf dem Transfermarkt die Möglichkeit der Verpflichtung eines robusten Mittelstürmer ergeben sollte, dürften die Bayern darüber aber schon kurz nachdenken. Youngster Jann-Fiete Arp, der vom Hamburger SV an die Isar wechselte, wird behutsam an das Team herangeführt werden.


Unterm Strich befinden sich die Münchner derzeit in der durchaus nicht unkomfortablen Lage, dass sie bereits Anfang Juni auf einen sehr erfolgsversprechenden Kader blicken können. Weitere mögliche Deals dürften daher vor allem als Fingerzeig an die internationale Konkurrenz um die Krone Europas zu deuten sein.