​Die letzten Jahre waren für einen ​Paderborn-Fan die vielleicht aufregendste Zeit der Vereinsgeschichte. Seit 2014 spielte der SCP nämlich in jeder der drei höchsten Spielklassen in Deutschland. Nun ist allerdings der erneue Aufstieg in die ​Bundesliga geglückt, den Status als Fahrstuhlmannschaft will man dabei endlich ablegen.


In der Saison 2013/2014 schaffte der SC Paderborn 07 historisches. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte stieg der SCP nämlich in die erste Bundesliga auf, das Ziel der jahrelangen und harten Arbeit. Doch was folgte ähnelte einem Zerfall eines ganzen Vereins und eine schwierige Zeit für die Anhänger und Spieler nahm seinen Anfang. Denn nur ein Jahr später fand man sich erneut in der ​zweiten Bundesliga wieder, noch eine Saison später dann sogar nur noch in der dritten Liga.


Nachdem man damals zwei Spielzeiten auf dem 18. Tabellenplatz absolvierte, kam die Ernüchterung und die vermeintliche Gewissheit, dass man sich im deutschen Profi-Fußball nie wirklich etablieren könnte. Es dauerte über ein Jahr, bis sich der Verein erholte und erneut in die zweite Bundesliga aufsteigen konnte. Mit einem furiosen Kader und einer tollen Leistung verblüffte man dann in dieser Saison so einige Spitzen-Klubs in Liga Zwei und erkämpfte sich am letzten Spieltag den direkten Aufstieg. Doch es bleibt die Frage, ob der SC Paderborn nun bereit ist, sich in der ersten Bundesliga halten zu können.


Paderborn will voll angreifen


Das Ziel steht in jedem Fall fest, der Klassenerhalt soll um jeden Preis angestrebt werden. Denn mit einem weiteren Jahr in der Bundesliga könnte man sich nach und nach immer mehr festspielen und vielleicht zu einem gestandenen Erstliga-Klub avancieren. In Paderborn weiß man auch, wie man das erreichen will; dabei orientiert man sich in vielerlei Hinsicht an der abgelaufenen Aufstiegssaison. Denn auch in Liga Eins will man auf volle Offensiv-Power setzen und sich damit die so wichtigen Punkte erkämpfen.


Das bestätigte auch SCP-Trainer Steffen Baumgart erst kürzlich in der Bild. Vor allem das Selbstbewusstsein und die Einstellung sei dabei ganz entscheidend: "Alle haben gesagt: 'Ihr könnt doch nicht...?' Und wir haben geantwortet: 'Doch, können wir!' Weil das unsere Art ist, Fußball zu spielen. Diesen Stil wollten wir durchziehen, auch wenn die Nörgler uns prophezeit haben. Diesen Stil wollten wir durchziehen, auch wenn die Nörgler uns prophezeit haben, dass das nicht geht. Ein kluger Mensch hat mal gesagt: 'Dinge gehen so lange nicht, bis einer kommt und es einfach macht.' Das ist unser Motto", so der 47-Jährige.

Philipp Klement

Mit 76 Toren stellte man den zweiterfolgreichsten Angriff in Liga 2



Sicher ist, dass diese Einstellung in der aktuellen Spielzeit zum Erfolg führte. Die Unbekümmertheit kostete zwar auch immer wieder Punkte, doch der Erfolg überwog und die Mannschaft wuchs mit der eigenen Stärke. Doch in der Bundesliga warten andere Teams auf den SCP, Gegner wie ​Bayern München oder ​Borussia Dortmund werden sich kaum von dieser Taktik überrumpeln lassen. Es bleibt die Frage, ob Paderborn auch nach vielen sieglosen Spielen an ihrer Philosophie festhalten würde. 


Auch verfügt der Aufsteiger über ein deutlich kleineres Transfer-Budget als der Rest der Liga. Auch die anderen beiden Neulinge aus ​Köln und ​Berlin sind voraussichtlich besser aufgestellt. Doch ordentlich verstärken will man sich trotzdem, am Ende wird entscheidend sein, ob man auch ein paar Überraschungsspieler verpflichten kann, die über sich hinaus wachsen könnten. Denn nur so kann Paderborn überhaupt konkurrenzfähig bleiben, nur wenn jeder Spieler und Verantwortliche das Beste gibt und über sich hinaus wächst.


Ein Beispiel dafür, wie genau das zu erreichen ist, stellte die ​Fortuna Düsseldorf in diesem Jahr dar. Als bereits sicher geglaubter Absteiger wusste man stets als unterschätzter Underdog zu überzeugen. Auch mit einem eher schwachen Kader erreichten sie durch Kampfgeist und eine immer überzeugende Einstellung den frühen Klassenerhalt. So würde auch Steffen Baumgart am liebsten die Saison angehen, denn mit einer defensiven Spielweise, die den Zuschauern wenig bietet, kann der 47-Jährige nichts anfangen.


"Wir werden an unserer Spielweise festhalten. Natürlich wissen wir, dass die Qualität in der Bundesliga eine ganz andere ist. Und wir werden bestimmt das ein oder andere Mal Lehrgeld bezahlen." Dabei spricht er vor allem über den Spielspaß und die Torgefahr, welche man auch in der Bundesliga ausstrahlen möchte. "Wir bieten den Zuschauern etwas. Wissen Sie: Ich hasse langweilige Spiele. Ich wollte schon als Spieler das Spektakel. Mir anhören zu müssen, was für taktische Meisterleistungen hinter diesem oder jenem 0:0 stecken - da graust es mich", so der Cheftrainer.

Steffen Baumgart

Steffen Baumgart möchte mit dem SC Paderborn vor allem spielerisch überzeugen



Unabhängig von der Qualität der gegnerischen Teams oder der Fähigkeit des Eigenen möchte Paderborn also überzeugen, selbst mit einem unverdienten Ligaverbleib wäre man wohl kaum zufrieden. Das steht für die Philosophie des SCP, der für leidenschaftlichen Fußball steht, der nicht überall den höchsten Stellenwert genießt. Ob der große Underdog allerdings wirklich so reif ist, um die Klasse zu halten, bleibt abzuwarten. Doch kampflos möchte man sich nicht aufgeben. So lang es möglich ist, wird der traditionsreiche Verein alles daran setzen, viele Kritiker und Zweifler zu überraschen. Als Fahrstuhlmannschaft möchte man in den Geschichtsbüchern nämlich nicht verewigt werden.