Leon Bailey hat wahrlich keine grandiose Saison hinter sich. Der jamaikanische Flügelspieler von ​Bayer Leverkusen war über weite Strecken ein Schatten seiner selbst, erst nach der Entlassung von Heiko Herrlich konnte er sich unter dem neuen Trainer Peter Bosz wieder steigern. Einem Berich der Daily Mail zufolge lockt nun der FC Chelsea - doch wie realistisch wäre ein Transfer?


Noch vor einem Jahr hätte Bayer Leverkusen eine ordentliche Summe für Bailey kassieren können, doch der 21-Jährige blieb der Werkself erhalten. In der abgelaufenen Spielzeit sollte der Offensivspieler spüren, wie tief man im Fußball fallen kann, obwohl man sich wenige Monate zuvor noch in bestechlicher Form befand. Fünf Tore und zwei Vorlagen in 29 Bundesligaspielen sprechen eine eindeutige Sprache, im Vorjahr erzielte Bailey neun Tore und lieferte sechs Assists bei 30 Einsätzen.

Leon Bailey

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Seine technischen Fähigkeiten und sein strammer Abschluss sprechen für sich. Wenn er in Form ist, ist Leon Bailey ein Flügelspieler, dessen Dribblings nur schwer zu stoppen sind und der Eins-gegen-eins-Situationen keineswegs scheut. Wie unter anderem die Daily Mail berichtet, soll der FC Chelsea daher ein Auge auf ihn geworfen haben, doch die Aussichten auf einen Transfer hängen von zwei wichtigen Faktoren ab: Einerseits bleibt die von der FIFA verhängte ​Transfersperre bis 2020 Stand jetzt bestehen, ​weshalb der Verein das Urteil vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) anfechten will. Andererseits dürften die Forderungen von Bayer Leverkusen alles andere als niedrig angesetzt sein.


Ohnehin sind solche Berichte gerade aus der englischen Medienlandschaft mit einer gewissen Portion Vorsicht zu genießen. Auf der Insel wird viel über mögliche Transfers spekuliert, sei es auf nationaler oder internationaler Ebene. Angeblich habe Chelsea Bailey bereits im vergangenen Jahr verpflichten wollen. Der Haken: Da der Klub um die drohende Transfersperre bereits vor Monaten informiert war, wurde Christian Pulisic bereits im Januar von Borussia Dortmund verpflichtet. Zum selben Zeitpunkt hätte man auch den Transfer von Bailey abwickeln können, wenn man schon zuvor interessiert gewesen wäre.


Leverkusen soll etwa 90 Millionen Euro fordern


Hinzu kommt der finanzielle Aspekt. Bayer Leverkusen ist bekannt dafür, Talenten den Feinschliff zu verleihen und als Sprungbrett für eine große Karriere zu dienen. Toni Kroos machte seine ersten Schritte unterm Bayer-Kreuz, Emre Can wechselte nach einem Jahr zum FC Liverpool, Heung-Min Son wurde an Tottenham Hotspur verkauft, Arturo Vidal machte sich in Europa einen Namen und Julian Brandt wird künftig für Borussia Dortmund auflaufen. Die Verantwortlichen wissen, dass sie ihre Topspieler kaum halten können, wenn ein entsprechendes Angebot kommt - aber sie passen ihre Preise an den Transfermarkt an.

Rudi Voeller

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Daher wird auch über eine angebliche Ablösesumme in Höhe von rund 90 Millionen Euro berichtet. Nach dem 100-Millionen-Euro-Transfer von Eden Hazard und dem Rückhalt von Besitzer Roman Abramowitsch dürfte diese Summe in der Theorie kein Problem darstellen, doch gemessen an den Leistungen in dieser Saison wäre die kolportierte Summe um einige Millionen Euro überzogen. Sollte die Meldung stimmen und Bayer darauf beharren, dürften sich die Verantwortlichen in London fragen, ob sich diese Investition wirklich lohnen sollte.


Braucht Chelsea 5 Flügelspieler?


Denn sportlich betrachtet besitzt Chelsea bereits vier Flügelspieler: Pedro, Willian, Callum Hudson-Odoi und Neuzugang Christian Pulisic. Zwar wird insbesondere Willian als Wechselkandidat gehandelt, doch sollte die Transfersperre bestehen bleiben, wird der Klub wohl kaum einen weiteren Spieler ziehen lassen. ​Größere Sorgen bestehen ohnehin in der Sturmspitze, wo derzeit nur Olivier Giroud sowie die Rückkehrer Michy Batshuayi und Tammy Abraham bereitstünden. 


Ob Leon Bailey den großen sportlichen Mehrwert besitzt, darf derzeit als fraglich betrachtet werden. Sollte er seine Leistungen wieder steigern, könnte er im nächsten Jahr für eine ordentliche Geldsumme zu einem größeren Verein als Bayer Leverkusen wechseln - Stand jetzt kommt dieser Schritt aber noch zu früh.