Mit dem Aufstieg des ​1. FC Union Berlin in die ​Bundesliga gibt es erstmals ein Hauptstadtderby im Oberhaus. Dann messen sich ​Hertha BSC und Union zum ersten Mal in der Historie der Liga in der höchsten Spielklasse. Die Hertha hatte bereits einen Vorschlag für einen möglichen Spieltermin gefunden, stieß damit aber auf Ablehnung beim Nachbarn.


Mit Union Berlin gibt es neben RB Leipzig nun einen weiteren Ostklub in der Bundesliga. Während bei vielen Anhängern das Produkt RB eher wenig mit Ostdeutschland, sondern mehr mit Österreich und einem Energydrink zu tun hat, ist Union nicht nur in dieser Hinsicht wohl der komplette Gegenentwurf zum marketinggesteuerten Verein aus Sachsen. Im Gegensatz zum kommerzgesteuerten Geschäft gibt man sich in Köpenick gern volksnah und fanfreundlich.


Die Hertha wollte nun zum ersten Stadtduell in der Bundesliga eigentlich mit einem guten Gedanken an den neuen Nachbarn herantreten und erklärte kürzlich, dass man doch Anfang November gegeneinander spielen könne, pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum zum Mauerfall. „Wir fänden, der 9. November wäre ein fantastischer Tag für das Berliner Derby“, hieß es von Vereinsseite.

Doch die Reaktion der Eisernen ließ nicht lange auf sich warten. Diese erklärten am vergangenen Freitag: „Uns ist der Gedenktag zum Mauerfall zu wichtig, wir wollen an diesem historischen Tag nicht Fußball spielen.“ Denn während die Hertha von Westseite her wohl weniger zu leiden hatte, war der Verein aus Köpenick tief im Kampf gegen das System der ehemaligen DDR verwurzelt und verbindet daher mit dem Mauerfall wohl weitaus mehr Emotionen, als die 'Alte Dame'.


Getreu dem alten Motto aus dem Eulenspiegel: „Nicht jeder Union-Fan ist Staatsfeind, aber jeder Staatsfeind ist Union-Fan.“ Insofern kann man hier wohl eher von fehlendem Fingerspitzengefühl bei Hertha sprechen. Denn auch, wenn man keine wirkliche Derbyvergangenheit und -kultur miteinander hat, so ist es doch eine Frage des Respekts.