​Nach der Fußballkarriere geht es für viele Spieler entweder in den endgültigen Ruhestand oder man beginnt eine neue Laufbahn als Verantwortlicher. Nicht viele wagen nach dem Profi-Sport den Weg in die Politik; Angelos Charisteas will allerdings beweisen, dass dies trotzdem möglich ist. In seiner Heimat Griechenland setzt sich der ehemalige ​Werderaner nun politisch ein und hat dabei immer noch große Ziele.


Angelos Charisteas ist noch vielen Fans ein Begriff, immerhin durchlebte der Grieche die beste zeit seiner Karriere in der ​Bundesliga. 2004 befand er sich dabei auf dem Höhepunkt seiner Karriere, mit dem SV Werder Bremen wurde er Double-Sieger. Als 88-facher Nationalspieler beendete er seine Karriere schließlich 2013, viel ruhiger wurde es im Hause Charisteas aber nicht.


Denn der nun 39-Jährige hat sich nach dem Fußballer-Leben der Politik gewidmet. Die Bild traf sich mit Charisteas, der in einem Interview erklärte, wie es zu seiner zweiten Karriere kam. Er ist Mitglied der konservativen Partei "Nea Dimokratia", in Zentralmakedonien wurde er nun ins Regionalparlament gewählt, dies bedeutet dem Griechen eine Menge: "Sehr viel. 23 000 Menschen haben die Stimme für mich abgegeben. Es macht mich sehr stolz, dass die Menschen an mich glauben.“

FB: 1. BL 04/05, SC Freiburg-Werder Bremen

Charisteas stand schon während seiner Fußballkarriere oft im Mittelpunkt



Zu seinen Zielen denkt Charisteas an seine aktive zeit zurück und will seine politische Reichweite nutzen, um etwas Generelles in Griechenland voranzutreiben. "Mir geht es vor allem um Sportförderung. Ich werde dafür kämpfen, dass die Menschen bessere Bedingungen haben, um Sport zu treiben. Gerade für Kinder ist es wichtig, Fußball- und Basketballplätze zu haben, auf denen sie spielen können. Im Sport lernst du für das Leben.“


Dem Griechen geht es also nicht nur um das Rampenlicht, als ehemaliger Profi-Sportler weiß er nämlich, wo es auf sportlicher Ebene in vielen Ländern scheitert. Als Politiker könnte er seine Ziele umsetzen. Dass es überhaupt dazu kam, war auch für Charisteas selbst eher überraschend. "Ich wurde vor einiger Zeit angesprochen, ob ich mir ein Engagement vorstellen könnte. Es hieß: Wir brauchen einen wie dich, den die Menschen respektieren. Und jetzt hat mich das Virus gepackt.“


"Meine Frau war skeptisch"


Natürlich genießt der ehemalige Nationalspieler immer noch einen großen Status in seiner Heimat, Fans hat er viele, deswegen konnte er sich schon jetzt über enorme Unterstützung freuen. Einen Rückhalt verspürte er in der Familie zumindest nicht von Anfang an: „Meine Frau war erst skeptisch. Schließlich ist die Erwartungshaltung an einen Politiker hoch, an mich vermutlich noch höher. Aber ich kann mit Druck umgehen und verspreche, dass ich 100 Prozent geben werde.“


Auf die Frage, wie sich Charisteas seine weitere politische Laufbahn vorstellt, bleibt er erst einmal zurückhaltend. Wenn er gut bei der Bevölkerung ankommen würde, dann könnte er sich durchaus auch einen höheren Posten in der Politik vorstellen. Nun will er allerdings erst einmal "die Liebe, die ich genießen durfte, an die Menschen zurückgeben.“


Zudem steht der ehemalige Profi immer noch mit einigen Vereinskollegen von Werder in Kontakt. Mit Teamkollege Ivan Klasnić ist er beispielsweise weiterhin eng befreundet. Ein kurzfristiges Ziel hat Charisteas allerdings auch: "Ich möchte gern zu Ehren von Otto Rehhagel ein Spiel der Double-Sieger von 2004 gegen Griechenlands Europameister im Weserstadion veranstalten. Das wäre ein großes Fest. Ich werde mit Frank Baumann darüber sprechen.“ Große Ziele also für den 39-jährigen Griechen.