​Man kann sich in diesem Sommer des Eindrucks nicht erwehren, dass der große ​FC Bayern München irgendwie immer mehr zu einem kleinen Lichtchen in Europa verkommt. Jetzt droht ihnen wieder ein Spieler durch die Lappen zu gehen, hinter dem sie seit Monaten her sind. 


Wenn man nochmal die Reihe von Spielern Revue passieren lässt, die der FC Bayern als Transferziel auserkoren hat, könnte man meinen, nicht der FC Liverpool habe kürzlich die Champions League gewonnen, sondern die Münchener. Von Julian Brandt und ​Kai Havertz über Hudson-Odoi und Pepé bis Leroy Sané. Ach, ja - Timo Werner natürlich auch noch. 


Stand heute ist von all diesen Namen übriggeblieben: nichts. Der wahrscheinlichste aller Neuzugänge unter den genannten Spieler dürfte Timo Werner (23) sein. Seit gefühlt mehr als einem Jahr beschäftigen sich die Münchener mit dem Spieler (und der Spieler wohl, zumindest nach dessen eigenen Aussagen, mit dem FC Bayern). 


Wann endet der Werner-Poker?


Doch warum wird der Transfer nicht einfach eingetütet? Bis vor Kurzem hieß es noch: aus gegenseitiger Rücksichtnahme. Man wolle wohl das Pokalendspiel von Berlin abwarten, um danach den Deal zu verkünden. Nun - das Pokalfinale ist mittlerweile zwei Wochen her, und an der Werner-Front tut sich irgendwie nichts. 


Dennoch: diese Personalie dürfte demnächst wohl geklärt sein. Und zwar pro Bayern. Aber Timo Werner hat sich in den letzten zwei Jahren jetzt auch nicht so dermaßen sensationell entwickelt, dass man in ihm den neuen Heilsbringer der Münchener sehen muss. 


Havertz - zu großes Kaliber für die Bayern?


Ein ganz anderes Kaliber ist da schon Kai Havertz (19). Und bei ihrem ersten Vorstoß, das Ausnahmetalent frühzeitig nach München zu locken, haben sich die Bayern auch erstmal eine blutige Nase eingehandelt. Ganz cool, ganz locker und im Wissen um die Preisentwicklung im europäischen Fußball hat Rudi Nationale das scheinbare Mega-Angebot der Bayern (90 Millionen Euro) abgelehnt. 


Und wenn sie sich an der Säbener Straße weiterhin dafür bedauern, statt ihr Angebot schleunigst zu erhöhen, werden sie bald Zeuge, wie irgendein Real Madrid oder FC Barcelona um die Ecke kommt, 130 Millionen hinlegt und Havertz zu sich holt. 


Hudson-Odoi verlängert wohl bei Chelsea


Callum Hudson-Odoi (18) ist auch so eine Nummer. Vielleicht angestachelt von dem Erfolg des Jadon Sancho beim BVB, sahen sich die Münchener bemüßigt, jetzt auch irgendein Supertalent aus England an die Isar zu locken. Doch auch hier wurde rumgeeiert, bis dem Spieler der Geduldsfaden riss und er am Ende wohl ​eher zu einer Vertragsverlängerung beim FC Chelsea tendiert - ​auch wenn man im FCB-Lager noch nicht aufgeben will.


Klopp schnappt Pepé den Bayern vor der Nase weg


Weiter im Takt: Nicolas Pepé (24). Den hätten sie irgendwann vor einigen Monaten noch für schlappe 60 Millionen bekommen. Aber wenn man immer nur wartet und wartet und wartet - wächst einem irgendwann ein langer Bart und man kommt nicht mehr zum Schlafen - und verpennt trotzdem den nächsten potentiellen Superstar. Seit heute ist bekannt: der FC Liverpool, der amtierende Champions League-Sieger, bereitet eine 80-Millionen-Offerte für den LOSC Lille vor (transfermarkt.de, unter Berufung auf L´Equipe). Und mal ehrlich: warum sollte ein Spieler statt zu LFC zum FC Bayern wechseln wollen? Der Knödel oder des leckeren Bieres wegen? Einen deutschen Trainer hätte er ja in Liverpool, und nebenbei auch noch eine viel bessere Mannschaft (wie wir im April alle feststellen konnten). Gehaltstechnisch kann es eh nichts über der Premier League geben (wenn wir Real Madrid, FC Barcelona und PSG mal außen vor lassen). 


Sané in München - nur ein Traum der Bayern?


Statt also solche Deals einzutüten, wenn sie einzutüten sind, warten die Bayern (worauf eigentlich?) und lassen sich einen nach dem anderen vor der Nase wegschnappen. Und träumen statt dessen von Leroy Sané (23). Dass der, Punkt A, wahrscheinlich gar nicht weg aus Manchester will - geschenkt. Sein extravaganter Lebensstil jedenfalls würde im eher konservativen München mit der vorherrschenden Mentalität kollidieren. Jerome Boateng könnte Sané ein warnendes Beispiel sein. Und wer sagt überhaupt, dass Manchester City ihn loswerden will? Und selbst wenn: würde Bayern denn tatsächlich 100 plus X Millionen Euro in ihn investieren? 


Nee, das Geld (80 Millionen!) haut man lieber für einen soliden Linksverteidiger raus, der auch den Innenverteidiger geben kann, oder umgekehrt (Lucas Hernández). Und für einen überschätzten Rechtsverteidiger, der seit der Weltmeisterschaft nicht mal mehr ansatzweise an die dort gezeigten Leistungen heranreicht (Pavard). 


Borussia hat vorgelegt!


In der Geschichte des Weltfußballs hat sich immer wieder gezeigt, dass manchmal nur zwei, drei ungenügende Transferperioden ausreichen, um einen Klub um Jahre zurückzuwerfen. Vielleicht stehen wir gerade am Anfang eines solchen epochalen Umbruchs. Die Konkurrenz aus Dortmund jedenfalls hat in dieser Sparte momentan vorgelegt und innerhalb einer Woche mit Julian Brandt und Nico Schulz zwei aktuelle (und wichtige) Gesichter der deutschen Nationalelf verpflichtet. Man kann gespannt sein, wie die Münchener reagieren.