Als Cedric Teuchert im Winter 2018 vom ​1. FC Nürnberg zu ​Schalke 04 wechselte, sollte er einer der zukünftigen Stürmer beim S04 sein, die in den nächsten Jahren auf Torejagd gehen. Eineinhalb Jahre später muss man sich die Frage stellen, ob Teuchert auf Schalke überhaupt noch eine Zukunft hat: Kann man es schon als Missverständnis betiteln, oder braucht er nur etwas mehr Zeit?


Eineinhalb Jahre hat Cedric Teuchert nun für Schalke 04 gespielt. Im Winter 2018 kam er vom befreundeten Club aus Nürnberg, wie schon u. a. Guido Burgstaller und Alessandro Schöpf vor ihm. Man hatte damals die Hoffnung, ein junges Sturm-Talent verpflichtet zu haben, das nach und nach immer mehr helfen und sich beim S04 gut entwickeln kann. Eine gute Alternative zu Burgstaller und zum verletzungsanfälligen Breel Embolo sollte er sein.


Nach den eineinhalb Jahren liest sich seine bisherige Bilanz aber alles andere als hoffnungsvoll. Ein paar Zahlen: Seitdem Teuchert für Schalke spielt, hat er insgesamt, also saisonübergreifend, 318 Minuten Spielzeit in Pflichtspielen gesammelt. Das entspricht umgerechnet rund 3,5 ganzen Spielen. In der Rückrunde 17/18 insgesamt sechs Einwechslungen, in der gesamten Saison 18/19 neun Einsätze. Derart niedrige Zahlen, obwohl einen beachtlichen Zeitraum lang Not am Mann im S04-Sturm war.

Jeffrey Bruma,Cedric Teuchert

Teuchert im Duell mit Bruma, der in der vergangenen Saison beim S04 sein Teamkollege war



Das liegt zum einen daran, dass auch Teuchert selbst häufig ausfiel. So plagten ihn zum Beispiel von Mitte November bis Mitte Dezember Probleme im Hüftbeuger, wodurch er wieder zehn Spiele verpasste. Doch das sollte nicht täuschen: Auch wenn er nicht verletzt war, sondern fit und auch über längere Zeit im Training, spielte er keine Rolle. Da muss man sich nach so einem Zeitraum schon fragen, ob Teuchert auf Schalke noch ein wichtiger Teil der Zukunft sein kann, oder ob der Wechsel ein "Missverständnis" war.


Teuchert liefert in der Nationalelf - warum nicht beim S04?

Auch wenn es auf Schalke überhaupt nicht für ihn läuft, bei der U21-Nationalmannschaft gehört er zu den wichtigsten Spielern. Dort erzielte er in acht Einsätzen auch acht Tore, davon sieben Spiele in der wichtigen Qualifikationsrunde. Ist es also mal wieder das mittlerweile typische "Schalke-Problem", dass einige Spieler komischerweise nur dort ihr Potenzial nicht entfalten können? 


Auch wenn es das bereits häufiger gegeben hat, so ist es bei Teuchert meiner Meinung nach nicht der Fall. Sowohl in der U21-Elf, als auch vorher beim 1. FC Nürnberg, spielte Teuchert auf einem gänzlich anderen Niveau als mit dem S04 in der Bundesliga bzw. in dieser Saison auch in der Champions League. 


Gegner wie die U21-Teams von Aserbaidschan, Kosovo oder auch Israel sind nicht mit der oberen Hälfte der Bundesliga, wenn nicht sogar der ganzen Liga, zu vergleichen. Vor allem weil die deutsche Elf unter Coach Stefan Kuntz diesen Gegnern in der Regel so überlegen ist, dass mehrere Tore fallen und somit auch jeder einzelne Spieler, besonders ein Stürmer, mehr Tore erzielen kann.

Cedric Teuchert
Teuchert ist im Deutschland-Dress deutlich erfolgreicher als in Königsblau



Auf Schalke gibt's auch Konkurrenz - Wechsel, Leihe, oder weiterer Verbleib?


Auch unabhängig davon, wie Teuchert für die Nationalmannschaft spielt, das zählt nun mal für die Schalker Elf nicht. Mit Breel Embolo, Mark Uth, Guido Burgstaller und Ahmed Kutucu hat er beim S04 mehr als genug Konkurrenz, die ihm in den letzten eineinhalb Jahren den Rang abliefen. Der eine war schneller, der andere technisch versierter, manch einer torgefährlicher. Teuchert sticht (noch?) nicht heraus.

Aber: Er ist noch jung. Den direkten Sprung aus der zweiten Liga hin zum gestandenen Bundesligisten mit Avancen auf das internationale Geschäft schaffen nur die allerwenigsten Spieler direkt in den ersten Monaten. Er ist gerade erst 22 Jahre alt und hat noch sehr viel Zeit vor sich. Da sich Schalke zurzeit nach einem weiteren Stürmer umgucken soll, wie die Bild berichtet, wäre es eine Option, Teuchert für ein bis zwei Jahre zu verleihen.

Ein Bundesligaverein, der sich stabil in der zweiten Tabellenhälfte aufhält und dabei nichts mit dem Abstieg zu tun hat, könnte genau das sein, was er braucht, um die nötige Erfahrung zu sammeln, damit er sich auf dem Niveau Bundesliga nach und nach etablieren kann.

Er wird zeigen müssen, dass er auch in der Liga zu einer festen Größe werden kann. Die bisherigen Auftritte ließen, das muss man so ehrlich sagen, das noch nicht vermuten. Notwendige Ansätze entwickelt man mit Spielzeiten, welche er allerdings auch in der kommenden Saison nicht auf Schalke bekommen können wird.

Auch wenn mit David Wagner ein neuer Trainer im Amt ist, der sich von allen Spielern einen eigenen Eindruck verschaffen möchte, ist es nahezu ausgeschlossen, dass ein Uth, ein Embolo, usw. sich hinter Teuchert werden anstellen müssen. Die Spielerfahrung und -praxis wäre aber das, was er (nun) braucht. Doch ist es auch verständlich, dass er die aktuell nicht beim S04 bekommen wird. Eine Leihe, die seine persönliche Entwicklung "fördert" und gleichzeitig an regelmäßige Spiele in der Bundesliga gewöhnt, könnte für ihn genau das Richtige sein.