Die ​Paderborner Euphoriewelle ist seit gestern versandet. Grund dafür sind ​RB Leipzig sowie die Ostwestfalen selbst. Nicht nur, dass ​​der ehemalige Paderborner Geschäftsführer Markus Krösche von nun an für die Sachsen arbeiten wird​, auch kündigten beide Vereine für die Zukunft eine enge Kooperation an.


Den Fans des Bundesligaaufsteigers standen bis heute die Münder offen, nun haben sie als Reaktion ein Statement veröffentlicht. Darin drohen sie, ​im Falle einer Kooperation zwischen ​Paderborn und Rasenballsport zukünftig den Vereinssupport einzustellen und den Spielen fernzubleiben. Für den regional geprägten Verein eine Katastrophe, für den Fußballromantiker ein starkes Zeichen.


Doch was sind eigentlich aus Sicht des SC Paderborns die Gründe für eine gemeinschaftliche Arbeit? Beide Vereine konkretisierten den Begriff „umfangreiche Zusammenarbeit“ in ihrer Mitteilung nicht weiter, bis jetzt wurden auch keine näheren Details zu dem Deal öffentlich. Es ist allerdings davon auszugehen, dass zwischen Paderborn und Leipzig eine Kooperation in der Jugendarbeit und Ausbildung eingehen werden, gekoppelt mit einem Transferbündnis und finanziellen Zuschüssen.


Inhalt der Zusammenarbeit ist weiter unklar


Junge, talentierte Spieler von Leipzig könnten dadurch einfach und sicher in Paderborn geparkt werden, wo die Einsatzchancen bedeutend höher einzuschätzen sind. So vereinfacht sich Leipzig die eigene Planung, indem die eigenen Jugend mit Spielpraxis versorgt wird. Paderborn wiederum dürfte sich über junge, hungrige Spieler freuen. Auch zu einer monetären Unterstützung sagen die Verantwortlichen sicher nicht nein. Beides kann, oder eher beides soll den Verein weiter nach vorne bringen.


Aber ist das wirklich so? RB Leipzig zeigte in der Vergangenheit, wie gnadenlos der Verein beim Thema Transfers mit kooperierenden Vereinen umgeht. Stichwort RedBull Salzburg und der alljährliche Ausverkauf in Österreich. Paderborn wäre bei einer Zusammenarbeit in der Zukunft nicht mehr selbstständig in der Planung, etwa bei der Kaderplanung oder bei internen Entscheidungen. Bei eigenen, sportlichen Schwierigkeiten, die in der Zukunft sicher da sein werden, müsste man immer auch die Interessen des Geschäftspartners beachten. Zudem fährt Paderborn momentan auch ohne fremde Hilfe einen sehr guten Kurs, schließlich schaffte man es auch ohne einen „großen Bruder“ zurück in Liga Eins.


Der SC Paderborn bald als RB Salzburg 2.0?

Die Phrase „großer Bruder“ fällt hier übrigens mit Absicht. Läuft die Kooperation erstmal, ist es nicht undenkbar, dass Paderborn Jahr für Jahr mehr unter den berühmten RedBull-Flügel rutscht. Wieso auch nicht, in Zeiten des modernen Fußballs ist eine sichere Geldquelle doch gut, vielleicht träumen die Paderborner Funktionäre ja davon, zukünftig bei den Großen mitspielen zu können.


Aber jetzt mal ehrlich, gerade Paderborn zeichnete sich in der Vergangenheit nicht durch Hochmut aus. Die Ostwestfalen sind als bodenständig bekannt, auch wenn die vergangenen Jahre durch Auf- und Abstiege extrem turbulent waren. Es ist eine absolute Überraschung, warum der Verein wie aus dem Nichts mit solch einer Planung an die Öffentlichkeit geht. Das Unverständnis der Fans, sich übergangen zu fühlen, ist absolut gerechtfertigt.

SC Paderborn 07 v Hamburger SV - Second Bundesliga

Hier war die Paderborner Welt noch in Ordnung. Ist der Block bald leer?


Das Statement der Fans ist hart und riecht nach gewaltigem Ärger. Und der Verein muss diese Drohung des Boykotts ernst nehmen, möchte er nicht komplett sein Ansehen bei den eigenen Fans und gesamt Fußballdeutschland verlieren. Zugegeben, Leipzig ist in sportlicher Hinsicht eine wirkliche Verstärkung des deutschen Fußballs, doch Fan-technisch und traditionell gesehen ist der Verein eine Katastrophe. Daran wird sich zukünftig auch nichts ändern und Paderborn muss nun verdammt aufpassen, nicht mit in diesen Sog zu rutschen.


Ob die Stadt einen Verlust ihrer Fans auffangen kann, ist nicht gesichert. Den Schritt, den Paderborn gehen möchte, könnte den Verein auf Dauer extrem schaden. Das nächste Vereinsstatement, in dem die eventuelle Kooperation näher beschrieben wird (oder das ganze sogar auf Eis gelegt wird), werden sowohl die Paderborner Fans wie auch der Rest vom Fußballdeutschland gespannt erwarten. Der Druck auf den Verein ist nach dem angekündigten Boykott der Fans definitiv erhöht und genau deshalb, liebe Paderborner Fans, habt ihr genau das Richtige getan!