​Auf ​Julen Lopetegui (52) passt das geflügelte Wort von "Dumm gelaufen!" wohl wie auf kaum einen anderen Protagonisten des Planeten Fußball in den vergangenen Jahren. Jetzt hat der gebürtige Baske vorerst eine neue sportliche Heimat gefunden - am anderen Ende des Landes.


Wir erinnern uns: mit Julen Lopetegui sollte Spanien im vergangenen Jahr eigentlich wieder an die Erfolge der furia roja, der spanischen Nationalelf, anknüpfen. Doch die Vorbereitung auf das Turnier von Russland wurde torpediert - ausgerechnet vom spanischen Vorzeigeklub ​Real Madrid

Die dort Verantwortlichen hatten nämlich nichts besseres zu tun, als zwei Tage (!) vor dem ersten Gruppenspiel der Spanier (gegen Portugal) hinauszuposaunen, Lopetegui nach dem WM-Turnier als Cheftrainer zu verpflichten. Eine Ausstiegsklausel ermöglichte dies. Beim spanischen Verband hatte man jedoch langfristige Pläne mit dem ehemaligen Torwart des FC Barcelona. Die Reaktion der RFEF (spanischer Fußballverband) war dann im Grunde noch verheerender als ihr Anlass: aus gekränkter Eitelkeit heraus entband ihn Verbandsboss Rubiales seiner Aufgaben per sofort - und Spanien stand plötzlich ohne Nationaltrainer da. Das hätte der HSV wohl auch nicht besser hingekriegt. Der Rest ist bekannt: Spanien kam - unter Fernando Hierro - nie so richtig im Turnier an und flog schon im Achtellfinale gegen den Gastgeber Russland aus dem Turnier. 


Und auch Lopeteguis Weg bei Real Madrid war dann viel kürzer als erwartet. Natürlich spielte ihm der Zeitpunkt an sich auch nicht unbedingt in die Karten - Real hatte zuvor viermal in fünf Jahren die Champions League gewonnen (die letzten drei Editionen gingen allesamt nach Madrid). Es stand eine gewisse Übersättigung und Bequemlichkeit der Spieler zu befürchten. Die in Cristiano Ronaldo auch noch ihren wertvollsten Mitspieler an die Alte Dame aus Turin verloren. 


Am Ende musste Lopetegui, nach nur vier Monaten, seine Koffer packen. Welch Herkulesaufgabe sein Engagement bei den Königlichen war, zeigt schon die Tatsache, dass selbst ein Magier wie sein Nach-Nachfolger (und gleichzeitig Vorgänger) Zinédine Zidane nicht mehr in der Lage war, das leckgeschlagenen Real-Schiff wieder flott zu machen (Zizou kam nach Santiago Solari, der, als Nachfolger Lopeteguis, für ebenfalls nur gut vier Monate das Zepter in der Casa Blanca schwang). 


Nun ist Lopetegui jedoch wieder im Geschäft: der ​FC Sevilla verkündete in Person seines Präsidenten José Castro und des Sportdirektors Monchi die Verpflichtung des Ex-Nationaltrainers für die kommenden drei Jahre. 


Für Lopetegui waren es mehrere Gründe, die für seine Entscheidung sprachen. Hauptsächlich aber die, dass es sich um "einen großen, ehrgeizigen Klub" handelt "der gezeigt hat, weiterhin wachsen zu wollen." Dazu wolle er seinen Beitrag leisten. "Die Ambition, die Geschichte des Klubs, die Leute, die in ihm arbeiten, waren ausschlaggebend dafür, dass ich nicht den geringsten Zweifel daran habe, hier zu sein", sagte Lopetegui nach seiner Präsentation gegenüber Marca