​Ganz offensichtlich gibt es momentan ein erhebliches Kommunikationsproblem im deutschen Fußball. Vereine, die entweder mir nichts, dir nichts den Stadionnamen ändern (SV Werder Bremen), ohne ihre Mitglieder darüber im Vorfeld zu informieren - oder heikle Kooperationen mit nicht unbedingt geliebten Konkurrenzklubs eingehen, wie jetzt in Paderborn geschehen.


Gestern verkündete der ​SC Paderborn, eine weitreichende Kooperation mit dem Erstligakonkurrenten ​RB Leipzig eingehen zu wollen. Das Dumme dabei - RB Leipzig ist in der deutschen Fan-Szene nicht unbedingt ein beliebter Verein. Und die Mitglieder und Fans der Ostwestfalen wurden darüber auch nicht im geringsten informiert. 


Kein Wunder, dass sich unmittelbar nach Veröffentlichung der Pläne reger Widerstand formierte. Ein Zusammenschluss mehrerer Fan-Gruppierungen des SC Paderborn hat bereits drastische Maßnahmen angekündigt: "Sollte die Zusammenarbeit mit RB Leipzig umgesetzt werden, wird die aktive Fan-Szene den Spielen des SC Paderborn 07 bis auf Weiteres fernbleiben." 


Kawumm! Der SC Paderborn, ohnehin nicht mit dem größten Stadion der Liga (15.000) ausgestattet, vor leeren Rängen? Durchaus denkbar, denn die Fan-Wut ist groß. In Ostwestfalen fürchtet man um die eigene Identität, hat man Angst, zu einem Farm-Team der Sachsen zu verkommen. Deshalb ließ auch besagter Zusammenschluss der Fans nicht einen Hauch des Zweifels an der Ernsthaftigkeit ihrer Drohungen: "Unsere Vereinsliebe und die jahrzehntelange Unterstützung stirbt mit dem Tag einer RB Leipzig-Kooperation." 


Klarer geht es nicht. In diesem Zusammenhang erscheint auch der Wechsel von Sport-Geschäftsführer Markus Krösche (38) von Paderborn nach Leipzig in einem neuen Licht. Der SC Paderborn, eben noch in euphorischer Feierstimmung ob des gelungenen Aufstiegs in die Bundesliga, hat also schon vor dem Trainingsauftakt eine handfeste institutionelle Krise zu bewältigen. Kein optimaler Start in das Abenteuer Erste Liga.