Der Hass im Internet und den sozialen Netzwerken ist ein immer wieder auftretendes Problem. Hasstiraden, Drohungen und mehr werden in der scheinbar anonymen Welt des World Wide Webs Spielern, Funktionären und Vereinen entgegen geschleudert. Die Fußballklubs versuchen, dem entgegenzusteuern, doch wie weit der Hass gehen kann, zeigt ein trauriges Beispiel.


Doch erst einmal zum Problem "Hass im Internet" oder wie es Neu-Deutsch oft heißt "Shitstorm". Leider Gottes scheint es in der heutigen Welt normal zu sein, seine Wut im Netz keine Grenzen zu geben. Spieler mit schlechten Leistungen, unbeliebte Funktionäre und verspottete Vereine werden in den Sozialen Medien offen beschimpft und beleidigt. Dieser frei gezeigte Hass ist mancherorts schon Teil des Internets geworden.


Von Rausch über Horn und Kießling zu Volland


Beispiele gibt es genüge. Etwa beim ​1.FC Köln. Beim Effzeh wechselte Anfang 2018 Verteidiger Konstantin Rausch nach Russland. In einem Interview berichtete der russische Nationalspieler nach dem Wechsel von den Hasstiraden aus dem Netz gegen seine Person und zeigte sich entsetzt und enttäuscht von der Community. 


Noch aktueller: FC-Keeper Timo Horn löschte zuletzt alle seine öffentlichen Konten in den sozialen Netzwerken, weil er sich offen mit Beschimpfungen konfrontiert sah. Auch Ex-Stürmer Stefan Kießling vom ungeliebten Rheinnachbarn ​Bayer 04 Leverkusen vollzog den gleichen Schritt, nachdem er in den Eklat um das Phantomtor im Herbst 2013 gegen Hoffenheim verwickelt war. Kießlings Leistungen nach diesem "Tor" sanken danach stetig. Neben zahlreichen Verletzungen wird auch der mediale Druck auf seine Person nach dem Eklat als Ursache für den Leistungsabfall vermutet.


Bayer-Stürmer Kevin Volland sah sich in dieser Saison dem selben Problem ausgesetzt. Der 26-Jährige war in der vergangenen Saison Zielscheibe für viel Kritik der Bayer-04-Fans. Trotz mehr als guter Leistungen - Volland erzielte 14 Tore und bereitete zwölf weitere vor - wurde der Spieler nach Veröffentlichung der Aufstellungen vor Spielbeginn oder auch nach schlechten Leistungen des Teams immer wieder als Sündenbock an den Pranger gestellt. Den Ruf als Chancentod bekam der zehnmalige Nationalspieler in dieser Saison nicht los.


Laut der Bild versucht der FC Köln bereits, dem Online-Hass vorzubeugen. Dazu werden den Spielern in Schulungen nahegelegt, welche "Regeln" beim Posten beachtet werden sollen. Konfrontationen sollen so weit es geht vermieden werden, wo niemandem auf dem Schlips getreten wird, kann auch kein Hass entstehen. Eine gute Möglichkeit, um darzustellen, wie viel Furcht die Vereine vor der wütenden Meute aus dem Netz haben.


Auch Bayer 04 Leverkusen reagierte kürzlich auf die medialen Anfeindungen gegen ihren Stürmer, auf eine ganz neue Art und Weise. Auf ihren Social-Media-Accounts veröffentlichten die Rheinländer ein Video, in dem eine Vielzahl an Hasstiraden und Kritiken gegen Volland gesammelt wurden. So viele, dass das Video quasi zum Absturz gebracht wurde: Ein Cut, denn jetzt kommt die Antwort der Werkself! Mit einer Collage der erfolgreichen Spielszenen rund um ihre Nummer 31 antwortet Bayer 04 auf die Kritik im Netz. Vor epischer Musik wird ihr Stürmer in Szene gesetzt. "Take that, haters", lautet die Videounterschrift. Mit guten Leistungen die Kritiker zum Verstummen bringen, das ist hier das Credo von Verein und Spieler.


Doch auch wenn etwa der FC Köln versucht, vorzubeugen und Bayer 04 frech auf die "Hater" antwortet, wird das Problem des salonfähigen Hasses nicht so schnell verschwinden, wenn er denn je verschwindet. Zwar ist es möglich, Kommentare und Nutzer zu löschen beziehungsweise zu sperren, doch zu dem äußersten Mitteln greifen die Seitenbetreiber nur selten. 


Die ganze Dramatik um den offenen Hass zeigt das Dilemma des sozialen Netzes. Den Spielern geht die Privatsphäre verloren, sie machen sich durch die permanente Darbietung angreifbar. Nicht zuletzt macht es allerdings sprachlos, wie sehr der Umgangston bei den sogenannten "Fans" gesunken ist. Dass es Abneigungen gegen Spieler oder Mannschaften gibt, ist klar. Aber offenen Hass, Drohungen oder mehr sind der geilen Sportart Fußball einfach nicht würdig, weder im Netz noch im Stadion.


Wie weit das gehen kann, zeigt das Schicksal Robert Enke!


Wie weit eine öffentliche Hetzjagd gehen kann, hat nicht zuletzt der Freitod des Keepers Robert Enke gezeigt. Symptomatisch, wenn zur alljährigen Trauerfeier für den Ex-Nationalspieler die sozialen Medien wieder hart in der Kritk stehen, pünktlich zum nächsten Spiel aber wieder die Hasstiraden von den Häusern trällern wie die Vögel zur Morgendämmerung. Und Teil des enormen Drucks und Hasses sind hierbei nicht mehr nur die Fans, sondern auch eine Vielzahl an Medien.


Also, ihr Möchtegernfans, ihr Internet-Rambos und Klatschpresse, anstatt eure Wut, euren Hass und euren fehlenden Charakter online niederzuschreiben, solltet ihr euch wirklich mal hinterfragen, ob ihr erst einen zweiten Fall "Robert Enke" braucht, bis euch euer Tun selber klar wird. Am Ende möchte es ja niemand mehr gewesen sein, oder?