Ralf Rangnick verlässt ​RB Leipzig. Dem Konzern Red Bull aber bleibt er erhalten. In Zukunft ist er als Angestellter und Fußball-Chef des Brausekonzerns aus Fuschl am See für Brasilien und die USA zuständig. Für die Konkurrenz ist das ein gutes Zeichen. Und für die Sachsen ein Risiko.


Man muss Ralf Rangnick und auch RB Leipzig nicht mögen, um anzuerkennen, dass das, was insbesondere Rangnick für den Verein getan hat, immens ist und Anerkennung verdient. Er übernahm die Leitung des Vereins 2012. Damals spielte der Klub noch in der Regionalliga Nordost gegen Germania Halberstadt, Optik Rathenow und den ZFC Meuselwitz. Heute ist der Verein bereits zum zweiten Mal in der Königsklasse vertreten, der erste große Titel mit dem DFB-Pokal wurde im Finale knapp verpasst.


Rangnick ist der Vater und Architekt dessen, was RB Leipzig heute ist. Natürlich, ohne die vielen Millionen wäre der Weg sicher schwieriger geworden. Nur muss man diese Millionen eben auch erst mal sinnvoll einsetzen. Man frage mal auf Schalke oder in Stuttgart nach, wie man Geld auch sinnfreier in den Äther blasen kann. Rangnick aber hat die Kohle nicht nur sinnvoll anlegen können, er hat dem Klub auch eine Identität verpasst. Und er hat seinen Staffelstab nun weitergereicht.

Julian Nagelsmann übernimmt in der kommenden Saison als Trainer, ​Markus Krösche wird der neue Sportdirektor bei den Sachsen. Während Nagelsmann von der TSG Hoffenheim kommt und immerhin schon etwas internationale Erfahrung vorweisen kann, ist Krösche vom SC Paderborn auf diesem Niveau aber ein Novize. Ein Duo Nagelsmann/Rangnick – ganz gleich ob es funktioniert hätte – wäre allein von der Expertise her sehr zu fürchten gewesen. Dort der junge und ambitionierte Trainer, der als überaus talentiert gilt, dahinter der Vater des Erfolges, der inzwischen alles gesehen hat und entsprechend Expertise auf allen Feldern mitbringt. Leipzig wäre ein ernsthafter Meisterkandidat gewesen.


So aber muss sich Nagelsmann alleine beweisen. Insofern ergibt die Entscheidung absolut Sinn. Es wäre schwer vorstellbar gewesen, wie Nagelsmann an die Hand genommen worden wäre von Rangnick, der ihm dann väterliche Ratschläge gibt. Und doch wird RB etwas fehlen. Denn auch für Nagelsmann ist es noch mal ein Schritt in andere Gefilde, von Krösche ganz zu schweigen. Dass auch der ehemalige Paderborner die Chance wahrnimmt, ist so logisch wie nachvollziehbar. Und doch muss er sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger erst beweisen. Ob das gut geht, wird die Zeit zeigen. Ein Risiko aber ist es trotzdem für die Sachsen.

Und eine Chance für die Konkurrenz, sich nicht weiter von den Bullen überrollen zu lassen. Denn diese haben in ihrer kurzen Zeit in der Bundesliga allen Unkenrufen zum Trotz dem Großteil der Konkurrenz eine lange Nase gezeigt. Dass Geld dabei eine Rolle spielte, geschenkt. Denn auch andere Vereine generieren genug Gelder oder haben große Sponsoren im Rücken. Vielmehr sollte der eine oder andere Sportdirektor und Manager vor Scham im Boden versinken, so viel Geld teilweise versenkt zu haben. Mit Ralf Rangnick ist nun ein großer Konkurrent ganz weit weg. Eine Chance für den Rest, zu beweisen, dass er es besser kann.