​Lange Zeit kamen aus Bremen immer etwas höhnische Kommentare über die fortschreitende Kommerzialisierung beim Nordrivalen ​Hamburger SV. Eckenverhältnis: gesponsert. Stadion-Namen: ebenfalls verkauft. Auch dass die Arena in Hamburg jetzt erstmal wieder "Volksparkstadion" heißt, wurde mit Verweisen auf die finanzielle Hilfe von Investor Klaus-Michael Kühne nur müde belächelt. Doch jetzt hat auch ​Werder Bremen mit einer jahrzehntelangen Tradition gebrochen - und lädt in der kommenden Saison in das "Wohninvest Weser-Stadion" ein. 


Irgendwann erwischt es halt jeden. Zumal wenn er finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, wie der SV Werder Bremen. Nach 72 Jahren (!) heißt das Stadion der Grün-Weißen nun erstmals nicht mehr nur "Weserstadion". 


Dieser Titel bleibt zwar als Bestandteil des neuen Namens bestehen, was wohl durchaus auch als Konzession an die Traditionalisten zu verstehen ist, die es im Fußball ja häufiger gibt - doch auch so können sich viele Werder-Fans nicht so richtig mit der Umbenennung anfreunden. Vor allem wurde dem Klub "intransparentes und unehrliches Handeln" (Mopo) vorgeworfen. Eine schallende Ohrfeige ins Gesicht der Verantwortlichen. 

Dem Vereinsmagazin Deichstube zufolge, lässt die Wohninvest Holding GmbH (die ihren Sitz nicht etwa in Bremen oder Umgebung hat, sondern im fernen Baden-Württemberg) sich die Namensrechte drei Millionen pro Jahr kosten. Damit reiht sich Werder Bremen im bundesligainternen Ranking an sechster Stelle ein (hinter ​Bayern, Schalke 04, ​BVB, Hoffenheim und Düsseldorf). Zum Vergleich: der HSV kassiert von Klaus-Michael Kühne etwa zwei Millionen dafür, dass das Stadion den Traditionsnamen "Volksparkstadion" tragen kann. 


Der Chronistenpflicht zuliebe muss aber auch gesagt werden, dass es in Hamburg schon eher sperrige Versionen für das weite Rund gab. AOL-Arena, HSH-Nordbank-Arena und Imtech-Arena waren die bisherigen und alles andere als blumig klingenden Namen des zwischen 1998 und 2000 komplett renovierten Stadions in Stellingen.