​Seit fast einem halben Jahr ist ​Marcell Jansen (34) Präsident des ​Hamburger SV e.V. Viel zu hören gab es seitdem nicht von ihm, was nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen sein muss. Der HSV ist von seinem Innenleben ein eher schwieriger Klub - die Konstellation um Investor Klaus-Michael Kühne macht die Gemengelage auch nicht leichter. Jetzt hat Jansen zu den jüngsten Entwicklungen rund um die sportliche Führung des Klubs Stellung bezogen - und eine ungewöhnliche Ansage gemacht. 


Seit letzter Woche hat der Hamburger SV - man ist geneigt zu sagen: "Mal wieder!" - eine neue sportliche Führung. Erst übernahm Jonas Boldt (37) die Nachfolge von Sportchef Ralf Becker, wenige Tage später wurde dann mit Dieter Hecking (54) auch ein neuer Trainer präsentiert. Das Experiment des letzten Sommers, sowohl auf der Managerposition als auch auf der Trainerbank mit relativ unbeschriebenen Blättern in das Projekt Neuanfang zu starten, ist schon nach einem Jahr wieder ad acta gelegt. Der neue Weg des Traditionsklubs führt über Erfahrung und bereits nachgewiesene Expertise. 


Nicht wenige in Fußballdeutschland rieben sich schon ein wenig verwundert die Augen, als mit Boldt und Hecking zwei Namen vorgestellt wurden, die man eher nicht in der Zweiten Liga verorten würde. 


Entsprechend fielen auch Jansens Einschätzungen bezüglich dieser Personalien gegenüber dem Hamburger Abendblatt aus: "Es ist ein gutes Zeichen, dass Leute wie Boldt und Hecking kommen." Damit nicht genug, blickte Jansen dann auch gleich in die weitere Zukunft und kündigte für die kommenden Wochen eine Art Transferoffensive an. "Wir müssen jetzt in einem anderen Regal nach Spielern suchen." Damit kann nur ein Regal höher als bislang gemeint sein. Die bisherigen Neuzugänge für die Profi-Mannschaft (Jeremy Dudziak, Jan Gyamerah, David Kinsombi, Lukas Hinterseer und Daniel Heuer Fernandes) kommen allesamt von Zweitligavereinen. 

Die Marschroute scheint klar: mehr Mut auf dem Markt walten zu lassen als noch in der vergangenen Saison, als z.B. ein Khaled Narey mit 1,7 Millionen Ablöse der kostenintensivste Neuzugang der Rothosen war. 


Wie genau die neue Strategie gegenfinanziert werden soll, ist auch im Hinblick auf den zur Zeit auf Eis gelegten Transfer von Douglas Santos unklar. Mit einem Verkaufserlös von um die 20 - 25 Millionen Euro träumten die HSV-Macher bis vor wenigen Wochen. Mittlerweile ist die Summe schon auf 15 Millionen eingeschmolzen - doch auch die sind momentan nirgends in Sicht. Denn Bayer 04 Leverkusen, das als wahrscheinlichster Abnehmer für den Olympiasieger galt, hat seit vergangener Woche Abstand von Douglas Santos´ Verpflichtung genommen. 

Angesichts dieses Panoramas wird wohl Klaus-Michael Kühne erneut ins Boot geholt werden müssen. 


Der scheint zu Marcell Jansen ein gutes Verhältnis zu haben, forderte von dem jüngsten Präsidenten der Klub-Geschichte unlängst, endlich für mehr Kompetenz in der sportlichen Führung zu sorgen. Seit vergangener Woche dürfte dies als erfüllt anzusehen sein. Jansens Vorstoß und der Verweis auf "höhere Regale" bei den bevorstehenden Transfers könnte man dahingehend interpretieren, dass Kühne erneut als Anschubfinanzierer bereit steht. Die nächsten Wochen werden zeigen, in wieweit der HSV seine vor einem Jahr selbstauferlegte Zurückhaltung auf dem Markt aufgeben wird.