​Die Trainer-Karriere von Jürgen Klopp hielt schon sehr viel bereit. Nach einer erfolgreichen Zeit bei ​Borussia Dortmund zog es ihn auf die Insel zum ​FC Liverpool, wo Klopp mit klaren Zielen eine neue Ära prägen wollte. Doch es war ein weiter Weg, bis zum Triumph in der ​Champions League am gestrigen Abend musste der 51-Jährige nämlich auch viele Enttäuschungen verarbeiten. Nun zahlt sich seine Arbeit aber endlich aus, Jürgen Klopp ist so richtig angekommen.


Der LFC ist erst die dritte Trainerstation für Jürgen Klopp in seiner nun schon 18-jährigen Laufbahn als Übungsleiter. Angefangen hat alles beim 1. FSV Mainz, wo er direkt nach seiner aktiven Karriere das Amt des Trainers übernahm. Mit den Mainzern konnte er als absolute Überraschungs-Mannschaft in die ​erste Bundesliga aufsteigen, Klopp bezeichnete dies nachher als vielleicht größten Erfolg seiner Karriere.

Juergen Klopp

Mit Mainz schaffte Klopp den Aufstieg in Liga 1


Weiter ging es für ihn 2008 in Dortmund, eine erfolgreiche Zusammenarbeit nahm seinen Lauf. Er machte Dortmund wieder zu einer Spitzen-Mannschaft im deutschen Fußball, nach 2010 konnte er dann zwei Meisterschaften in Folge feiern. Die Krönung erreichte er eine Saison später mit dem Double-Gewinn. Doch in der tollen Zeit bei der Borussia gab es auch erste Rückschlage.


Allen voran bleibt natürlich die Niederlage im Champions-League-Finale 2013 unvergessen, für Klopp war es eine herbe Enttäuschung. Nur ganz knapp scheiterte man damals am ​FC Bayern München, danach gewannen die Dortmunder unter Klopp keinen Titel mehr. Der gebürtige Stuttgarter durchlebte stets eine Achterbahnfahrt, 2015 räumte er nach einer enttäuschenden Saison seinen Posten beim BVB.


Klopp gab Liverpool eine Identität


Danach folgte der Schritt auf die Insel, beim FC Liverpool wurde Klopp als Hoffnungsträger ​mit einem großen Ziel geholt. Der FC Liverpool sollte wieder zu den englischen Spitzen-Teams gehören, Titel sollten wieder geholt werden. Doch Klopp fand eine schwierige Situation vor, die Mannschaft und der Kader waren auf hohem Niveau nicht konkurrenzfähig, das Team und die Fans waren zu weit voneinander entfernt.


Also machte Jürgen Klopp das, was er schon immer gut konnte. Er verfolgte einen Plan, seinen Plan. Dieser war nicht darauf ausgelegt, innerhalb von einer Saison wieder um Titel spielen zu können, sondern auf lange Sicht eine erfolgreiche Basis aufzubauen. Es dauerte also mehrere Spielzeiten, bis sich seine Arbeit so richtig bezahlt machte. Niemand erahnte aber, in welchem Ausmaß Klopp den Traditions-Klub veränderte.

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Klopp hauchte dem LFC wieder Leben ein


Der neue Trainer erhielt von den Fans viel Vertrauen, wurde durch seine emotionale und auch etwas verrückte Art und Weise treffend "The Normal One" getauft, zu der Mannschaft hatte er einen engen Kontakt. Klopp musste dem LFC also erst einmal wieder eine Identität geben, auch wenn die großen sportlichen Erfolge noch auf sich warten ließen. Allerdings erreichte er etwas, was in England unglaublich wichtig ist. Über die Reds wurde wieder geredet; jeder wusste, dass mit den Liverpoolern zu rechnen ist.


Und so war es auch, in der Saison 2017/2018 zeigte der LFC unter Klopp erstmals seine neugefundene Klasse. Vor allem in der Champions League waren die Reds unaufhaltsam, bis ins Finale drangen die Liverpooler vor. Doch erneut erwischte Klopp einen schwarzen Abend, am Ende musste er sich nämlich ​Real Madrid geschlagen geben. Nicht zum ersten Mal kamen danach Zweifel am Trainer auf.


Verlorene Finals motivieren Klopp umso mehr


Es war nämlich schon das sechste Endspiel ​in Folge, dass Klopp als Trainer verlor. Ganz bitter waren natürlich die Königsklasse, doch auch in der Europa League musste er sich mit Liverpool bereits geschlagen geben. Doch der 51-Jährige ließ sich nie aus der Bahn werfen und richtete seinen Blick immer nach vorne. In Erinnerung blieb vielen Fans natürlich seine Aussage, die er in dieser Spielzeit tätigte: "Wenn ich in vier Jahren immer noch hier sitze, dann haben wir einen Titel gewonnen. Da bin ich mir ziemlich sicher."


Damit drückte Klopp natürlich nur seinen unglaublichen Siegeswillen aus, setzte sich aber gleichzeitig auch ein kleines Ultimatum. Unter Druck funktioniert "The Normal One" nämlich sowieso am besten. Und so kam es in dieser Saison auch, als Liverpool eine der stärksten Spielzeiten der Vereinsgeschichte spielte. In der ​Premier League kam er endlich an, lieferte sich mit ​Manchester City das gesamte Jahr lang ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Jurgen Klopp

Nach dem letzten Spieltag stand man wieder ohne Titel da


Mit einer starken Mannschaft, unglaublich viel Emotionen und einer Mentalität, welche nur ganz wenige Vereine an den Tag legen, kämpfte Liverpool bis zum letzten Spieltag um die Meisterschaft. Trotzdem musste man sich mit unglaublichen 97 Punkten und nur einer Saisonniederlage geschlagen geben. Es stellte sich die Frage, ob die Reds überhaupt zu Titel-Gewinnen fähig sind.


Diese Frage sollte sich am 1. Juni endgültig beantworten. Für den FC Liverpool wurde diese Partie zu einem der wichtigsten Spiele des letzten Jahrzehnts, für Klopp war es die absolute Reife-Prüfung. Nun konnte er und sein Team beweisen, dass man aus der Vergangenheit gelernt hat und endlich bereit ist. Was sich danach auf dem Rasen des ​Wanda Metropolitano abspielte, ist hinlänglich bekannt.  


Klopp krönte sich also zum Champions-League-Sieger. Im dritten Anlauf hielt er endlich den Henkelpott in der Hand und es gibt wohl nur wenige, die ihm diesen Erfolg nicht gönnen würden. Der 51-Jährige besiegte seinen Final-Fluch und krönte mit den Reds eine unfassbar gute Saison. Doch wie man Klopp kennt, wird er sich kaum auf dem Erfolg ausruhen, man sollte sich eher ganz warm anziehen.

Jurgen Klopp

Der Trainer des FC Liverpool kann sich zurecht feiern lassen


Denn "The Normal One" ist bei Liverpool noch lange nicht fertig, seine Grundsteine wurden zu einem festen Mauerwerk, dass noch für Jahre standhalten wird. Jetzt hat er die Gewissheit, dass er bereit für Titel ist, dass er in den letzten Wochen und Monaten alles richtig gemacht hat. Auch wenn nicht immer alles perfekt läuft, mit Jürgen Klopp ist man schon ganz nah dran. Der etwas andere Trainer hat es geschafft, womöglich befindet er sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Damit bleibt also nur noch zu sagen: Glückwunsch, Jürgen.