​Mit über hundert Bundesligaspielen auf dem Buckel und einer Saison als Stammspieler von ​Hertha BSC im Rückspiegel, ist ​Davie Selke längst vom aussichtsreichen Talent hin zum gestandenen Profi gereift. Weil sich der Angreifer bislang seinen großen Traum von seinem ersten Länderspiel für die deutsche A-Nationalmannschaft aber ​noch nicht erfüllen konnte, macht sich der tschechische Verband weiter Hoffnungen. 


Der mittlerweile 24-Jährige wurde zwar im schwäbischen Schorndorf geboren, da seine Mutter aber aus Tschechien kommt, wäre der Angreifer auch für die Länderauswahl des deutschen Nachbarlandes spielberechtigt. Als schnell klar wurde, dass Selke das Potenzial hatte ein Fußballprofi zu werden, musste er sich bereits in frühen Jahren für eines der beiden Länder entscheiden. Die Wahl des jungen Offensivspielers fiel damals ohne langes Zögern auf den DFB. 

FBL-GER-BUNDESLIGA-LEIPZIG-BERLIN

In der abgelaufenen Saison war der Hertha-Angreifer an 13 Toren direkt beteiigt


Nachdem er alle Jugendauswahlen Deutschlands erfolgreich durchlaufen hatte, stand er im Sommer 2016 auch im Kader der Olympia-Auswahl, die schließlich in Rio die Silbermedaille gewann. Doch obwohl von seitens des DFB häufig ein Mangel von echten Stürmern beklagt wird und Selke ​eigentlich in dieses Anforderungsprofil passt, wartet der Hertha-Angreifer seitdem auf eine Nominierung für die A-Nationalmannschaft.


Wer die Statuten der FIFA kennt, weiß also, dass der Rechtsfuß trotz insgesamt 15 Spielen für die U21 Deutschlands, noch immer bei einer anderen Nation anheuern könnte. Der tschechische Team-Manager Libor Sionko machte gegenüber der BILD keinen Hehl daraus, dass man daher noch immer auf einen Wechsel des Offensivspielers ins eigene Lager hofft. Laut dem 52-Jährigen kam es dabei sogar bereits zu einem Treffen zwischen Selke und dem tschechischen Cheftrainer Jaroslav Šilhavý.

Joachim Loew

Welche Rolle spielt Davie Selke in den Überlegungen von Bundestrainer Jogi Löw?


Mit Bedauern stellte Sionko jedoch im gleichen Atemzug klar, dass es vorerst zu keiner Zusammenarbeit kommen wird: "Dabei kam raus, dass er uns im aktuellen Qualifikationszyklus nicht helfen wird. Er möchte in einer anderen Auswahl um eine Chance kämpfen." Allem Anschein nach rechnet sich Selke, der bereits im Februar ein ​Angebot der Tschechen auf eine Teilnahme an einem Testspiel dankend abgelehnt hatte, also weiterhin Chancen aus, auch bei der A-Nationalmannschaft seines Heimatlandes den Durchbruch zu packen.


Verzichtet Löw jedoch bis zum Ende der EM-Qualifikation im November weiterhin konsequent auf den Hertha-Stürmer, dürfte sich die Sachlage womöglich verändern. Komplett auf Einsätze bei einem großen internationalen Turnier zu verzichten, kommt für den ehrgeizigen Schwaben schließlich wohl kaum in Frage.