​Seit Montag hat ​Jonas Boldt (37) seine Geschäfte beim ​Hamburger SV aufgenommen. Auf ihn wartet (wie schon auf all seine Vorgänger in den vergangenen Jahren) eine wahre Herkulesaufgabe: mit geringem Etat einen möglichst schlagkräftigen Kader zusammenstellen. Das Ziel des Traditionsklubs wird auch in der kommenden Saison der Aufstieg in die Bundesliga sein. 


Beim großen Personalpuzzle kann man den aktuellen Kader, ganz grob, in zwei Gruppen einteilen: a) Wer soll noch weg? und b) Wer soll bleiben? 


Von den Streichkandidaten ragt natürlich ein Name heraus: Douglas Santos (25). Der wohl einzige Spieler im aktuellen Kader des HSV mit internationaler Reife soll zu Geld gemacht werden, um die nötige Liquidität für eigene Transfers zu erhalten. Der vermeintliche Abnehmer Bayer 04 Leverkusen steht derzeit in Verhandlungen mit dem HSV - Ausgang: offen. ​Es hakt offenbar an dem eigentlich als sicher geltenden Wendell-Verkauf. Bevor Bayers Linksverteidiger nicht verkauft ist, wird Bayer wohl erstmal keinen Ersatz verpflichten. 

Douglas Santos

Soll um die 15 Millionen Euro einbringen: Linksverteidiger Douglas Santos



Auch Julian Pollersbeck (24), bis vor kurzem noch überhaupt nicht als möglicher Abgang gehandelt, soll zu Geld gemacht werden. Klubintern wird ihm mangelnde Professionalität vorgehalten. Bei einem entsprechenden Verkaufserlös (um die acht Millionen Euro) kann er weg. Problem hier: Es finden sich momentan keine Abnehmer. Einzig der FC Augsburg und die Eintracht Frankfurt kommen zur Zeit als mögliche Ziele des Keepers in Betracht. Ein weiterer Haken: Der Schlussmann selbst will wohl gar nicht aus Hamburg weg. Auch hier ist noch alles möglich. Für ihn stünde als Ersatz Darmstadt-Keeper Daniel Heuer Fernandes (28) in der Pipeline.

Julian Pollersbeck

Für Julian Pollersbeck erhofft sich der HSV eine Ablöse in Höhe von acht Millionen



Des weiteren wird aus dem defensiven Bereich mit aller Wahrscheinlichkeit Gotoku Sakai (28) den Klub verlassen. Die verheerende und unschöne Aktion der HSV-Fans, die ihn am letzten Spieltag (und als einzigen Spieler) permanent ausgepfiffen haben, hat tiefe Risse hinterlassen. 

Kyriakos Papadopoulos (27) kann - entsprechendes Angebot vorausgesetzt - wohl ebenfalls gehen. Der HSV zahlt dem Griechen immer noch ein stattliches Gehalt, ohne eine entsprechende Gegenleistung zu bekommen. Zwar mit tadelloser Einstellung versehen (Stichwort: Mentalitätsmonster), aber auch extrem verletzungsanfällig. 


Auch Gideon Jung (24) hat sich in dieser Saison wahrlich nicht für einen Stammplatz beworben. Seine Rückrunde kann man mit einem Wort beschreiben: katastrophal. Für mich eine der größten Enttäuschungen in der an Enttäuschungen nicht armen Spielzeit des HSV. Sollte auf jeden Fall verkauft werden. Vertrag läuft noch bis 2022. Das Problem: Schrecklich viele Interessenten dürfte es momentan nicht für ihn geben. 


Im Mittelfeld der Hanseaten gibt es mit Matti Steinmann (24), Christoph Moritz (29) und Tatsuya Ito (22) drei weitere Kandidaten für Abgänge. Steinmann und Moritz zählten schon in der vergangenen Saison nicht zu den Spielern, auf die man beim HSV zukünftig baut, und wurden entsprechend verliehen. 


Im Sturm dann schließlich ​das ewige Problemkind Bobby Wood (26). Auch für ihn gibt es aktuell keine Interessenten. Sein Vertrag läuft noch bis 2021. Angesichts der Tatsache, dass sich kein Abnehmer für den hochentlohnten Angreifer findet, will man ihn beim HSV irgendwie rausekeln, droht sogar damit, ihn notfalls zwei Jahre in der Zweiten Mannschaft auflaufen zu lassen. Ob ein angedachtes Gespräch mit Boldt die verkrustete Situation auflösen kann, ist stark zu bezweifeln. 

FBL-GER-BUNDESLIGA-HAMBURG-MOENCHENGLADBACH

Das Problemkind beim HSV: Bobby Wood



Auf der anderen Seite stehen als Neuzugänge bereits fest: Jeremy Dudziak (23) für die linke (oder auch rechte) defensive Außenbahn, Jan Gyamerah (24) für die rechte, David Kinsombi (23) als Mangala-Ersatz für das defensive zentrale Mittelfeld sowie Lukas Hinterseer (28) für den Sturm. 

Ware Pakia (17, kommt von der BVB-Jugend), Herdi Bukusu (19, von Bayer 04), Gentrit Limani (19, vom VfL Bochum) und Jean-Patrice Kabuya (19, von der SGE) sind für die Jugendmannschaften vorgesehen. 


So ergibt sich folgender (virtueller) Profikader für die Spielzeit 2019/20 (die genannten Streichkandidaten wurden nicht einbezogen, die fixen Neuzugänge schon; mit * versehene Spieler sind für die Zweite Mannschaft oder den Jugendbereich eingeplant). 


Torwart: Mickel, Behrens

Abwehr: van Drongelen, Bates, Vagnoman, Gyamerah, Dudziak, Pfeiffer*, Knost*, Ambrosius*

Mittelfeld: Kinsombi, Janjicic, Özcan, Hunt, Jatta, Narey, Samperio, David*, Kwarteng*, Porath*

Sturm: Hinterseer, Wintzheimer, Köhlert, Porath*, Opoku*


Schon diese Aufstellung zeigt, dass in allen Mannschaftsteilen noch erheblicher Handlungsbedarf besteht. Auf Jonas Boldt kommen arbeitsreiche Wochen und Monate zu.