Alexander Nübel wird vermutlich eine der spannendsten Personalien für ​Schalke 04 über die Sommertransferphase sein. Mit nur noch einem Jahr Vertrag ist die Situation ziemlich offen. Im Interview kritisierte er nun die Vereinsführung, jedoch verspüre er keinen Druck bezüglich seiner Zukunft. Währenddessen wünscht sich S04-Chef Clemens Tönnies wohl ein Comeback von Sead Kolasinac.


Schalke möchte definitiv mit Torwart-Talent Nübel in die nächste Saison gehen. Das hat S04-Sportvorstand Schneider vor wenigen Wochen noch erklärt. Die vertragliche Situation gestaltet sich jedoch alles andere als einfach. Mit nur noch einem Jahr Vertrag und den interessierten Blicken einiger großer Klubs ​muss Schneider ein kleines Wunder gelingen, um Nübel noch länger an den Verein zu binden.


Im Interview mit der Sportbild sprach Nübel über die bevorstehende U21-EM, die (vertragliche) Situation beim S04 und über Gerüchte und Druck im Fußballgeschäft. 


"Als Schalke 04 hätte ich sicher anders agiert"


Auch wenn Alex Nübel erst in der Rückrunde richtig auf sich aufmerksam machte, ersetzte der 22-Jährige bereits in der Hinrunde den zu der Zeit verletzten Ralf Fährmann und zeigte dabei, dass er eins der größten Torwart-Talente der nächsten Jahre werden kann. Christian Heidel, zu der Zeit noch Sportvorstand, soll die Details des Nübel-Vertrags nicht genau genug gekannt haben, er dachte wohl, das Arbeitspapier verlängere sich automatisch um ein weiteres Jahr - Fehlanzeige. 


Nun ist eine Verlängerung deutlich komplizierter. Dass schon damals nicht gehandelt wurde, verstand auch Nübel nicht: „Als Schalke 04 hätte ich sicher anders agiert", sagte er diesbezüglich. Dennoch sei es "müßig, darüber nachzudenken", weil er die Strategie des Vereins nicht kenne.

FC Schalke 04 Training Session

Nübel nach dem Training auf dem Vereinsgelände - er gilt als "vernünftiger Typ Fußballer"


Über seine sportliche Zukunft will er jedoch, wie sein Berater schonmal betonte, erst nach der nun anstehenden U21-EM nachdenken. Danach sei für ihn immer noch "ausreichend Zeit" sich darüber Gedanken zu machen: „Dieses Thema habe ich völlig aus meinem Kopf verbannt", betonte er. 



Wagner sei "eine Wunschvorstellung für jeden Spieler"


Ein wichtiger Faktor einer möglichen Vertragsverlängerung oder auch eines Wechsels von Nübel wird der neue S04-Coach David Wagner sein. Auch wenn er Wagner noch nicht persönlich kenne, habe er aber schon einiges über ihn gehört: „Er soll eine gewisse Lockerheit mitbringen, gepaart mit höchster Professionalität. Im Prinzip eine Wunschvorstellung für jeden Spieler."


Sollte Wagner eindeutig, so wie zuletzt Stevens und ab der Rückrunde auch Tedesco, weiterhin mit Nübel als Nummer eins im Tor planen, könnte dies für einen Verbleib sprechen. Dann hätte er die Gewissheit, auf Schalke Spielzeit zu erhalten die er benötigt, um sich weiterentwickeln zu können. Es sei jedoch auch wichtig, wie sich der Fußball ändert, äußerte Nübel: „Gemeinsam mit dem neuen Trainer müssen wir wieder attraktiven Fußball anbieten." So lautet auch der Plan der Vereinsverantwortlichen für die kommende Saison.


Weiterhin möglich scheint die Variante, mit Nübel in das letzte Vertragsjahr zu gehen und ihn dann, für den Verein sehr ärgerlich, ohne Ablöse zu verlieren. Sollte dies im Sommer nach der U21-EM - die immerhin bis Ende Juni laufen kann und somit in die Saison-Vorbereitungen hinein geht - ​schon klar werden und es Interessenten geben, könnte Schneider jedoch nochmal über einen frühzeitigen Verkauf nachdenken. Dafür muss aber ein Fährmann-Verbleib sicher sein, oder aber es gibt noch einen Neuzugang. Der Torwart-Position beim S04 dürfte eine spannende Entwicklung bevorstehen. 

Ralf Faehrmann

Auch Fährmanns Zukunft beim S04 scheint trotz großer Verbundenheit unsicher zu sein



Tönnies träumt von Kolasinac-Comeback


Doch nicht nur im Tor könnte es über den Sommer zu Spieler-Rochaden kommen. Informationen der Sportbild zufolge soll nach der ​Schreckens-Saison mehr auf Identifikation gesetzt werden. Spieler wie Bentaleb oder Harit, die im Team für Spaltungen und Unruhe sorgen sollen, stehen demnach auf der Streichliste. So soll der S04-Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies mit einer Rückkehr von Sead Kolasinac liebäugeln. Kolasinac hatte von 2012 bis 2017 das königsblaue Trikot getragen, feierte u. a. Erfolge mit der U19-Mannschaft.


Eine Rückkehr scheint allerdings ausgeschlossen. Der Bosnier ist beim ​FC Arsenal zu einem wichtigen Spieler geworden, hat einen laufenden Vertrag bis 2022 und verdient deutlich mehr als Schalke ihm überhaupt bieten könnte. Es wird wohl beim Tönnies-Traum bleiben.


Des Weiteren wünscht sich Tönnies, dass Nübel das "neue Gesicht" Auf Schalke werden könnte. Davon hält der junge Torwart allerdings Abstand. Mit Personenkult habe er wenig zu tun, dazu genug Abstand zum "Business" des Fußballs: „Ich weiß, was Herr Tönnies meint, aber Fußball ist und bleibt für mich immer noch ein Teamsport", stellte er klar.