Den Kaderplanern von ​Eintracht Frankfurt ist es in den letzten Jahren immer wieder gelungen, im kaum überschaubaren Transfermarkt aussichtsreiche Rohdiamanten auszumachen. Wie die BILD berichtet, hat sich ein Mitarbeiter der Hessen ​dabei jedoch durch unlautere Methoden einen Vorteil verschafft und griff dabei unerlaubt auf Ressourcen des Ligakonkurrenten ​RB Leipzig zurück.


Ein Angestellter der Eintracht soll sich dem Bericht zufolge über einen Komplizen, der damals noch ein New Yorker RB-Mitarbeiter war, die Zugangsdaten der Leipziger für ein aufwändiges Datensystem des Münchner Unternehmens International Soccer Bank (ISB) verschafft haben. 


Mithilfe dieses Passworts soll der beschuldigte Frankfurter U17-Trainer, Frank L., laut der ISB zwischen dem 24. August 2017 und dem 18. Januar 2019 mindestens 5.664 illegale Zugriffe getätigt haben. Das Ganze soll über einen Computer der Frankfurter abgewickelt worden sein.

Peter Fischer

Klub-Boss Peter Fischer muss sich auf eine Klage gegen seinen Verein einstellen



Gegenüber der BILD erläuterte ISB-Chef Jürgen Kost die Tragweite der Spionage-Aktion. "Er konnte alle Daten von Spielern einsehen, für die sich der andere Klub interessiert hat. Wie Leistungs-Bewertungen, Vertragslaufzeiten, Ausstiegsklauseln, Videos. Das ging ins Tiefste", so der 53-Jährige. Nachdem das Unternehmen den Vorgang in den letzten Monaten gründlich analysiert hatte, kündigte der Firmen-Anwalt Daniel Heilmeier nun an, noch in dieser Woche beim Frankfurter Landgericht eine Klage gegen Eintracht e.V einzureichen. Dabei müssten sich die Hessen im schlimmsten Falle auf eine Schadensersatzzahlung in sechsstelliger Höhe einstellen.


Die ISB gilt als eines der komplexesten Werkzeuge, um die Scoutingarbeit von Profimannschaften immer mehr zu perfektionieren. Für einen jährlichen Betrag von 17.000 Euro erhält der Kunde Informationen über Fußballer, darunter auch Jugendspieler, aus Europa und Südamerika. Zudem steht den angemeldeten Bundesligisten die Möglichkeit offen, Scouts zu ausgewählten Spielen zu entsenden. 


Aufgeflogen war der brisante Fall, nachdem ein Mitarbeiter der Frankfurter Andeutungen in Richtung der ISB gemacht hatte. Das Unternehmen prüfte daraufhin alle Logins auf das Profil der Roten Bullen. Nachdem die Eintracht auf die Anschuldigungen bezüglich ihres Mitarbeiters angesprochen wurden, zogen die Adler-Bosse rasch Konsequenzen und feuerten den Beschuldigten bereits am 28. März. Gegenüber der BILD legte Klub-Boss ​Peter Fischer aber Wert darauf zu betonen, dass der Beschuldigte eigenmächtig agiert habe und man sich mit Leipzig in einem "einvernehmlichem und transparentem Austausch" befinde.


Den Anschuldigungen der ISB blickt der Präsident aber noch recht entlassen entgegen und betonte, dass man sich erst dann intensiv mit der Klage beschäftigen werde, "sobald der Datenbankbetreiber ISB eine schlüssige Aufstellung und Herleitung der Ansprüche dem Grunde und der Höhe nach vorlegt" habe, dies sei seiner Ansicht nach bis dato aber noch nicht der Fall.


Auch RB zeigte sich kompromisslos und setzte den Komplizen des Ex-Frankfurters ebenfalls bereits vor die Türe. Insgesamt strahlte RB-Kommunikationsdirektor Florian Scholz jedoch eine große Ruhe aus. So bestätigte Scholz zwar, dass es zu "Unregelmäßigkeiten in einem nicht unerheblichen Umfang" gekommen sei, gab aber im gleichem Atemzug zu Protokoll, dass man von Vereinsseite derzeit nicht davon ausgehe, "dass es einen Zusammenhang zwischen den Zugriffen auf die Datenbank und Spielerverpflichtungen seitens Eintracht Frankfurt gegeben hat".