​Dieter Hecking ist einer der erfahrensten Trainer, den der deutsche Fußball zu bieten hat. Was sich am gestrigen Freitag abgespielt hat, dürfte jedoch selbst für ihn ein Novum gewesen sein. So stand der Westfale angeblich kurz vor einem Engagement beim ​Hamburger SV, nur um dann zu erfahren, dass sich die Hanseaten von ihrem bisherigen Sportvorstand ​Ralf Becker getrennt haben.


Eben jener Becker war bis dahin hauptverantwortlich für die Trainersuche der Hamburger gewesen. Nachdem Christian Titz bereits früh in der Saison seinen Hut hatte nehmen müssen, wurde auch dessen Nachfolger auf dem Trainerstuhl, Hannes Wolf, nach dem Saisonende freigestellt. Beiden Übungsleitern war es dabei nicht gelungen, das anvisierte Saisonziel Wiederaufstieg zu bewerkstelligen.

Dieter Hecking

Begibt sich Dieter Hecking freiwillig ins Haifischbecken HSV?



Für den erneuten Angriff auf die Aufstiegspätze haben es die HSV-Bosse allem Anschein nach nun auf einen Trainer mit deutlich mehr Erfahrung abgesehen. Und wer läge dabei aktuell näher als Hecking, der in den vergangenen Jahren bei Borussia Mönchengladbach durchaus gute Arbeit verrichtet hatte und sich trotz der Trennung von den Fohlen mit erhobenem Haupt und einem prallen Erfahrungsschatz neuen Herausforderungen zuwenden kann?


Wie mehrere Medien - darunter auch der kicker - berichten, hatten sich Becker und Hecking in den letzten Wochen immer mehr angenähert und so deutete vieles daraufhin, dass die Verpflichtung des routinierten Fußballlehrers in Bälde bekannt gegeben werden könnte. Nach dem Aus seines bisherigen Gesprächspartners, bestätigte Hecking bereits am Freitagabend gegenüber der Rheinischen Post, dass es "Gespräche mit dem HSV" gegeben habe. Unmittelbar vor einer Einigung sei man seiner Einschätzung nach aber noch nicht gestanden.


Und das, obwohl bis zum Aus von Becker bei dem einstigen Bundesliga-Dino zumindest in der Trainerfrage eigentlich Einigkeit geherrscht haben soll. So sollen sich auch der Vorstandsvorsitzende ​Bernd Hoffmann und der Aufsichtsrat bereits für den ehemaligen Gladbach-Coach ausgesprochen haben. Mit dem neuen starken Mann ​Jonas Boldt, der bereits als Nachfolger von Ralf Becker präsentiert wurde, könnten die Karten nun eventuell wieder neu gemischt werden.

Jonas Boldt

Sorgt Jonas Boldt beim HSV in Sachen Trainerfrage für eine Kehrtwende?



Zumindest dauerte es nur wenige Stunden nach seinem Amtsantritt, bis der ehemalige Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen zu Protokoll gab, dass es seines Wissens nach "keine Einigung zwischen Dieter Hecking und dem HSV" gebe. Ob der neue Funktionär die Einschätzung seines Vorgängers und weiten Teilen der verbliebenen HSV-Verantwortlichen teilt, bleibt abzuwarten.


Wer die Gemengelage beim häufig zum Drama neigenden Zweitligisten kennt, weiß, dass dabei so ziemlich jeder Ausgang denkbar ist. Um es sich bei seinen Vorgesetzten nicht gleich zu Beginn seiner Amtszeit zu verscherzen, dürfte Boldt jedoch am Ende wohl ebenfalls in Richtung Hecking tendieren, zumal auch rein faktisch wenig gegen den mit allen Wassern gewaschenen Coach spricht.