Michael Zorc

BVB-Analyse: Schlägt Borussia Dortmund nochmal auf dem Transfermarkt zu?

​Seitdem die Saison 2018/19 für mittlerweile fast alle Teams beendet ist, war noch keine Mannschaft so aktiv auf dem Transfermarkt wie der BVB. Satte drei Mal hat er bereits zugeschlagen und mit Nico Schulz, Thorgan Hazard und Julian Brandt zwar auf der einen Seite annähernd die 100-Millionen-Marke geknackt, allerdings auf der anderen Seite die Qualität innerhalb des Kaders zweifelsohne erhöhen können. Rechtsverteidiger Mateu Morey vom FC Barcelona soll zudem ebenfalls in den Startlöchern stehen. Doch sind die Transferaktivitäten nach vier Neuzgängen tatsächlich abgeschlossen oder sehen die Verantwortlichen noch Handlungsbedarf? Eine Analyse:

1. Torwart

​Bis zu der Verpflichtung von Marwin Hitz im letzten Sommer schien die Personalie Roman Bürki fast dauerhaft unter kritischer Beobachtung zu stehen. Ganze vier Jahre lang wirkte er oft zu fahrig und verunsichert. Doch seitdem der Konkurrenzkampf durch seinen Nati-Kollegen Hitz richtig entfacht ist, entpuppt sich Bürki als ein echter Rückhalt für seine Mannschaft. Er treibt die Schwarz-Gelben unermüdlich an und wirkt sowohl auf der Linie, als auch mit dem Ball deutlich abgeklärter. So dürfte sich auch im Sommer auf dieser Position nichts ändern. 

2. Verteidigung

​Die Verpflichtung von Nico Schulz war ein echtes Statement der Dortmunder. Auch in den letzten Jahren wurde mit den Transfers von Abdou Diallo oder Dan-Axel Zagadou gezeigt, wo der Weg hingehen soll. Man will auf junge, variable Spieler mit reichlich Entwicklungspotenzial setzen. Da man aber mit Schulz, Guerreiro und (noch) mit Schmelzer links, sowie mit Piszczek, Wolf und Hakimi rechts gut abgesichert scheint, sollte für die Außenpositionen kein neuer Transfer getätigt werden. Auch das Zentrum wird mit Zagadou, Akanji, Diallo und eventuell Weigl und Toprak ebenfalls ausreichend besetzt sein.

3. Mittelfeld

Keine andere Position hat in den letzten Jahren eine so hohe Fluktuation durchlebt wie das Dortmunder Mittelfeld. Seitdem sich allerdings das Duo um Axel Witsel und Thomas Delaney kongenial gefestigt hat und Julian Weigl und Mahmoud Dahoud dahinter auf Einsätze lauern, bleibt nur ein großes Fragezeichen hinter Frankfurt-Rückkehrer Rode. Ein erneutes Leihgeschäft zur Eintracht soll im Gespräch sein. Eventuell könnten die Schwarz-Gelben hier noch einen Back-Up zu sich nehmen, wobei der junge Sergio Gomez, der im zentralen Mittelfeld sämtliche Positionen bekleiden kann, sich hierfür anbieten würde.


Auf der offensiven Zehnerposition hat der BVB spätestens nach der Brandt-Verpflichtung ein echtes Luxus-Problem. Marco Reus fühlt sich auf der Zehn pudelwohl und auch Mario Götze und eben jener Julian Brandt sind beides Spielertypen, die jederzeit den Unterschied ausmachen können.


Auf den Außenbahnen bleibt es allerdings spannend. Sancho und Thorgan Hazard werden dort wohl das Rennen machen. Bruun Larsen und Hazard werden sich dort wohl zunächst hinten anstellen müssen. Ein weiterer Spieler könnte hier interessant sein. Wilfried Zaha von Crystal Palace soll mit einem Wechsel liebäugeln und wäre als Rechtsaußen und als Mittelstürmer verfügbar. 

4. Angriff

Aufgrund der Verletzungsanfälligkeit von Edel-Joker Alcacer, wäre es wohl sehr gewagt, die Saison nur mit Mario Götze als Joker im Mittelsturm zu planen. Der ehemalige Nationalspieler fand zuletzt zwar wieder zu alter Stärke zurück, gilt aber trotzdem nicht als kaltschnäuziger Vollstrecker. Mit dem schwedischen Sturmtalent Isak soll auch künftig (noch) nicht geplant werden. Auf dieser Position werden also sicherlich noch Zugänge erwartet. Optimal wären hier etwa Wilfried Zaha, Bremen-Abgänger Max Kruse oder vielleicht der junge PSG-Stürmer Timothy Weah.

5. Fazit

Ohne Frage: Der BVB hat bislang ein klares Zeichen in Richtung Bayern München gesetzt. Die bisherigen Verpflichtungen könnten den Kader der Borussen enorm verstärken und ordentlich Druck auf die Münchner ausüben, die dazu derzeit ohnehin im Umbruch stehen. Trotzdem sollte man in Dortmund die Stürmerposition nicht vernachlässigen, denn letztendlich ist es diese, mit der man in den vergangenen Jahren nie vollumfänglich zufrieden sein konnte. Nichtsdestotrotz darf sich der neutrale Zuschauer in den kommenden Spielzeiten wieder getrost Hoffnung auf spannende Titelrennen machen. 

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