In den vergangenen Wochen fiel Hans-Joachim Watzke vor allem mit Kampfansagen auf. Im engen Rennen um die Meisterschaft legte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund die sonst vorherrschende Zurückhaltung ab, konnte damit aber die 29. Meisterschaft des FC Bayern München nicht verhindern. Im Interview mit ​Ruhr Nachrichten bereut der 59-Jährige, nicht schon eher zur Attacke geblasen zu haben.


Noch in der vergangenen Woche war der Glaube an einen Ausrutscher des FC Bayern vorhanden, dazu sollte es aber nicht kommen. Der Rekordmeister fertigte Eintracht Frankfurt am 34. Spieltag mit 5:1 ab und feierte damit trotz des gleichzeitigen 2:0-Erfolges der Dortmunder Borussia bei Borussia Mönchengladbach die siebte Meisterschaft in Serie. Die Enttäuschung über den verlorenen Titel "war natürlich da", so Hans-Joachim Watzke, der glaubt, dass "mehr drin war".


Den zwischenzeitlichen Vorsprung von neun Punkten auf den Konkurrenten aus München konnte die Mannschaft von Lucien Favre trotz der ordentlichen Rückrunde, in der man 34 Punkte sammelte, nicht über die Ziellinie bringen. Nach den schwierigen vergangenen Jahren steht der BVB aber wieder vor einer vielversprechenderen Zukunft, die bereits funktionierende Mannschaft dürfte nicht nur mit ​Nico Schulz, sondern auch mit Thorgan Hazard und möglicherweise sogar Julian Brandt verstärkt werden.

Hans Joachim Watzke

Die Vizemeisterschaft macht Mut: Aki Watzke will die Zurückhaltung beim BVB ablegen.



Das Understatement, das den Verein bereits in der erfolgreichen Ära unter Jürgen Klopp auszeichnete, will Watzke daher ablegen: "Wir werden in die neue Saison gehen mit der klaren Maßgabe zu versuchen, erneut um die Deutsche Meisterschaft zu spielen. Weil wir glauben, dass wir das nicht nur unseren Fans schuldig sind, sondern weil wir glauben, dass wir da auch eine Verpflichtung haben."


Nach der Debütsaison von Thomas Tuchel, in der der BVB mit 78 Punkten der beste Vizemeister der Bundesliga-Historie wurde, habe man sich in einer "ähnlichen Situation" befunden, doch einerseits feierten die Münchner die Meisterschaft mit zehn Punkten Vorsprung und andererseits verlor der Verein mit Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrik Mkhitaryan wichtige Leistungsträger. "Von daher war eine so offensive Formulierung neuer Ziele damals nicht angebracht", erklärt Watzke, der die jetzige Situation deutlich anders bewertet. "Jetzt verlieren wir von den Top-Leistungsträgern nur Christian Pulisic. Und wir waren bis auf zwei Punkte dran. Was sollen wir denn sonst sagen?"


Verpasste Kampfansage im Januar


In dieser Saison sammelten die Dortmunder 76 Zähler, was zwar wieder nicht zum Titel gereicht hat - doch Watzke betont, dass die Erwartungshaltung nach der Vorsaison "deutlich" niedriger gewesen sei. Umso mehr bereut er es, nicht bereits zum Auftakt der Rückrunde verdeutlicht zu haben, in diesem Jahr um die Meisterschaft spielen zu wollen: "Uns erschien das im Winter mit einer Mannschaft mit so vielen jungen Spielern noch etwas zu fragil. Im Nachhinein, sage ich heute, hätte man es nach dem Sieg in Leipzig vielleicht schon so formulieren sollen."


Doch letzten Endes fehlte es innerhalb der Mannschaft an der Titelreife, die trotz gestandener Spieler wie Axel Witsel, Marco Reus, Lukasz Piszczek oder selbst Trainer Lucien Favre dem Verein zum Verhängnis wurde. Umso deutlicher wird Watzke daher beim Rückblick auf die Bundesligaspiele, die seiner Meinung nach die Meisterschaft entschieden haben: "Gegen Hoffenheim machen wir Mitte der zweiten Hälfte das 3:0, genau so war es in Bremen, die wir in der ersten Hälfte an die Wand gespielt haben. Da gibt es keine Diskussionen, diese beiden Spiele musst du gewinnen. Und wenn du Deutscher Meister werden willst, muss man das auch erwarten können."