Huub Stevens, der Unabsteigbare. Mal wieder hat es der "Knurrer" geschafft, einen Verein vor dem Abstieg zu bewahren. Dieses Mal musste er nach Stationen wie ​Stuttgart oder ​Hoffenheim bei seinen ​Schalkern als Feuerwehrmann einspringen, um die katastrophale Saison halbwegs zu retten. Das hat er geschafft. Zum Abschied jedoch gibt es mahnende Worte - auf Schalke muss sich was ändern.


Nach dem ereignislosen 0:0 gegen den VfB Stuttgart waren es mal wieder die Schalker Fans, die das meiste Lob und die meisten Danksagungen erhielten. Während ihr Team über die Saison insgesamt alles andere als ​Bundesliga-tauglich aufgetreten war, vor allem auch mit einer erschreckenden Heim-Bilanz, konnte sich der Verein zumindest auf die Anhänger verlassen.


Trotz der schlechten Leistungen, trotz der miesen Ergebnisse, trotz einiger Freitags-/Montags-Spiele, landeten die Fans des S04 im Auswärts-Ranking nur knapp hinter dem Erzrivalen aus Dortmund auf Platz Zwei. Doch auch Huub Stevens erreichte sehr viel Dankbarkeit. Nachdem er Mitte März nach Tedesco übernommen hatte, konnte er den sportlichen Super-GAU verhindern, blieb beispielsweise auswärts ungeschlagen. Doch bereits während der letzten Wochen wies Stevens häufig auf Probleme hin, und auch jetzt zum Abschied gab es mahnende Worte, die man sich auf Schalke zu Herzen nehmen sollte.

Huub Stevens

Zusammen mit Gerald Asamoah, Mike Büskens und Matthias Kreutzer startete Stevens im März


Schon zuletzt, in den noch ungewissen Zeiten vor einigen Wochen, gab es immer wieder kritische Bemerkungen von Stevens. Er habe einige Erkenntnisse sammeln können, doch betonte er auf den Pressekonferenzen auch immer wieder, das nicht alles öffentlich sagen zu können und zu wollen. Er wird vieles intern ansprechen, vor allem mit Jochen Schneider, der den sportlichen Bereich seit März leitet, aber auch mit dem neuen Trainer David Wagner. Die beiden kennen sich, Wagner war damals bei den "Eurofightern" dabei, unter dem Trainer Huub Stevens. 


In der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Stuttgart verwies Stevens darauf, dass dies seine schwierigste Aufgabe war. Es habe zwar auch wieder Spaß gemacht, aber auch viele Nerven gekostet. Er wird direkt, ohne Umschweife oder anstehende Termine, Urlaub und Ruhe brauchen, hatte er angekündigt. Bei der Mitgliederversammlung am 30. Juni wird er jedoch wieder dabei sein, und ebenso an einer Tagung des Aufsichtsrates vier Tage später auf Mallorca teilnehmen, berichtet die WAZ


Spieler in einem System von Egoismus


Wieso es dieses Mal so schwer war, auch unabhängig von der tabellarischen Situation, erklärte er auch. Die Spieler seien „in einer Welt aufgewachsen - das ist nicht meine Welt - in einem System von Egoismus. Wie willst du dann jüngere Spieler dazu bringen, ein Team zu sein?" Harte Worte von Stevens, die aber auch das zum Vorschein brachten, was schon länger gemutmaßt wurde: Das Team harmoniert nicht in sich, es ist keine geschlossene Einheit. Zu viele Spieler denken an sich selbst, sehen sich über dem Team. Das kann einem Verein, vor allem in einer so prekären Situation, zum Verhängnis werden.


Jochen Schneider wird das angehen müssen. Der Kader, den Christian Heidel über die letzten knapp drei Jahre zusammengebastelt hat, wird umgestaltet werden müssen. Zu viele Spieler gefährden schlichtweg das Gefüge des Teams, so wird es einige Abgänge geben. ​Das hatte auch schon Schalke-Chef Clemens Tönnies vor wenigen Wochen angekündigt.

Jochen Schneider,Clemens Toennies,Alexander Jobst

Schneider (1.v.l.) soll als Vorstand Sport der Architekt des "neuen Schalke" werden


Zusammen mit dem noch unbekannten Sportdirektor, David Wagner und ​dem neuen Kaderplaner Michael Reschke gilt es, wieder ein Team zu formen. Sowohl qualitativ, passend zur "neuen Idee" des S04, offensiv spielen zu lassen, aber auch charakterlich muss es stimmen. Alles andere als eine einfache Aufgabe für die Verantwortlichen, die nun vor dem Scherbenhaufen der abgelaufenen Saison stehen. Einer Saison, die den Verein weit zurückgeworfen haben könnte. 


„Es ist viel kaputtgegangen in dieser Saison", resümierte auch Stevens. Er wird zusammen mit der sportlichen Führung, den neuen Gesichtern, und dem Aufsichtsrat viel zu analysieren haben. Die Zusammenstellung des Kaders, der Kontrollverlust Tedescos und die Ausrichtungen, damit sowas in Zukunft nicht noch einmal passiert, werden bzw. müssen dabei zentrale Themen sein. David Wagner wird bei Stevens immer ein offenes Ohr finden, kündigte er an. Er soll nicht wie Domenico Tedesco durch zu wenig Hilfe alleine gelassen werden.


Doch nun hat er sich erstmal seinen hoffentlich erholsamen Urlaub mehr als verdient.