Das Aus von Thomas Doll als Trainer von ​Hannover 96 nach Saisonende schien eigentlich ​beschlossene Sache, doch der Bundesliga-Rückkehrer ist sich über seine Zukunft noch immer im Unklaren. Auf der Pressekonferenz vor dem letzten Spiel gegen Fortuna Düsseldorf (1:2) klangen seine Worte nach Abschied, nach dem Schlusspfiff war der Ton ein anderer.


Nach elf Jahren in der Türkei, Saudi-Arabien und Ungarn kehrte Thomas Doll zu Jahresbeginn nach Deutschland zurück. Der einstige Trainer des Hamburger SV sowie Borussia Dortmund sollte Hannover 96 vor dem zweiten Abstieg binnen drei Jahren bewahren, scheiterte jedoch ebenso wie Vorgänger André Breitenreiter, der elf Punkte aus den ersten 19 Spieltagen einfuhr. Doll steht nach 15 Spielen bei 10 Zählern, 96 war somit hinter dem 1. FC Nürnberg (19) der zweitschwächste Absteiger der vergangenen Jahre. 

"Ich hätte mir das natürlich auch anders vorgestellt, dass das ein anderes Ende hat", sagte Doll auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel in Düsseldorf (via Sportbuzzer). Zuvor bedankte er sich bei allen Pressevertretern, schließlich deutete vieles nach seinem letzten Auftritt bei den Niedersachsen hin. 


"Es gibt viele, viele Fragezeichen. Alle beschäftigen sich mit dem, was kommt. [...] Die Jungs fragen mich ja auch: Coach, wie geht es weiter? Denen konnte ich auch nicht mehr sagen. Schauen wir mal, wie das aussieht", erklärte Doll später. 


Doll: "Vielleicht ja ich"


Der Auftritt in Düsseldorf war ein Spiegelbild der vergangenen Wochen. Die Mannschaft belohnte sich trotz einer ansprechenden Leistung nicht, verlor stattdessen mit 1:2. Im Interview mit dem NDR wirkte Doll über die erneute Niederlage verärgert, sprach jedoch überwiegend über seine eigene Zukunft: "Ich war gerne wieder in Deutschland, bin auch gerne hier. Die Bundesliga wird weiter erfolgreich sein, auch ohne Doll oder mit Doll. Wir schauen einfach mal. Ich habe tolle Leute kennengelernt und das ist auf alle Fälle das, was ich nach dieser Saison mitnehme."

Noch auf dem Platz habe er sich von der Mannschaft verabschiedet, nur um wenig später in der Mixed-Zone die Frage nach der Besetzung des Trainerpostens in Hannover unbeantwortet zu lassen: "Mal gucken, wer hier als nächstes mit euch spricht. Vielleicht ja ich." So oder so betrachtet er den Abstieg als Chance, gleichzeitig aber auch als Risiko.


Funkel: "Thomas ist erfahren"

 

Einerseits könne sich der Verein neu aufstellen, andererseits bliebe den Verantwortlichen nur wenig Zeit. "Die Zweite Liga ist hammerhart. Es ist ein schwerer Spagat, aber das ist so ein toller Verein. Da werden viele mitarbeiten, dass Hannover 96 ganz schnell wieder zurückkommt in die Bundesliga", sagte Doll, der Rückendeckung von Friedhelm Funkel erhielt.


Der Routinier, der frühzeitig mit Fortuna Düsseldorf den Klassenerhalt feiern durfte, sprach sich klar für seinen Trainerkollegen aus: "Dass Thomas ein guter Trainer ist, hat er in den vergangenen Jahren mehr als einmal unter Beweis gestellt. Er hat eine ganz, ganz schwierige Situation in Hannover übernommen" (via Sportbuzzer). Solch einen großen Rückstand aufzuholen sei "wahnsinnig schwer", doch Funkel erkennt in Hannover durchaus eine positive Tendenz: "Gerade in den letzten Wochen haben sie gezeigt, dass sie sich stabilisiert haben."


In der Zweiten Liga benötige es nun einen erfahrenen Trainer, "und Thomas", so Funkel, "ist erfahren." Ob er trotz gültigen Vertrags für Liga zwei weiterhin an der Seitenlinie stehen wird, wird sich allerdings erst in den kommenden Tagen entscheiden.