Während die Bundesligasaison 18/19 an diesem Wochenende ihr vorläufiges Ende findet, befindet sich der ​FC Schalke 04 weiterhin auf der Suche nach einem Sportdirektor, und einem Technischen Direktor. Seit Wochen bringen mehrere Zeitungen und Reporter Michael Reschke für letzteres ins Gespräch - doch wäre er eine gute Entscheidung?


Der Gedanke, nicht nur einen alleine verantwortlichen Vorstand Sport bzw. Manager zu haben, kam auf Schalke schon im Jahr 2017 auf. So sagt es zumindest Clemens Tönnies. Er verriet vor eineinhalb Wochen im Interview mit dem vereinseigenen Schalke-TV, dass er dem damaligen Verantwortlichen Christian Heidel geraten habe, sich breiter aufzustellen. Heidel wollte das nicht, holte mit Domenico Tedesco dann die Vizemeisterschaft. „Wer Erfolg hat, hat immer Recht", so Tönnies daraufhin.


Am Ende der aktuellen Saison sieht das allerdings ganz anders aus. Der "Erfolg" von S04 bestand dieses Jahr darin, nicht abzusteigen. Mit dem Rücktritt von Heidel und der Freistellung von Tedesco bietet sich eine gänzlich andere Situation dar. Heidel-Nachfolger Jochen Schneider will das Team um die Mannschaft herum breiter aufstellen. So soll es beispielsweise die Position des Technischen Direktors bzw. Kaderplaners geben. Potenzieller, und laut verschiedenen Berichten auch wahrscheinlicher Kandidat: Michael Reschke. Doch passt das?

Jochen Schneider

Schneider will auf Schalke die Kompetenzen auf mehrere Schultern verteilen


Reschkes letzte Station war der ​VfB Stuttgart. Ähnlich wie Heidel war auch Reschke im Februar seinen Job los. Dort hatte er die Position "Vorstand Sport" inne, war neben anderen Aufgaben auch für die Außendarstellung in der Öffentlichkeit zuständig, womit er sich keinen guten Ruf erarbeitete. 


Die Entlassung von Korkut schon nach dem siebten Spieltag trotz grandioser Rückrunde zuvor, die Einstellung von Markus Weinzierl, der Negativ-Rekorde brach, dazu die häufig planlos wirkende Außendarstellung im Bereich Kommunikation. Diese Punkte warfen ein sehr schlechtes Licht auf Reschke. 


Andererseits war dieser Posten der erste für ihn, bei dem er auch die Öffentlichkeitsarbeit übernehmen musste, und dazu direkt für den Trainer verantwortlich war. Bevor er zu Stuttgart kam, war Reschke sowohl bei ​Bayern München, als auch bei ​Bayer Leverkusen angestellt. Beide Male arbeitete er eher im Hintergrund, hat zum Beispiel wichtige Transfers geplant und den Kader zusammengestellt. Bei Bayern von 2014 bis 2017 auch unter der Funktion des Technischen Direktors, so wie er es auf Schalke auch wäre.


Große Namen während seiner Arbeit


Wenn man auf die Zeiten Reschkes in Leverkusen und bei den Bayern zurückblickt, also wo er in der Position arbeitete, die er sehr wahrscheinlich auch auf Schalke übernehmen soll, kommt man an einigen großen Namen nicht vorbei. Während seiner Zeit in Leverkusen sind beispielsweise Namen wie Son, Brandt, Leno und Vidal eng mit ihm verbunden. Sie alle hatten im Verein eine große Zeit, halfen sportlich sehr und sind später für eine gute Gewinnsumme gewechselt. Bei Bayern ist das ähnlich. 


Mit Kimmich, Coman, Alonso und Süle hat man auch dort schnell vier Namen zusammen, an denen Reschke auch seinen (sehr) großen Anteil hatte. Diese Spieler, die unglaublich hohes Potenziel haben, und/oder dem jeweiligen Verein direkt helfen können, früh zu entdecken und für noch niedrigere Summen zu kaufen, war bzw. ist sein Fachgebiet.

Joshua Kimmich

Kimmich gilt als einer der "Königs-Transfers" während der Zeit von Reschke beim FCB


Auf Schalke könnte man das sehr gut gebrauchen. Zum einen hat der Verein zurzeit eher wenig Geld für Transfers zur Verfügung, muss jedoch den Kader massiv umbauen. Dazu griff der Verein zuletzt häufig mit größeren Summen ordentlich daneben - sowohl sportlich, als auch charakterlich. Das darf nicht mehr passieren. Schneider will auch den Scouting-Bereich umbauen und auf die Höhe der Zeit bringen, genau da könnte Reschke mit seiner Erfahrung in dem Bereich gut helfen. 

Doch aufgrund seiner Zeit in Stuttgart gibt es sowohl bei einigen Fans, als auch ​bei manchen Verantwortlichen Bedenken. Die sind angebracht, immerhin muss Reschke auch beim Konstrukt S04 funktionieren. Der Knackpunkt wird wohl der tatsächlich vorgegebene Aufgabenbereich sein. Als Planer im Hintergrund, mit einer guten Zusammenarbeit mit einem Sportdirektor, hat er bewiesen, dass er einen Verein nachhaltig verbessern kann - sowohl sportlich, als auch finanziell.

Sollte dies der Bereich sein, den Reschke auf Schalke übernehmen soll, neben einem passenden Sportdirektor, dann kann das gut funktionieren. Ein erfolgreicher Planer, der Transfer-Entscheidungen mit unterstützt, diskutiert, auch kritisch hinterfragt und am besten gleich einen guten Vorschlag bringen kann, wäre das, was der S04 schon lange braucht.