Beim ​VfB Stuttgart kann man von einer sehr gebrauchten Saison sprechen. Nicht nur muss die erste Mannschaft in den Relegationsspielen alles daran setzen den Klassenerhalt doch noch zu bewerkstelligen. Für die zweite Mannschaft steht der Abstieg in die Oberliga bereits fest. Einziges Prunkstück des Klubs ist aktuell die U19. Wie viele deren talentierter Spieler gehalten werden können, steht jedoch in den Sternen.


Unter der Führung von ​Nico Willig, der aktuell als Interimstrainer der Bundesligamannschaft versucht längst verbrannte Kohlen aus dem Feuer zu holen, eilte die U19 des Traditionsvereins in dieser Spielzeit von Erfolg zu Erfolg und ließ in der A-Junioren Bundesliga Süd/Südwest die geballte Konkurrenz aus der Region hinter sich. In der Endrunde um die gesamtdeutsche Meisterschaft konnte man zudem unlängst im Halbfinal-Hinspiel gegen den VfL Wolfsburg ein 0:0-Unentschieden erringen und wahrte damit die Chancen auf den Titel.

Leon Dajaku

Leon Dajaku konnte in dieser Saison bereits 15 Pflichtspieltore beisteuern


Wie stark die Youngster des VfB in dieser Saison aufspielen, wird dadurch deutlich, das die jungen Wilden auch ins Finale den Junioren-Vereinspokals einziehen konnten. Läuft alles wie erhofft, könnten die A-Junioren am Ende somit ein prestigeträchtiges Double erringen. Die Zukunft der oft als goldene Generation bezeichneten Mannschaft ist aber dennoch ungewiss. Durch den Abstieg der zweiten Mannschaft aus der Regionalliga ist ein organischer Übergang von den Anforderungen in der U19 hin zum Profifußball gefährdet.


So dürften sich die Führungsspieler der A-Junioren wohl kaum für Auftritte in der fünften Liga begeistern lassen. Top-Talente wie Torjäger ​Leon Dajaku durften in dieser Spielzeit schließlich sogar bereits erste Erfahrungen in der Bundesligamannschaft des VfB sammeln und könnten Auftritte in der Oberliga eher als Rückschritt, denn als logische Weiterentwicklung auffassen. 


Nun wäre der erst 18-Jährige Dajaku auch noch in der kommenden Spielzeit für die U19 spielberechtigt. Andere Leistungsträger wie Nationalstürmer Eric Hottmann und Kapitän Luca Mack haben dann jedoch die Altersgrenze bereits überschritten. Auch Sportvorstand ​Thomas Hitzlsperger kennt diese knifflige Ausgangslage und räumte laut der BILD ein, dass der Traditonsverein im Umgang mit der sichtbar vernachlässigten U21 Fehler gemacht habe.

Nico Willig

Nico Willig formte die U19 der Stuttgarter zu einer Spitzenmannschaft


Als aussichtslos wollte der ehemalige Nationalspieler die Situation bei den Schwaben aber keineswegs bezeichnen, sondern betonte vielmehr, dass man auch in der U19 und der U21 Spieler ausbilden könne. Am Ende des Tages gelte es aber jeden Einzelfall gesondert zu überprüfen, um für jeden Spieler individuell herausfinden zu können, "was die beste Option ist, sich weiterzuentwickeln".


Eine naheliegende Lösung wäre dabei mit Sicherheit auch zahlreiche Spieler an Klubs aus der zweiten und dritten Liga auszuleihen. Auch Willig wurde im Rahmen der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC Schalke 04 auf die Gemengelage bei den A-Junioren angesprochen. Dabei machte der junge Coach den Anhängern des VfB etwas Hoffnung und betonte die große Identifikation seiner Schützlinge mit dem Traditionsverein.