​Vielleicht! Vielleicht ist ja alles viel leichter, als wir alle gedacht haben. Statt der ausschweifenden Suche nach möglichen Ursachen für die immer wiederkehrenden, die immer gleichen Fehler beim ​HSV, sollte man - vielleicht - einfach akzeptieren, dass sie beim HSV einfach zu blöd sind für Vereinsmanagement. Vielleicht. 


Man weiß momentan gar nicht, auf welcher Ebene der Hamburger SV ein traurigeres Bild abgibt: ob auf der sportlichen oder auf der institutionellen. Die beiden Sphären bedingen natürlich einander. Doch die Kommunikation eines Trainerwechsels gehört ja eigentlich zum kleinen Einmaleins in der Vereinsführung. Und es ist ja auch nicht so, dass sie im Volkspark darin keine Erfahrungen gesammelt hätten in den letzten Jahrzehnten. 


Umso unverständlicher, dass man nicht schon nach dem Heimspiel gegen Ingolstadt am 32. Spieltag, welches einer Bankrott-Erklärung gleichkam, die Reißleine gezogen hat. Eigentlich schon nach der Nicht-Leistung bei Union Berlin, eine Woche zuvor. Doch da (im falschen Moment) erinnerten sie sich ihrer heeren Vorgaben, doch bitte nicht immer den armen Trainer als schwächstes Glied für die Fehler anderer bezahlen zu lassen.​ Doch auch das - vermeintlich - Richtige kann in bestimmten Situationen falsch sein. 


Wolf eine - ja, was: Schonfrist? Galgenfrist? bis zum Saisonende auszustellen, war sicherlich falsch. Prompt folgten massive Proteste der Fans, und sofort waren sie beim HSV wieder nur Getriebene. 


Eine klare Ansage ("Wenn gegen Ingolstadt kein Dreier eingefahren wird, müssen wir über Alternativen reden" oder in der Art) vor dem Spiel gegen die Schanzer - und alles wäre gut. Wer glaubt denn jetzt wirklich, dass bei einer so ernsten Sache wie die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses so schwammige Formulierungen wie "vielleicht" fallen? 

Das Ingolstadt-Spiel hat eigentlich schon genug Rückschlüsse erlaubt: auf dem Platz war eine tote, durch keinen einzigen Reiz des Trainers mehr zu motivierende Mannschaft zu sehen. Wenn die gern bemühte Phrase vom "gegen den Trainer spielen" je einen Sinn gemacht hat, dann an diesem Samstag. Doch die Bosse sahen anscheinend die Realitäten nicht. Statt dessen wurde stur an der Vorgabe, Kontinuität in den Laden zu bringen, festgehalten. 


Wie gesagt: man kann das Richtige wollen, und dennoch das Falsche tun. So wie man sich auch tot sparen kann. Es kommt immer auf das Maß und auf die jeweilige Situation an. Und wenn man noch keinen Ersatzmann für den Trainer gefunden hat, dann schickt man halt erstmal den Trainer der Zweiten Mannschaft vor. Machen andere doch auch. Und gleichzeitig verhandelt man mit den entsprechenden Kandidaten. 


Aber, nein. Das ist ja der HSV. Und der will ja - vielleicht - endlich raus aus dem Teufelskreis. Hätten sie haben können. Wenn sie nur logisch gehandelt hätten. Doch welche Logik waltet in der Entscheidung, Wolf jetzt noch mal in einen Spießrutenlauf zu schicken? Wer erwartet am kommenden Sonntag eine feierliche, versöhnliche Stimmung im Stadion? Wenn der Verein schon selbst davor ​Angst hat, seinen scheidenden Spielern einen Strauß Blumen und ein paar warme Worte zum Abschied zu überreichen. Nein, am Sonntag hätte eigentlich schon der neue Trainer auf der Bank sitzen müssen. Oder zumindest nicht mehr der Alte. 


Sozusagen als Vorgriff auf die kommende Saison, als Einstieg für den x-ten Neuanfang in diesem Klub. Stattdessen enteiert man den (Noch-)Trainer völlig und wirft ihn der hungrigen Meute zum Fraß vor. Wahrscheinlich hätte Wolf auch bessere Alternativen gehabt, als am nächsten Sonntag sich den konzentrierten Groll einer ganzen Anhängerschaft auszusetzen. In dem Wissen, dass er keine vierundzwanzig Stunden später sowie schon Vereinsvergangenheit ist. Vielleicht.