HSV-Trainer Hannes Wolf (38) ist zwar offiziell immer noch im Amt, doch in Hamburg glaubt, trotz der durchaus in alle Richtungen interpretierbaren Worte von Bernd Hoffmann, keiner mehr daran, dass der gebürtige Bochumer über die kommende Woche hinaus noch eine Zukunft in Hamburg hat. Das Karussell der möglichen Alternativen dreht sich mittlerweile immer schneller. 


Und es fällt immer häufiger der Name ​Bruno Labbadia. Der 53-Jährige ist zusammen mit Dieter Hecking (54) und Peter Stöger (53) einer der drei Top-Kandidaten auf den Trainer-Stuhl im Volkspark. Die Mopo will wissen, dass sich Labbadia ein neuerliches Engagement bei den Rothosen gut vorstellen kann. Es wäre seine dritte Amtszeit beim Traditionsklub. 


Seine erste (vom Juli 2009 bis April 2010) endete mit einem Knall. Nachdem Dietmar Beiersdorfer die Brocken als Sportvorstand hingeworfen hatte, schaffte Labbadia es nicht mehr, die Doppelfunktion als Trainer und Interims-Sportchef zu bewältigen. Trotz des Erreichens des UEFA-Cup-Halbfinales (gegen Fulham) wurde der gebürtige Darmstädter entlassen. Als Tabellen-Siebter! Die damaligen Ansprüche waren in Hamburg noch etwas höher als heutzutage. 

Mit seiner zweiten Schaffensperiode in Hamburg (ab April 2015) machte sich Labbadia zu einem der Helden der Klubgeschichte - und zum "Hamburger des Jahres". Die aussichtslos scheinende Mission Rettung (über eine dramatische Relegation gegen den Karlsruher SC) gelang mit ihm an der Seitenlinie tatsächlich noch. 


Mit seinem heute schon legendären Freistoßtor in der 92. Minute rettete der Chilene Marcelo Diaz ("Tomorrow, my friend!") den HSV in die nicht mehr für möglich gehaltene Verlängerung des Relegations-Rückspiels im Wildpark. Dort machte dann Nicolai Müller mit seinem Tor in der 115. Minute alles klar. 


In der dann folgenden Saison 2015/16 belegte der HSV einen für damalige Verhältnisse akzeptablen zehnten Tabellenrang, ehe Labbadia nach einem Zerwürfnis mit Beiersdorfer zu Beginn der Spielzeit 2016/17 und lediglich einem Punkt aus den ersten fünf Spielen entlassen wurde. 

Aktuell würde auf Bruno Labbadia erneut eine Art Rettungs-Mission warten. Nämlich die, den HSV vor einem dauerhaften Aufenthalt in Liga Zwei zu bewahren. Dass er nicht nur Retter kann, sondern eine Mannschaft auch in relativ kurzer Zeit zu entwickeln weiß, hat er bei seiner letzten Station ​VfL Wolfsburg eindrucksvoll nachgewiesen.  


Doch es gibt auch Vorbehalte gegen den Trainer. Einen Neuanfang doch wieder mit den altbekannten Gesichtern zu starten, würde demselben vielleicht schon im Vorfeld zu viel Schwung nehmen. So gesehen wären die anderen beiden Kandidaten wohl leichter darstellbar. Und wie gesagt: den Worten von Bernd Hoffmann ("Ich fand die Zusammenarbeit mit Hannes Wolf sehr angenehm, wir haben ihn mit voller Überzeugung die ganze Zeit gestützt. Jetzt analysieren wir, wie es weitergeht.") ist auch noch keine endgültige Tendenz in Richtung Wolf-Entlassung zu entnehmen. Bis zur kommenden Woche werden also die Spekulationen nicht abreißen. Ausgang - offen.