Was sollte sich nicht alles nach dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte beim Hamburger SV ändern - und doch hat sich in den vergangenen zwölf Monaten wenig getan. Der Aufstiegsaspirant spielte eine mehr als bedenkliche Rückrunde, das 1:4 beim SC Paderborn beerdigte auch die letzte Chance auf eine Rückkehr in die Bundesliga. Wieder einmal müssen die Verantwortlichen alles auf den viel zitierten Prüfstand stellen, doch nun ist klar: ​Dieser Schuss muss sitzen. Das weiß auch Bernd Hofffmann, der den verpassten Aufstieg laut kicker als "überflüssigsten Nicht-Aufstieg der Fußballgeschichte" bezeichnete. 


Als sich die zweite Bundesliga nach dem 18. Spieltag in die Winterpause verabschiedete, sah die Lage in Hamburg deutlich besser aus. Der HSV, der sich nach dem zehnten Spieltag von Christian Titz trennte ​und den mittlerweile deutlich in der Kritik stehenden Hannes Wolf verpflichtete, überwinterte nach sieben ungeschlagenen Spielen unter dem 38-Jährigen und trotz einer 1:3-Niederlage gegen Holstein Kiel am 23. Dezember auf dem ersten Tabellenplatz. Der Vorsprung auf die Nicht-Aufstiegsplätze betrug sechs Punkte, doch mit Jahresbeginn hat sich - wieder einmal - alles zum Schlechten gewendet.

Hannes Wolf

Vor zwei Jahren feierte Hannes Wolf mit dem VfB Stuttgart den Aufstieg in die Bundesliga. Beim Hamburger SV ist er, wie viele seiner Vorgänger, gescheitert.



In der Rückrundentabelle belegt der einstige Bundesliga-Dino Platz 16, sammelte gerade einmal 16 Punkte. Der MSV Duisburg, der gemeinsam mit dem 1. FC Magdeburg bereits als Absteiger feststeht, sammelte nur einen einzigen Zähler weniger. Seit dem 26. Spieltag ist die Mannschaft sieglos; Wolf, ​den Investor Klaus-Michael Kühne eigenen Aussagen zufolge bereits im Februar entlassen hätte, verfiel immer mehr in Aktionismus. Egal, was er probierte - nichts konnte den Absturz verhindern.


Hoffmann sieht "nicht die eine Ursache"


Nach 33 Spieltagen ist klar: Die Bundesliga wird auch in der kommenden Saison auf den HSV verzichten müssen, nicht einmal der Relegationsplatz ist noch in Reichweite. Ein zweites Jahr zweite Liga, das betonten die Verantwortlichen immer wieder, könne man sich notfalls leisten - doch wenn der Aufstieg auch im kommenden Jahr nicht gelingen sollte, droht ein weiterer Traditionsverein langsam aber sicher in der Versenkung zu verschwinden.


Umso schriller läuten die Alarmglocken. "Es gibt nicht die eine Ursache, es handelt sich um ein Systemversagen. Unser gesamtes Sportsystem ist seit dem Januar kollabiert", erklärt Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann. Seit vielen Jahren befinde man sich "im permanenten Krisenmodus", der letztlich nur einzelnen Personen - meist dem Trainer oder dem Sportchef - den Job kostete. Nun aber mahnt der 56-Jährige: "Wir können es nicht immer wieder nur am Trainer festmachen. Wir müssen diesen Kreislauf auch einmal durchbrechen." ​Ähnliche Worte wählte auch Sport-Vorstand Ralf Becker, der trotz allem an Wolf festhielt. 

Bernd Hoffmann

Bernd Hoffmann schlägt Alarm, doch diese Situation ist beim HSV alles andere als neu.



"Jeder einzelne Bereich" soll analysiert werden, Hoffmann beziehe dies auch auf seine eigene Person. "Wir müssen dies in aller Klarheit tun und dann handeln", kündigt er an, ohne dabei den Fokus allein auf den Trainer legen zu wollen. Dieser sei "natürlich mit im Boot", genau wie er selbst. Daher werde man die Situation "in Ruhe analysieren, und zunächst einmal mit und nicht über Hannes Wolf sprechen".


Die zweite Liga soll eine Zwischenstation bleiben


Dass sich nun auch Kühne wieder öffentlich zu Wort meldete, kümmert ihn dabei nur geringfügig. Der Unternehmer sei schließlich HSV-Fan, eine Meinung stehe ihm genauso zu wie jeder anderen Person. Diese gelte es zu "ertragen", viel wichtiger ist für Hoffmann aber die Arbeit, die dem gesamten Verein bevorsteht, denn: "Das Allerletzte, was hier passiert, ist, dass wir uns mit der 2. Liga anfreunden. Das darf in Hamburg kein Normalzustand werden."


Noch einmal appelliert er daran, dass alle für die miserable Rückrunde verantwortlich seien, dass jeder Stein - wieder einmal - umgedreht werden müsse. "Der HSV ist keine Wohlfühloase", so Hoffmann, der genau weiß, dass der Verein in diesem Moment endgültig am Tiefpunkt angekommen ist.