​Wenn ​Hans-Joachim​ Watzkes Intention es war, den kommenden, entscheidenden letzten Spieltag der Bundesliga die Woche über anzuheizen, scheint er dies, angesichts der Reaktionen, die sein Kommentar ("Die Bayern können alles verlieren") hervorgerufen hat, auch geschafft zu haben. Jetzt meldet sich auch noch Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus zu Wort.


Und der 150-malige Nationalspieler und Weltmeister von 1990 schlägt in dieselbe Kerbe wie noch am vergangenen Wochenende ​Bayern-Sportdirektor​ Hasan Salihamidzic. Vielleicht auch seiner früheren Bayern-Vergangenheit geschuldet. Matthäus spielte zweimal (von 1984 - 1988 und von 1992 - 2000) für die Münchener. 


Die als bloße Psycho-Spielerei beabsichtigte Aussage von Borussias Geschäftsführer konterte Matthäus in seiner Sky-Kolumne als wäre er immer noch in Diensten des Rekordmeisters: "Ich finde schon, dass die Dortmunder, Stand jetzt, eine Menge verloren haben. Nämlich einen Vorsprung von neun Punkten." Da hat er natürlich recht, der "Loddar", aber das weiß natürlich auch Herr Watzke. 


Es geht hier gar nicht so sehr um die faktische und allumfassende  Korrektheit der besagten Aussage, sondern darum, mit ihr einen bestimmten Effekt zu erzielen. Denn natürlich kann auch ein Herr Watzke bis neun rechnen (und auch wieder zurück) und weiß, dass die Borussia vor noch gar nicht so langer Zeit, etliche (genau neun) Punkte vor den Bayern stand. Dies aber jetzt vor dem alles entscheidenden letzten Spieltag seinen eigenen Spielern nochmal um die Ohren zu hauen, wäre eher ein kontraproduktiver Ansatz von Motivation. Also blendet man das aus, was man nicht braucht, und spitzt zu. 


Das haben die Bayern zeitlebens auch so gemacht. Um so erstaunlicher wie buchstabengetreu die Worte des BVB-Bosses interpretiert werden. Obwohl: so erstaunlich ist es auch wieder nicht. Sowohl Watzkes Aussage als auch die Konter aus München sind Teile eines ganz normalen Vorgangs: des Hufescharrens vor einem entscheidenden Spiel. Mal sehen, wer am Sonntag noch Sprüche klopft.