​Der ​Hamburger SV geriet am vergangen Wochenende gegen den SC Paderborn mit 1:4 unter die Räder. Der ​Traum vom direkten Wiederaufstieg ist somit endgültig geplatzt. Cheftrainer ​Hannes Wolf wird nach monatelanger Nibelungentreue seitens Sportdirektor Ralf Becker aller Voraussicht nach in Bälde entlassen. Als Nachfolger stehen mit Bruno Labbadia und Dieter Hecking zwei klangvolle Namen parat.


Noch im vergangenen Januar hatte Becker auf der Mitgliederversammlung des HSV vollmundig zu Protokoll gegeben, dass Wolf auch in zwölf Monaten noch der Trainer der Hanseaten sei. Die gute Intention, dem jungen Übungsleiter dadurch öffentlich den Rücken zu stärken, entpuppte sich im Nachhinein jedoch als folgenschwerer Bumerang. 


So sah sich Becker allem Anschein nach in den vergangenen Wochen außer Stande, rechtzeitig  die Reißleine zu ziehen und dem HSV zumindest die Minimalchance einzuräumen, unter einem neuen Übungsleiter wieder in die Erfolgsspur zurück zu finden. So aber taumelte der einstige Bundesliga-Dino von einer Verlegenheit in die nächste und stellt - Stand jetzt - die drittschwächste Rückrundenmannschaft der zweiten Liga. Ein Aufstieg wäre in dieser Form daher ohnehin grotesk gewesen.

Bruno Labbadia

Bruno Labbadia hat sich in den letzten Jahren einen exzellenten Ruf erarbeitet



Wie mehrere Medien, darunter die Hamburger Morgenpost und das Hamburger Abendblatt, in Erfahrung gebracht haben, ist sowohl bei Becker als auch bei Geschäftsführer Bernd Hoffmann nun aber die Erkenntnis gereift, dass eine Zusammenarbeit mit Wolf über die Saison hinaus keinen Sinn macht. Aus Respekt vor dem 38-jährigen Fußballlehrer komme eine Trennung vor dem letzten Ligaspiel gegen den MSV Duisburg aber nicht in Frage.


Doch wer soll dann ab der kommenden Spielzeit den schiffbrüchigen HSV-Kahn wieder in ruhigere Gefilde geleiten? Laut der Hamburger Morgenpost deutet derzeit vieles auf einen alten Bekannten hin. So soll ​Bruno Labbadia die Wunschlösung von weiten Teilen des Präsidiums sein. Für den ehemaligen Angreifer wäre es bereits die dritte Amtszeit bei den Hamburgern. Insbesondere durch die gewonnene Relegation im Jahre 2015 gegen den Karlsruher SC steht der 53-Jährige bei den Fans noch immer hoch im Kurs.


Dabei würden die Anhänger sogar verschmerzen, dass Labbadia in den vergangenen 1,5 Jahren für den bei Fußball-Traditionalisten eher wenig beliebten VfL Wolfsburg tätig war. Nach der laufenden Saison wird der ehrgeizige Coach die Niedersachsen definitiv verlassen. Als einer der Hauptgründe für die Trennung gilt das angespannte Verhältnis mit Geschäftsführer Jörg Schmadtke. Auch beim HSV machte sich Labbadia einst nicht nur Freunde, die Animositäten mit Bernd Hoffmann sollen mittlerweile aber längst geklärt sein.

Dieter Hecking

Dieter Hecking hat eine Vorliebe für Traditionsvereine



Obwohl Labbadia mit dem VfL zuletzt an der Europa League schnuppern durfte, könnte er sich den Berichten zufolge tatsächlich eine Rückkehr an die Elbe vorstellen. Dabei dürfte mit Sicherheit auch eine Rolle spielen, dass seine Familie noch immer in der Hansestadt wohnt. Um den ambitionierten Trainer aber vollends zu überzeugen, müssten die HSV-Bosse ihm erst noch einen schlüssigen Plan bezüglich der angedachten Neuausrichtung vorlegen.


Neben Labbadia wird auch ​Dieter Hecking gehandelt. Auch der 54-Jährige sucht aufgrund seiner bevorstehenden Trennung von Borussia Mönchengladbach einen neuen Arbeitgeber und verfügt über einen ähnlich großen Erfahrungsschatz. Auch bei ihm wäre ein Wechsel in die zweite Liga auf dem Papier aber eher ein Karriererückschritt. 


Als weiteren Kandidaten warf die BILD unlängst auch noch den ehemaligen BVB-Coach Peter Stöger ins Rennen. Durch die Auswahl der Kandidaten wird also deutlich, dass die Hamburger in Zukunft, zumindest auf der Trainerbank, wohl wieder auf mehr Erfahrung und weniger auf jugendliche Experimentierfreudigkeit setzen möchten.